Aufstieg der Jungen

14. Juni 2011 09:14; Akt: 14.06.2011 11:00 Print

Jungparteien machen den Alten Dampf

von Jessica Pfister - Sie wollen Löhne von Politikern offenlegen, Offroader von der Strasse holen oder den Abzockern an den Kragen. Die Jungparteien sind heute einflussreicher denn je.

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Mit vereinten Kräften kämpften die Jungparteien 2009 gegen den biometrischen Pass. Nesa Zimmermann, Junge Grüne, Cedric Wermut, Ex-Präsident JUSO, Aline Haldemann, Junge Grüne, Roman Rutz, Junge EVP, Luca Urgese, Jungfreisinnige Basel Stadt, und Bernhard Zahner, Junge SVP (von links). (Bild: Keystone)

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Für Schlagzeilen sorgen die Jungparteien schon eine Weile – in der Vergangenheit aber nicht unbedingt für positive. So erhitzten die Jungsozialisten mit einer völlig ausser Kontrolle geratenen Hausbesetzerparty in Baden die Gemüter. Die Junge SVP strapazierte die Nerven der Mutterpartei mit einem Comic, dass den Bundesrat verunglimpfte. Und für den Nacktprotest der Jungen Grünen gegen die Verhaftungsmethoden der Polizei hatten die meisten nur ein müdes Lächeln übrig.

Heute sieht die Lage anders aus. Die Jungparteien sind kein mühsames Anhängsel mehr, sondern haben sich zu einer ernstzunehmenden politischen Kraft entwickelt. Sie stemmen gemeinsam – ohne die Unterstützung der Mutterparteien – Referenden, wie beispielsweise jenes gegen die biometrische Pässe oder lancieren Volksinitiativen, wie letzte Woche zur Offenlegung der Politikerlöhne.

«Ältere Garde ist träge geworden»

Der Zürcher Politgeograf Michael Hermann erklärt den zunehmenden Einfluss der Jungparteien vor allem mit der veränderten politischen Kultur: «Heute geht es in der Politik vermehrt darum, Aufmerksamkeit zu gewinnen, originell und frech zu sein.» Die Jungparteien hätten in den letzten Jahren die richtige Mischung zwischen frechen Aktionen und hochprofessionellem Politcampaigning gefunden und so an Respekt bei den Mutterparteien gewonnen. «Deshalb und weil die älteren Garden träge geworden sind, können die Jungen auch vermehrt Druck ausüben.»

Das tun sie weniger in den traditionellen Institutionen wie dem Parlament oder der Kantonsregierung, sondern mit Initiativen oder an Parteitagen. So wie die Juso, auf deren Antrag die SP am letztjährigen Parteitag die Überwindung des Kapitalismus wieder ins Parteiprogramm aufgenommen hat. Oder ein Jahr zuvor, als sie sich mit ihrer Initiative «1:12 – Für gerechte Löhne» am Parteitag gegen andere Vorschläge durchsetzen konnten. Die SVP liess sich bei der Weiterführung und Ausdehnung der Personenfreizügigkeit von ihrer Jungpartei umstimmen. Damals fasste die Mutterpartei die Nein-Parole erst, nachdem die JSVP zusammen mit den Schweizer Demokraten das Referendum zustande gebracht hatte.

«Junge brauchen gewisse Narrenfreiheit»

Auf den Einfluss der Jungparteien angesprochen, meint SVP-Präsident Toni Brunner: «Die Jungpartei ist für uns die ideale Ergänzung.» Bei gewissen politischen Themen nütze es der Partei, wenn sich die Jungen engagieren. «Manchmal überzeugt die direkte unverblümte Sprache der Jungen einfach mehr als die diplomatischen Worte der Älteren», ist er überzeugt. Da sei es auch nicht tragisch, wenn man nicht immer einer Meinung sei. «Die Jungen brauchen eine gewisse Narrenfreiheit. Sie dürfen auch mal über das Ziel hinausschiessen oder Fehler machen.» Die Jungpartei solle ja auch ein Lernumfeld sein. Wobei es auch dort Grenzen gebe. «Grundsätzlich honorieren wir es aber, wenn sich die Jungen engagieren, sei es auf der Strasse oder in der Regierung», so Brunner.

SP-Präsident Christian Levrat freut sich ebenfalls über die erstarkte Jungbewegung. «Für uns ist die Juso einerseits eine Kaderschmiede und andererseits ein wichtiger Teil der linken Bewegung.» Gerade bei den Diskussionen über die Abzocker sei es dem Einsatz der Jungen zu verdanken, dass die SP bei diesem Thema heute so gut aufgestellt sei. «Aber klar gefallen mir nicht alle Aktionen. Die Hausbesetzung im Aargau goutierten wir zum Beispiel überhaupt nicht.»

