Grosse Umfrage

07. April 2014 11:19; Akt: 04.04.2014 19:24 Print

Junge glauben nicht mehr an die AHV-Rente

von Simon Hehli - Die grosse 20-Minuten-Umfrage zeigt: Eine Erhöhung des Pensionsalters und Rentenkürzungen sind sehr unpopulär. Bei der U-35-Generation ist Pessimismus weit verbreitet.

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Ob die heute Jungen in 30, 40 Jahren auch noch in die saftigen AHV-Äpfel beissen dürfen? Viele glauben nicht daran. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

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Innenminister Alain Berset hat grosse Pläne für die Altersvorsorge: Da aufgrund der fortschreitenden Alterung der Bevölkerung Handlungsbedarf besteht, will er AHV und Pensionskassen in einem umfassenden Paket reformieren. Eine Mehrheit von 58 Prozent der 20-Minuten-Leser findet jedoch, es wäre sinnvoller, die beiden Säulen der staatlichen Altersvorsorge separat umzubauen: Sie halten die Absturzgefahr eines Gesamtpakets für zu gross. Nur Wähler von Grünen und Grünliberalen plädieren mehrheitlich für den «grossen Wurf». Das ergab eine nicht repräsentative Leser-Umfrage mit gut 3700 Teilnehmern.

Wirtschaftsverbände, FDP und SVP wollen das AHV-Alter auf 67 Jahre heraufsetzen. Damit stossen sie bei den Lesern auf wenig Begeisterung – obwohl unter den Teilnehmern Wähler der beiden Parteien stark vertreten sind. Bei den SVP-Anhängern sind nur 19 Prozent mit einer Erhöhung des AHV-Alters – auf 66, 67, oder mehr als 67 Jahre – einverstanden, bei der FDP sind es immerhin 47 Prozent.

Auch Linke wollen höheres AHV-Alter für Frauen

Ein Blick auf das Total der Befragten zeigt: 54 Prozent finden, das normale Rentenalter solle bei 65 Jahren bleiben, 20 Prozent sprechen sich sogar für eine frühere Pensionierung aus. Die beiden Geschlechter sollen dabei gleich behandelt werden: 76 Prozent fordern, dass Frauen nicht früher in Pension dürfen als Männer, wie das heute noch der Fall ist. Die linken Wähler gehen in dieser Frage weitgehend mit den Bürgerlichen einig – und auch Berset ist für gleich lange Spiesse.

Der Gesundheitsminister kann zudem bei einem weiteren Kernpunkt seines Reformprojekts auf breite Unterstützung zählen. Der SP-Bundesrat möchte das AHV-Alter weitgehend flexibilisieren: Jeder soll selber entscheiden können, wann zwischen dem 62. und 70. Altersjahr er in Pension gehen will – wobei vor dem 65. Geburtstag Rentenkürzungen vorgesehen sind. 72 Prozent der Umfrage-Teilnehmer halten das für eine gute Stossrichtung. Grösser ist der Widerstand gegen Bersets Plan, Frühpensionierungen vor 62 praktisch zu verunmöglichen: Befürworter und Gegner dieser Massnahme liegen fast gleichauf.

Die Jungen sind pessimistisch

Auf Anklang stösst die Idee einer Lebensarbeitszeit: Wer früher zu arbeiten anfängt, soll auch früher in den Ruhestand dürfen – etwa nach 40 Jahren. 52 Prozent sprechen sich für dieses Modell aus, 42 Prozent sind dagegen. Unter den Jungen ist die Lebensarbeitszeit allerdings deutlich weniger populär als unter den 35- bis 65-Jährigen.

Je jünger die Umfrage-Teilnehmer sind, umso kleiner ist auch ihr Optimismus, dass sie überhaupt noch eine Rente bekommen. 56 Prozent der 18- bis 34-Jährigen gehen sicher oder eher von diesem Schreckensszenario aus. Bei den 35- bis 49-Jährigen sind es 35 Prozent, bei den 50- bis 65-Jährigen sind es nur 8 Prozent.

