Online-Stress

27. Dezember 2013 06:39; Akt: 27.12.2013 10:42 Print

Junge brauchen eine Pause von Facebook und Co.

Die Jugendlichen in der Schweiz sind überfordert und wünschen sich eine Pause von sozialen Netzwerken. 20 Minuten sucht nun nach solchen Facebook-Aussteigern.

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Das diesjährige Schweizer Hoffnungsbarometer bringt Unerwartetes zu Tage: Anstatt mehr Party wünschen sich in der Schweiz besonders die Jugendlichen vor allem mehr Ruhe und Ordnung in ihrem Leben. Dieses Bedürfnis hat sich im Gegensatz zum letzten Jahr um elf Prozent gesteigert. Auf einer Skala von 0 (nicht wichtig) bis 2 (sehr wichtig) liegen die Hoffnungen der Schweizer auf mehr Ordnung im Leben aktuell bei einem Wert von 1,45. Rund 3000 Personen wurden für das Hoffnungsbarometer von Swissfuture, der Vereinigung für Zukunftsforschung, befragt. Während bei derselben Studie für das Jahr 2013 der Wunsch nach einem sicheren Arbeitsplatz im Vordergrund stand, sind heute Freizeit und Ruhe weiter oben auf der Wunschliste.

Das Bedürfnis erstaunt die Studienautoren nicht. Laut Psychotherapeut und Mitautor Stefan Schwarz sind die Jungen vor allem von der Webpräsenz rund um die Uhr überfordert. «Der Wunsch, auf allen Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen und die Angst, etwas zu verpassen, sorgt bei vielen Jugendlichen für Stress.» Nach dem Motto «weniger ist mehr» wolle man deshalb die Vielfalt in Beziehungen, in der Freizeit und im Beruf reduzieren. «So möchte man beispielsweise weg von den 500 Facebook-Bekanntschaften und zurück zu drei bis vier engen Freunden.»

Höhere Belastung im Job

Andreas M. Walker, Initiator und Gesamt-Projektleiter des Hoffnungsbarometers, sieht noch weitere Ursachen für das Bedürfnis nach einem geregelten Leben. Die Pubertät sei bekanntlich eine stressige Zeit. Beziehungen, Schule und Berufswahl würden die Jugendlichen unter Druck setzen. «Es ist daher nicht verwunderlich, dass sie sich mehr Ordnung und somit mehr Ruhe im Leben wünschen.» Aber auch die Belastung in der Schul- und Arbeitswelt ist laut Schwarz in den letzten Jahren für Junge gestiegen. Dies zeigt sich in einem weiteren Ergebnis aus dem Hoffnungsbarometer. Demnach wünschten sich wiederum vor allem Junge mehr Freizeit.

Gleichzeitig mit der steigenden Belastung im Job habe die Selbstdarstellung auf Online-Plattformen wie Facebook und Twitter an Bedeutung gewonnen. «Vor allem Junge wollen sich dort präsentieren, besonders in der Freizeit», so Schwarz. Somit habe Freizeit für Jugendliche einen höheren Stellenwert als früher. Gemessen unter allen Teilnehmern hat die Wichtigkeit dieses Punktes um fünf Prozent zugenommen.

Weniger Sehnsucht nach Freizeit bei besserer Ausbildung

«Spannend ist dabei auch, dass sich Verheiratete nicht unbedingt mehr Freizeit wünschen», ergänzt Walker. Dies komme daher, dass sie sich über ihre Familie definierten. Sie arbeiteten für die Familie und fänden das sinnvoll. «Wer gerne arbeitet, sehnt sich auch weniger nach Freizeit», so Walker. So wird auch verständlicher, dass das Bedürfnis nach Mussestunden bei Personen mit einer höheren Ausbildung ebenfalls geringer ist. Besser ausgebildete Leute können dem Beruf nachgehen, den sie sich wünschen. «Wer eine Sinnerfüllung in seiner Arbeit findet, braucht weniger Freizeit», so Schwarz.

