Tödliche Unfälle

17. Dezember 2017 20:39; Akt: 17.12.2017 20:39 Print

Junglenker fahren oft unsichere Autos

von B. Zanni - Manche Neulenker sind mit unsicheren Autos unterwegs. Diese seien schlecht ausgerüstet oder mangelhaft gewartet.

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Mehr als jeder fünfte Schwerverletzte auf Schweizer Strassen ist zwischen 18 und 24 Jahre alt. Schleuder- und Selbstunfälle führt die Stiftung Roadcross Schweiz bei den Junglenkern als eine der häufigsten Unfallursachen auf. Zum Verhängnis werden ihnen vor allem nicht angepasste Geschwindigkeit, Alkoholkonsum und Ablenkung. Oft birgt aber auch das Auto grosses Unfallpotenzial.

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«Nicht selten verunfallen Junglenker tödlich, weil sie mit älteren Autos unterwegs waren, die schlecht gewartet oder sicherheitstechnisch mangelhaft ausgestattet waren», sagt Daniel Menzi, Geschäftsführer des Schweizerischen Fahrlehrerverbands SFV. Dabei seien die in neueren Wagen eingebauten aktiven und passiven Sicherheitssysteme wichtig bei einem Unfall. «Autos mit einem Elektronischen Stabilitätsprogramm haben schon manchem Autofahrer das Leben gerettet.» Mit dem sogenannten ESP, das dem Ausbrechen des Wagens entgegenwirkt, sind laut Menzi im Schnitt aber nur rund 20 Prozent der Neulenkerautos ausgerüstet.

Alte Reifen, defekte Lichter

In einigen Fällen ist aber auch die Grundausrüstung nicht einwandfrei, wie Anbieter von obligatorischen Neulenkerkursen feststellen. «Uns sind Fälle bekannt, in denen Kursteilnehmer mit mangelhaft gewarteten Autos vorfuhren», sagt André Spörndli, Geschäftsführer der Drive Z AG. In den Kursen fielen den Leitern relativ oft Fahrzeuge mit alten und oder abgefahrenen oder nicht saisongerechten Reifen auf. «Meist haben die Reifen zu wenig Profil oder sind älter als 10 Jahre.»

Pro Monat müssten die Kursleiter laut Spörndli ein bis zwei Neulenker ermahnen, Defekte an ihrem Fahrzeug sofort zu beheben. «Regelmässig Beanstandungen machen die Kursleiter zudem bei der Beleuchtung.» Dazu zählten defekte Standlichter, Abblendlichter, Bremslichter oder Blinker, die nicht richtig funktionierten. Die Fachpersonen warnen bei solchen Autos vor einer erhöhten Unfallgefahr.

«Sicheres Auto ist nicht dasselbe wie Luxuskarosse»

Das Übel für die unsicheren Wagen sehen die Profis im Budget der Junglenker. «Müssen sie ihr erstes Auto aus eigener Kraft finanzieren, können sie sich in der Regel nur ein älteres Fahrzeug leisten, das nicht dem neusten Stand der Technik entspricht», sagt Spörndli. Aufgrund ihres beschränkten Budgets verzichteten sie häufig darauf, Defekte reparieren zu lassen und Pneus regelmässig zu ersetzen.

Daniel Menzi nimmt aber auch die Eltern in die Pflicht. «Manche Eltern sind der Meinung, dass ihr Kind als Anfänger nicht gleich mit einem super Wagen auffahren muss, und stellen ihm dann lieber einen altes Fahrzeug zur Verfügung.» Sie vergessen jedoch, dass ein sicheres Auto nicht dasselbe sei wie eine Luxuskarosse. Auch preiswerte Occasionen seien mit guten Sicherheitssystemen ausgerüstet. Oft sei den Eltern auch nicht bewusst, dass das Fahren durch den zunehmenden Verkehr heute risikoreicher geworden sei.

«Die Chance, in den ersten Jahren als Junglenker zu überleben, hängt oft vom Budget ab», sagt Menzi «fatalistisch ausgedrückt». Er empfiehlt Neulenkern deshalb Autos, die mit «allen erdenklichen Sicherheitssystemen» ausgerüstet sind.

Moderne Technik brauche Fahrpraxis

Thomas Hurter, Präsident des Automobil-Clubs der Schweiz, hält diese Unfallprävention für unrealistisch. «Es ist zwar wünschenswert, aber unmöglich, dass sich jeder Junglenker ein top ausgerüstetes Auto leisten kann», sagt Hurter. Sicheres Fahren sei eine Kombination aus guter Ausbildung, guter Ausrüstung, Fahrpraxis und guten Bedingungen auf der Strasse.