Wermuth, Reinmann & Co. haben den Jungen ein Gesicht gegeben

Mit dabei an dieser Hausbesetzung war Cédric Wermuth. Der ehemalige Juso-Präsident, der aufgrund seiner provokativen Aktionen oftmals als «Enfant terrible» der Partei bezeichnet wurde, ist sicher mit ein Grund für den Erfolg der Jungpartei. Unter der Leitung des mediengewandten 25-jährigen Aargauers hat die Juso ihre Mitgliederzahl in den letzten Jahren auf 2500 verdoppelt.

Doch nicht nur Wermuth hat den Jungparteien ein Gesicht gegeben. Lukas Reimann von der SVP konnte mit seinem Einsatz gegen das Verbot von Pokerturnieren punkten und Bastien Girod von den Grünen mit seinem Engagement gegen die Offroader. Heute sitzen sie beide als Vertreter der Mutterparteien im Nationalrat und auch Wermuth will im Herbst den Sprung in die grosse Kammer schaffen. Für Christa Markwalder und Christian Wasserfallen, die beide auch noch als Nationalräte im Vorstand der Jungfreisinnigen aktiv sind, ist klar: «Die Parteien haben gemerkt, dass die Jungen die Zukunft sind.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stefan Weiss am 14.06.2011 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Dampf machen möchte man dehnen

    Siehe Mr. Offroader der gleich die Minivans mitverbieten will. Damit schlägt er denen die ihn wählen sollen ins Gesicht und reseviert den urbanen Raum für reiche Singels und kinderlose Paare. Und sich mit dem Schwachsinn ein Studium im Ausland finanzieren will. Oder die Dame im Aargau die sich wählen läst um danach ihrem Freund nach Österreich zu folgen und dort zu studieren.

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  • Aizen am 14.06.2011 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    nicht nur Vorteile

    Wenn ich sehe was einige Junge für Ideen haben muss ich selbst als junger sagen, dass mir da teilweise die Alten lieber sind. Sprichwort; Individuelle Mobilität verbieten.

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  • Urs. I. am 14.06.2011 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    Legal...

    Lieber mal Hanf legalisieren!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Viktor am 15.06.2011 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Schade, diese Junge-Alte Abtrennung

    Eigentlich ist es schade, dass die Energie der Junge sich nicht mit die Kenntnisse un Weissheit der Alte kombinieren kann. Auf alle Scheiben schiessen ist nicht immer sehr Produktiv. Ich finde schädlich, dass die Junge sich von Mutterparteien abtrennen.

  • Diego am 14.06.2011 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    Ich verstehe es nicht

    Kann mir einer erklären, warum man die Jungparteien immer nur auf das Thema Offroader reduziert. Und gerade Girod, welcher die Umwelt unnötig mit seinem Pendeln nach Holland belastet - und die Schweiz, die ihn gewählt hat vernachlässigt. Ich verstehe dies nicht. Und alles wird immer irgendwie entschuldigt, statt dazu zu stehen dass man etwas falsch gemacht hat.

  • Jungunternehmer am 14.06.2011 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz AG

    Was mir des öfteren bei diesen Jungen-Wilden Politikern auffällt ist dass sie in der Privatwirtschaft noch nichts, aber auch gar nichts auf die Beine gestellt haben, uns aber sagen wollen wie wir zu leben haben. Da ist mir ein reifer erfolgreicher Unternehmer oder eine reife erfolgreiche Unternehmerin doch lieber. Siehe Peter Spuhler. Auch ein Land ist eine Art Unternehmen.......wie Griechenland.......die Firma ist pleite........wie Spanien oder Irland oder Italien oder Amerika u.s.w

  • Alter am 14.06.2011 14:07 Report Diesen Beitrag melden

    Jung und Frech?

    Ich halte die Jungparteien eher für Sachbezogen. Parteipolitik hat uns nicht weit gebracht, dass haben die Jungen und Alten erkannt. Mit konkreten Vorschlägen erreicht man deshalb heute den Bürger.

  • D. Freyler am 14.06.2011 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Man hätte gescheiter

    Autos über 1,8M das überholen verboten...dann würden die Grossen dreckschleuder von alleinen verschwinden!

    • nuckel pinne am 15.06.2011 02:36 Report Diesen Beitrag melden

      smarter vorschlag

      dann kommen die kleinen smarts auch mal zum überholen. muss ich sie dann auch überholen lassen?

    • Viktor am 15.06.2011 14:56 Report Diesen Beitrag melden

      Nutzung gleich, Prestige weg.

      ... oder Geländewagen auf 120km/h technisch einschränken, samt Kleber auf die Hecktür. Damit ist die Nutzung gleich, den Prestige aber weg.

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