Umfrage

22. Juni 2015 12:29; Akt: 22.06.2015 15:26 Print

Junge sehen Einwanderung als grösstes Problem

Eine neue Studie hat untersucht, wie Jugendliche über politische Themen denken. Die Resultate zeigen grosse Unterschiede zwischen Männern und Frauen.

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Das Bild der rebellischen Jugend gehört in die Mottenkiste: Laut einer Umfrage denken die Schweizer Jugendlichen in vielen politischen und gesellschaftlichen Fragen ähnlich wie frühere Generationen. Das grösste politische Problem ist aus ihrer Sicht die Einwanderung.

Jeder fünfte Jugendliche betrachtet die Einwanderung als das grösste Problem, gefolgt vom Asylwesen und den Beziehungen der Schweiz zur EU. Das ergab eine schweizweite Umfrage der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) unter knapp 2000 Jugendlichen, die 2015 volljährig werden - und damit erstmals abstimmen und wählen dürfen.

Die Umfrage räumt mit mehr als einem Klischee auf. So sind die Jugendlichen durchaus an Politik interessiert und in ihren Ansichten nicht radikaler als der Rest der Bevölkerung. «Es gibt keinen Bruch zwischen den Generationen», sagte EKKJ-Präsident Pierre Maudet am Montag vor den Medien in Bern.

International - und doch sehr schweizerisch

Obwohl die Jugendlichen in einer international geprägten, vernetzten Welt aufwuchsen, befürwortet nur einer von zehn Befragten einen Beitritt der Schweiz zur EU. «Die Jugendlichen sind international - und doch sehr schweizerisch», sagte Studienautorin Sarah Bütikofer von der Universität Bern.

Auch im Umgang mit Einwanderung zeigten sich die Jugendlichen als eher skeptischer als die Bevölkerung insgesamt. Eine Mehrheit (61,5 Prozent) findet dennoch, dass die Personenfreizügigkeit mit der EU gut ist für die Schweiz.

Gleichzeitig stimmten allerdings über ein Drittel (36 Prozent) der Aussage zu, die Personenfreizügigkeit führe zu einer zu starken Einwanderung und müsse deshalb gestoppt werden. Jeder fünfte befragte Jugendliche hatte bei dieser Frage keine Meinung.

Zwei Drittel wollen wählen

Anders als oft beklagt sind die Jugendlichen nicht politikverdrossen: Jeder zweite Befragte interessiert sich für Politik. Bei den jungen Männern liegt dieser Wert höher als bei den Frauen.

Zwei Drittel der 18-Jährigen möchten diesen Herbst bei den nationalen Wahlen ihre Stimme abgeben. Welche Parteien sie wählen, wurde in der Umfrage nicht gefragt. Da die Jugendlichen ähnliche Ansichten hat wie die älteren Generationen, erwartet Studienautorin Michelle Beyeler keine Verschiebung. Allerdings: «Parteien, die bei der Zuwanderung klare Positionen beziehen, haben Vorteile», sagte sie.

Verschiedene Ansichten beim Familienmodell

Die Haltungen der Neuwähler gehen in einigen Punkten je nach Geschlecht auseinander, insbesondere was die Aufteilung von Familien- und Erwerbsarbeit betrifft. 29 Prozent der jungen Männer wollen, wenn sie eine Familie gründen, am traditionellen Modell festhalten: Der Mann arbeitet Vollzeit, die Frau kümmert sich um Kinder und den Haushalt.

Diese Ansicht teilen nur 15 Prozent der jungen Frauen. Sollten sich diese Unterschiede mit zunehmendem Alter nicht reduzieren, könnte dies problematische Folgen für die Familiengründung und -stabilität haben, heisst es in der Studie.

Graben zwischen Sprachregionen

Neben der Kluft zwischen den Geschlechtern tut sich auch eine zwischen den Sprachregionen auf. Zwar ist der Röstigraben laut der Studie bei vielen Themen verschwunden, doch sind die Tessiner Jugendlichen in einigen Punkten anderer Meinung. Anders als die Jugendlichen in der Deutsch- und Westschweiz betrachten sie die Arbeitslosigkeit klar als wichtigstes Problem der Schweiz.