Er betont, dass auch moderne Technik Fahrpraxis benötige, um einen Beitrag an die Sicherheit zu leisten. Wichtig in diesem Zusammenhang seien zudem Neulenkerkurse mit künftig einheitlichen Inhalten. «Denn zurzeit ist die Qualität der Kurse sehr unterschiedlich.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • James am 17.12.2017 20:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja logisch

    Nicht jedem kauft Papi einen neuen BMW. Wir normalen Menschen hatten alle als Erstauto eine Schrottkiste.

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  • derda am 17.12.2017 20:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    viel zu teuer...

    verschulde mich für ein Auto mit Sicherheit nicht und fahre lieber etwas das mir auch gehõrt. neue Autos werden in der ch künstlich hochgehalten, vielleicht mal da ansetzen

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  • Mia am 17.12.2017 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    BMW

    Ich bin Neulenkerin, fahre ein Auto aus dem Jahr 1999 und ich behaupte mal ganz frech, dass der besser läuft als manch neuere Autos! Für die Wartung ist jeder selbst verantwortlich und ich würde dieses Auto um nichts auf der Welt gegen ein jüngeres ersetzen! Ich werde es so lange fahren bis nichts mehr geht! Traurigerweise trifft dieser Punkt bei neueren Autos viel schneller zu, als bei älteren. Wer die Chance dazu hat ein gut gewartetes ALTES Auto zu erwerben soll es unbedingt tun!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • dev am 18.12.2017 16:28 Report Diesen Beitrag melden

    vergiss es, sponsored content vergessen

    hies es nicht vor ein paar tagen das dir elektrohelfer zu mehr unfällen wegen selbstüberschetzung führen? jaja die experten heuzutage sind auch nicht mehr wert wie früher.

  • Stefan am 18.12.2017 15:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blond

    Das Problem sind die jungen Blonden, welche meinen, sie seien Engel und nichts können ihnen passieren.

  • Café Racer am 18.12.2017 15:49 Report Diesen Beitrag melden

    Grown up

    Meine erste Schrottkiste möchte ich nicht missen. Klar, wenn ich mit meinem alten 205er vorgefahren bin gab's bestimmt schickeres, aber was ich mit dem Auto positives erlebt habe, wiegt alle technischen Defekte auf. Heute habe ich meine eigene Firma und fahre tolle englische Sportwagen. Die Emotionen sind da einfach anders.

  • Expat am 18.12.2017 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    Goldener Fallschirm

    Dank goldenem Fallschirm der SBB und meiner Eltern kann ich natürlich mit 18 einen standesgemässen Audi A8 kaufen und fahre dann mit 200 km/h durch die Gegend, garantiert sicher und ferngesteuert ... hallo Filmriss ... mein erstes und letztes Auto waren je 1500Fr. ... geht auch, fahre halt selbst, kein Chauffeur .. Unterhalt mache ich selbst, halt minimal, offensichtlich .. no money, no fun ...

  • Menzi Muck am 18.12.2017 15:25 Report Diesen Beitrag melden

    FL Präsi oder Autoverkäufer

    Wir wurden mit alten Fahrzeugen ohne elektronischem Schnick-Schnack gross und blieben gesund. Warum? Weil wir zwar alte Autos hatten, die jedoch in technisch tadellosem Zustand waren. Reifen, Bremsen, Beleuchtung usw. war alles top UND wir fuhren entsprechend anständig. Aber als Präsi des FL-Verbandes müsste es ihm klar sein, wo die Probleme liegen. Nämlich bei denen, über die er jahrelang hergezogen hat und die ihm nun den Lohn bezahlen. Was er hier benennt, sind Symptome, aber nicht Ursachen. Aber wer sägt schon gerne an dem Ast, auf dem man sitzt?! Einmal mehr nur warme Luft...!

    • Hippiebus am 18.12.2017 15:37 Report Diesen Beitrag melden

      @Menzi Muck

      Wahre Worte. Hätte es nicht besser schreiben können. Danke!

    • L. Driver am 18.12.2017 15:44 Report Diesen Beitrag melden

      @Menzi Muck

      Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Das scheint Herr Menzi aus seinen Jahren in Veltheim und Wohlen gelernt zu haben. Und mit fremdem Geld wirtschaften, war auch immer eine seiner Stärken. Deshalb verkauft er lieber latent Autos, als sich um die teils haarsträubenden Methoden der Fahrlehrerschaft oder um deren Belange im Alltag zu kümmern.

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