Die Rente kürzen will fast niemand

Die Umfrage zeigt zudem, dass Kürzungen bei den Renten enorm unbeliebt sind. Selbst bürgerliche Wähler wollen nichts davon wissen, dass bei der Pensionskasse jährlich ein tieferer Prozentsatz des angesparten Kapitals ausbezahlt wird. Nur 9 Prozent möchten steigenden Ausgaben bei der AHV mit Rentenkürzungen vorbeugen.

Weitaus populärer sind drei andere vorgeschlagene Massnahmen, um Mehreinnahmen zu generieren: eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um 2 Prozent (31 Prozent), höhere AHV-Beiträge für die Arbeitenden (29 Prozent) oder die Einführung einer nationalen Erbschaftssteuer (20 Prozent).

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jolie Müller am 07.04.2014 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Ich (33, w) verstehe das nicht. Wir sind in einer anderen Zeit, wir haben ein grosses Problem vor uns. Warum sind bloss so viele Frauen gegen die Erhöhung des Pensionsalters. Es geht dabei nur um ein Jahr. Das würde das Problem erheblich mildern. Warum sollen wir Frauen nicht gleich lange arbeiten wie die Männer? Wir werden ohnehin älter - so traurig das klingt, aber ist so. Wir sprechen immer von Gleichstellung. Und jetzt, wo wir etwas "geben" sollten, interessiert es niemanden. Ist euch denn überhaupt bewusst, was das für alle bedeuten wird, wenn WIR mal pensioniert werden?

  • renate am 07.04.2014 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wir mussten

    auch für die alten bezahlen, statt dass jeder sein einbezahltes Geld auf ein AHV Sperkonto einbezahlt bekommt, wird alles in einen Topf gezahlt und wieviel sich daraus bedienen, Häuser werden gebaut, spekuliert und der Boss noch ein Millionensalär beziehen kann, wird die AHV bestimmt bleite gehen. und der dumme Schweizer zahlt und schweigt.

    einklappen einklappen
  • Beat Hemmi am 07.04.2014 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    Zocken

    Der kleine Mann versucht sich im Spielkasion... der Staat verzockt unser AHV-Geld bei Spekulationen und an der Börse... und wir haben das nachsehen ... wielange akzeptieren wir diesen Misstand noch ?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Paul am 28.12.2014 10:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denken hilft

    Es hätten wohl viele nichts gegen dieses lächerliche Jährchen (nur wird auch dieses nicht alle Schwierigkeiten lösen können), aber das Problem liegt ganz wo anders begraben. Über die Nasenspitze hinaus denken hilft ;)

  • Dr. Alfons Berenz am 08.04.2014 06:44 Report Diesen Beitrag melden

    Realität, liebe Freunde

    das ist kein Pessimismus, sondern Sinn für Realität

  • H.B. am 08.04.2014 00:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    AHV

    Die AHV soll sich Doch Blitzer Kaesten kaufen und auf den Strassen aufstellen. Oder die Steuern die die Rentner zahlen zuruek fueren an die AHV.Oder Von den Steuern vóm Benzin in die AHV zahlen.Das ist und waer Doch kein Problehm. Aber man muss nur wollen.

  • AHV ade. ciao ciao am 08.04.2014 00:15 Report Diesen Beitrag melden

    Geld? Es lieht auf der Strasse!

    Jeder Schweizer Bürger/-in ist verpflichtet um an die Urne zu gehen, jedoch werden meines Wissens nur Jene im Kanton Schaffhausen gebüsst. Wäre mal ne Einnamequelle mehr, so wird die Wahlbeteilligung bestimmt höher!

  • Gerry am 07.04.2014 22:31 Report Diesen Beitrag melden

    AHV Pension

    Das Pensiongeld herausnehmen, verpulvern und dann von der Gemeinde den Zusatz holen geht doch auch nicht. Also aufhören mit Geld herausnehmen