Neue Bewilligungen

08. November 2019 10:12; Akt: 08.11.2019 10:28 Print

Am Sonntag dürfen jetzt mehr Läden offen halten

von Stefan Ehrbar - An immer mehr Bahnhöfen ist die uneingeschränkte Sonntagsöffnung erlaubt. Das widerspreche dem Volkswillen, sagen Kritiker.

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Mit dem Segen des Bundes haben Kantone weitere Ausnahmebewilligungen für die dauerhafte Sonntagsöffnung erteilt. Waren es bisher 38 Bahnhöfe, sind es seit September 45. Der Bund hat sieben Bahnhöfe – Bülach, Burgdorf, Dietikon, Lenzburg, Morges, Renens und Thalwil – in die entsprechende Verordnung aufgenommen.

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Braucht es die Sonntagsöffnung in Bahnhöfen?

An diesen Bahnhöfen dürfen nicht nur Kioske und Bäckereien geöffnet sein. Auch Coiffeure, Elektronik- oder Kleiderläden können dort sonntags ihre Waren verkaufen und Personal beschäftigen. Neben grossen Bahnhöfen wie dem Zürcher Hauptbahnhof oder Bern gilt die Sonderregelung auch für kleinere wie Baden, Thun oder Visp (siehe Box).

«Volkswille missachtet»

Noch 2006 waren erst 29 Bahnhöfe auf dieser Liste aufgeführt. Ein Jahr zuvor hatte die Stimmbevölkerung mit 50,6 Prozent Ja-Anteil entschieden, dass die Geschäfte in «Zentren des öffentlichen Verkehrs» sonntags geöffnet sein dürfen. Der Bundesrat versprach damals: In den Genuss der Ausnahmeregelungen kämen nur Bahnhöfe mit hohem Reiseverkehr und vielen Umsteigern. «So wird ausgeschlossen, dass kleine Bahnstationen zu Verkaufszentren umgewandelt werden», schrieb er in einer Botschaft.

Dieses Versprechen habe der Bund gebrochen, heisst es bei der Gewerkschaft Unia. Sprecherin Leena Schmitter sagt: «Damals war die Rede von 25 grossen Bahnhöfen. Dass es heute deutlich mehr sind, überrascht leider nicht.»

Die Sonderöffnungszeiten seien eigentlich nur für Reisende gedacht gewesen. «Man sieht jetzt aber, dass die Ladenketten sehr viel Geld in die Werbung für Sonntagsshopping investieren und sich die Bahnhöfe in Shoppingzentren verwandeln, ohne dass die Läden eine Sozialpartnerschaft eingehen oder Kompensationen für das Personal anbieten.»

«Geldmacherei der SBB»

Sonntagsarbeit sei in der Schweiz verboten. Die Lücke an Bahnhöfen höhle das aus, sagt Schmitter. Es gehe aber auch anders. Nachdem die Stimmbevölkerung 2013 entschied, dass auch Tankstellenshops sonntags und in der Nacht geöffnet sein dürfen, hätten die Arbeitgeber einen GAV ausgehandelt, lobt Schmitter. Bei den Bahnhöfen sei das anders: Hier gehe es um «Geldmacherei der SBB» und um eine «Entwicklung ohne jegliche Sozialverantwortung.»

Damit an einem Bahnhof oder Flughafen die Sonntagsöffnung erlaubt wird, muss der entsprechende Betrieb – etwa die SBB – beim Standortkanton ein Gesuch einreichen. Dieser prüft, ob die Voraussetzungen gegeben sind, und bewilligt den Sonntagsverkauf unter Vorbehalt der Zustimmung des Bundes. Der Bund «plausibilisiert» die Gesuche, heisst es beim Staatssekretariat für Wirtschaft. Es sei auch schon vorgekommen, dass man Antragsstellern kommuniziert habe, dass ihr Gesuch chancenlos sei, worauf diese Anträge zurückgezogen worden seien.

Detailhandel begrüsst Ausnahmen

Für die IG Detailhandel, in der etwa Coop, Migros und Manor vertreten sind, gehen die neuen Ausnahmebewilligungen in die richtige Richtung. «Wir begrüssen die Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten und die Aufnahme weiterer Bahnhöfe», sagt Sprecherin Athéna Martinez.

Diese Anpassung trage veränderten Konsumgewohnheiten Rechnung. «Dazu gehört das Bedürfnis, auch am Sonntag einkaufen zu können.» Zudem würden die Rahmenbedingungen für den stationären Detailhandel verbessert und Arbeitsplätze geschaffen – in einem «schwierigen Marktumfeld».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Karl M. am 08.11.2019 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    Amt

    Längere Öffnungszeiten bei den Ämtern wäre mal was. Aber da wehrt sich die "Regierung" immens.

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  • Bürogummi am 08.11.2019 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral

    Alle finden das super, bis der eigene Chef sagt, wir arbeiten jetzt auch am Wochenende.

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  • Seppetoni am 08.11.2019 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sauber

    Entspricht dem Bedürfnis der Klimajugend.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Merci am 09.11.2019 23:47 Report Diesen Beitrag melden

    Für mich nicht nötig

    arbeite etwas über 8 Stunden, die Läden haben länger offen. Arbeite 5 Tage, die Läden haben 6 offen. Wer da keine Zeit zum Einkaufen findet, ist eine null im Organisieren!

  • Marc am 09.11.2019 17:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja...

    Lass mich raten, die jasmin arbeitet im Verkauf und bereut jetzt dass sie damals in der Schule nicht besser aufgepasst hat. Hilft nichts, längere Öffnungszeiten werden kommen.

    • Lililady am 09.11.2019 22:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Marc

      So ein herablassender Kommentar über einen Beruf ist erstens geschmacklos und zweitens hat es nichts mit dem Thema Öffnungszeiten zu tun! Thema

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  • P.W. am 09.11.2019 14:56 Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt!

    Seid Ihr so Hobbylos? Der So. ist ein ruhetag den man mit der Familie verbringt. All die, die danch schreien sollen doch dort arbeiten, dann könnt Ihr auch es mit dem Einkauf verbinden. Ich weiss, einkaufe ja, arbeiten nein!

    • Xeno72 am 09.11.2019 18:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Meteor im Ziel@P.W.

      Es läuft anders. Der Onlinehandel wird den Detailhandel bis auf ein paar Reste zerstören. Ich sage das übrugens wertfrei, aber das Gejammer der Branche sind die letzten Schreie sterbender Dinos.

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  • Emma L. am 09.11.2019 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    Zwickmühle

    Wer Sonntags arbeitet, kann Sonntags nicht einkaufen.

  • Dogi am 09.11.2019 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    Übertreiben

    Fällig unnötig es hat genug laden die sonntags offen sind