Mehr als ein Drittel der Tessiner Jugendlichen sprechen sich zudem deutlich dafür aus, der einheimischen Bevölkerung bessere Chancen einzuräumen als der ausländischen. Schweizweit unterstützten nur 15 Prozent der Befragten diese Meinung.

(woz/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • IT - Lehrling am 22.06.2015 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein EU Beitritt!

    Bin 18 und genau der Meinung. Ein EU Beitritt würde die Demokratie in unserem Staate zerstören, da wir durch all die Bürokratie über fast nichts mehr stimmen dürften.

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  • Sämi am 22.06.2015 12:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klare Richtung

    Zum Glück!! Wurde nicht kürzlich über den Rückzug des EU Beitrittsgesuch debattiert? Das ist nun wirklich an der Zeit der EU klare Signale zu machen!

  • Jakov Koller am 22.06.2015 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    Der fehlgeleitete Jugendwahn!

    Jetzt kommen solche Jungen nach die mit erlebt haben wie ihre Eltern in jungen Jahren ausgepresst wurden und heute auf das Abstellgeiss gestellt werden! Diese Jugend weiss wohl Bescheid was ihnen im Alter blüht!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • jch am 22.06.2015 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wird immer enger!

    Allzuviel ist "ungesund" das gilt auch bei der zunehmenden "Übervölkerung der Schweiz" ! Ein "Klapf" ist vorprogrammiert!

  • Eidgenosse 1977 am 22.06.2015 19:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht ueberraschend

    Die Jungen erleben es hautnah mit der Zuwanderung, sei es in der Schule oder im Ausgang. Der Lohn stagniert, die Jobsuche gestaltet sich auch nicht so leicht. Zu verdanken haben wir das realitaetsfremden Politikern, die nur das positive sehen und die unangenehmen Tatsachen am liebsten verschweigen. Gut, wurde am 9. Februar richtig entschieden. Ich möchte heute nicht mehr eine Lehrstelle suchen müssen oder in die RS mit all denen. Wenn unsere Politiker nicht bald etwas machen, werden gewisse Parteien im Herbst im Selbstmitleid versinken und sich fragen, wieso? Zum Glück gibt es noch Politiker die die Probleme sehen und dieses Thema weiterhin bewirtschaften. Die Linken wollen es nicht sehen, mir als 18-jaehriger wuerde die Zukunft Sorgen bereiten. Da verstehe ich die, die kritisch gegenüber der Zuwanderung eingestellt sind.

  • Herbert Maier am 22.06.2015 19:23 Report Diesen Beitrag melden

    Hört auf zu labern

    Die Jungen haben's erkannt, die Alten wissen es auch - alle wissen es. Die Einwanderungspolitik der Schweiz funktioniert nicht. Jetzt müssen es nur noch die Politiker begreifen. Aber die labern weiterhin ihre 68er-Phrasen und machen das Problem täglich schlimmer. Wählt diese Unverbesserlichen Romantiker ab.

  • Anonym am 22.06.2015 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    Das grösste Problem

    besteht darin, dass die heutige finanzorientierte, fremdfinanzierte (die Eltern zahlen Handys, Lebenskosten, etc. und dies wird als selbstverständlich gefordert!) und nicht mehr zur Verantwortlichkeit erziehbare (es darf ihnen ja niemand mehr etwas sagen - siehe frühere Artikel über Kriminalität in dieser Altersklasse) junge Generation mit der Zuwanderung sich eine Meinung zu einem Thema bildet, das die meisten nur vom Hörensagen oder der Medienpropaganda kennen statt darüber fundiertes Hintergrundwissen einzuholen. Das ist nicht nur ärgerlich sondern auch gefährlich.

  • tinu am 22.06.2015 19:09 Report Diesen Beitrag melden

    Alle

    ...sehen die Einwanderung als grösstes Problem an. Das scheint aber niemanden zu interessieren, denn wir haben mehr denn je Einwanderer....