Doch auch die älteren Generationen sehnen sich nach Freizeit und Ordnung: die Gruppe der sogenannten Babyboomer, die Bevölkerungsgruppe mit Jahrgang 1955-65, stellt die grösste Bevölkerungsschicht der Schweiz dar. Laut Walker wollen sie, dass Ruhe und Ordnung in ihr Leben einkehren – ohne Stress und Angst um die Altersvorsorge. Man spreche nicht ohne Grund vom «geruhsamen Lebensabend».

Haben Sie ihren Facebook-Account gelöscht oder nutzen ihn nicht mehr? Dann schreiben Sie uns an feedback@20minuten.ch

(blu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tobi K am 27.12.2013 07:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bravo!

    seit ich kein FB-Mitglied mehr bin, fühle ich mich ausgeglichener. manchmal ist weniger einfach mehr...

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  • Marc R. am 27.12.2013 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    Gesprächsthemen

    Social Networks haben irgendwie auch die Art des Zusammenseins unter Freunden verändert. Es wird immer schwieriger interessante Gespräche zu führen, da über diese Netzwerke immer die aktuellsten Dinge ins Haus flattern.

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  • Susanne L. am 27.12.2013 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Leben geniessen

    Ich bin 23, weiblich, war niemals auf Facebook. Ich habe einen grossen Freundeskreis und wer mich erreichen will, hat meine Handynr; alle anderen Leute, die mich nur oberflächlich kennen, hat es nicht zu interessieren, was ich mache oder wann ich aufs Klo gehe. Am liebsten lese ich zuhause ein Buch oder gehe mit Freunden und Familie lecker essen oder mache einen Spaziergang im Wald. Im Ausgang war ich schon seit Jahren nicht. Leute, die ihr leeres Leben mit Ausgang und Selbstdarstellung füllen müssen, tun mir einfach leid...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tinu am 28.12.2013 18:16 Report Diesen Beitrag melden

    Habe den Sinn nie verstanden...

    Ich habe nie FB benutzt und habe immer schon gesagt, dass einmal der Tag kommen wird, an dem sich die Menschen fragen werden "was habe ich nur all die Jahre in FB gemacht???" Langsam scheint diese Zeit zu kommen.

    • Nick am 29.12.2013 09:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Wenn...

      ...du nie FB benutzt hast, wie willst du dann den Sinn verstehen?

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  • kaan am 28.12.2013 15:59 Report Diesen Beitrag melden

    FACEBOOK

    Meine Freundin und ich haben beide FB deaktiviert,seit dem haben wir weniger Probleme und mehr Zeit für uns, unsere Familie und Freunden .. empfehle jedem ;)

  • Aus Zürich am 28.12.2013 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Woche auf dem Camping

    Eine Woche lang auf dem Camping ohne Strom, mit nem Kolleg waren wohl die schönsten Ferien.

  • Nadine Türchen am 28.12.2013 11:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    degeneriert

    amüsant (zugleich erschütternd) im Zug zu sitzen und die Reisenden zu beobachten: starrer Blick aufs Handy, in 20 Min. blättern, mit verklärten Gesichtern mit dem Restmüll aus den Ohrstöpseln die Umgebung beglücken... Arme triste Gesellschaft :-(

    • Stephan am 28.12.2013 11:29 Report Diesen Beitrag melden

      Beobachten

      ich fahre Zug um zur Arbeit zu kommen, und ich bin am morgen früh noch gar nicht so gesprächig oder kontaktfreudig. ich finde es lästig wenn mich Leute beobachten oder anglotzen im Zug, was sie scheinbar machen.

    • Hugo am 28.12.2013 15:15 Report Diesen Beitrag melden

      Naja

      Jetzt Handy und Taplet vor 10 Jahren waren es Bücher oder Game Boy. Als währen die Schweizer soo Kontakt und rede freudig.

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  • maja naef am 28.12.2013 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    keine Zeitung

    und Erwachsene brauchen eine Pause von den Zeitungen. Es tut ganz gut mal einige Tage den Kopf davon fernzuhalten. Die Welt dreht sich nämlich trotzdem weiter.