Ausschaffung mit Sonderflug

27. Dezember 2018 07:38; Akt: 27.12.2018 10:13 Print

Kanton Aargau verweigert Flüchtling Operation

Trotz eines drohenden Nierenversagens wurde ein abgewiesener Flüchtling nicht operiert. Erst unter Androhung eines Gerichtsprozesses wurde gehandelt.

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Seit einer Bombenexplosion in seiner Heimat Tschetschenien sitzt Ruslan Nachchaev im Rollstuhl. Der Vater von drei Kindern hat nebst einer spastischen Lähmung auch eine Funktionsstörung der Harnblase und ist auf einen Katheter angewiesen. Da die Gefahr eines tödlichen Nierenversagens besteht, wollten die Ärzte den Tetraplegiker letztes Jahr operieren.

Die einzige Schwierigkeit: Die Asylgesuche der Familie, die am 30. Oktober 2015 in die Schweiz eingereist war, wurden abgewiesen. Nachdem die Ärzte beim kantonalen Sozialdienst eine Anfrage gestellt hatten, entschieden die Beamten, dass die Familie ausreisen muss.

«Ich möchte nicht zur Verantwortung gezogen werden»

Wie die «Aargauer Zeitung» berichtet, liessen die Ärzte des Aargauer Kantonsspital nicht locker. In einer E-Mail an den Anwalt der Familie schrieb ein Arzt: «Zur Vermeidung von gesundheitlichen Folgeschäden sollte die geplante operative Behandlung in absehbarer Zeit erfolgen.» Dazu wollte der Mediziner wissen, ob das Migrationsamt eine solche Behandlung überhaupt verweigern dürfe.


Auch der zuständige Betreuer der Familie schrieb einen Kurzbericht ans Sozialamt: «Ich möchte für allfällige Folgen einer unterlassenen Behandlung nicht zur Verantwortung gezogen werden.»

Zwei Selbstmordversuche scheiterten

Doch die Beamten hielten an ihrer Meinung fest. Im Hintergrund liefen bereits die Vorbereitungen zur Ausschaffung der tschetschenischen Familie nach Russland.

Der 48-Jährige versuchte sich in Folge dessen gleich zweimal das Leben zu nehmen. Er wurde in die psychiatrische Klinik in Königsfelden gebracht, wo die Ärzte feststellten, dass die suizidale Krise durch den Ausschaffungsbescheid ausgelöst worden war.

Erst als ein Freiwilliger, der sich für die Rechte von Flüchtlingen einsetzt, mit einem Gerichtsprozess drohte, änderte sich die Haltung der Behörden. Mitte Januar soll Nachchaev operiert werden. Wann sich die Familie aus der Schweiz verabschieden muss, ist noch unklar.

(fss)