Hooliganismus

19. August 2011 15:21; Akt: 19.08.2011 16:19 Print

Kantone wollen schärfere Massnahmen

Künftig sollen Fussballspiele bewilligungspflichtig werden. Die Kantone arbeiten dafür die gesetzlichen Grundlagen aus. Damit dürfte auch das sogenannte Kombi-Ticket kommen.

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Fussballspiele sollen künftig eine Bewilligung brauchen, wobei die Behörden Auflagen erlassen könnten: Polizisten nach dem Cupfinal in Basel am 29. Mai 2011. (Bild: Keystone/Samuel Truempy)

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Die Kantone machen im Kampf gegen den Hooliganismus vorwärts. Neu sollen Fussball- und Eishockeyspiele zumindest der obersten Ligen bewilligungspflichtig werden. Das würde den Behörden erlauben, den Clubs gewisse Massnahmen zur Sicherheit sowie zur Anreise vorzuschreiben. Dies hat der Vorstand der Justizdirektorenkonferenz KKJPD am Donnerstag beschlossen, wie Generalsekretär Roger Schneeberger bestätigt. Faktisch ermöglicht dies auch die Einführung des sogenannten Kombi-Tickets, bei dem Gästefans nur ins Stadion dürfen, wenn sie mit einem organisierten Zug anreisen. Diese Massnahme stiess bei Fans und Clubs bisher mehrheitlich auf Ablehnung.

Ebenfalls neu sollen Rayonverbote gegen gewalttätig gewordene Fans landesweit verfügt werden können. Zudem will der KKJPD-Vorstand Meldeauflagen einfacher aussprechen können. Diese verpflichten Personen, sich am Spieltag zu bestimmten Zeiten bei der Polizei zu melden. Um diese drei Massnahmen umzusetzen, wollen die Kantone das interkantonale Konkordat gegen Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen revidieren. Bis Ende Jahr führt die KKJPD eine Vernehmlassung bei den Kantonen und weiteren interessierten Kreisen durch.

Einheitliche Polizeitaktik

Die drei Massnahmen der KKJPD finden auch bei Vertretern der öffentlichen Hand, die sich am Freitag in Zug getroffen hatten, Rückhalt. Sie unterstützen weitere Massnahmen wie die Einführung von Charterzügen oder die Identitätskontrolle von Fangruppen. Im Oktober und November führt das Bundesamt für Polizei (Fedpol) dazu einen Feldversuch durch. Schliesslich wurde am Treffen, an dem auch die Städte, die SBB und das Fedpol vertreten waren, auch eine Vereinheitlichung der Polizeitaktik befürwortet. Dazu sollen in den Polizeikorps flächendeckend sogenannte Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten eingeführt werden. Der Kanton St. Gallen kennt ein solches Vorgehen bereits.

Diese Vorschläge werden am 1. September anlässlich des Runden Tisches in Bern wieder ein Thema sein. Dabei sind auch Vertreter der Clubs, der Sportverbände sowie der Fanarbeit anwesend. Doch der Runde Tisch, eingeführt im Vorfeld der Euro 2008, hat keine eigentliche Entscheidungskompetenz, weshalb er als Papiertiger in der Kritik steht. Die jüngsten Vorschläge von Städten und Kantonen sind zudem Ausdruck einer Skepsis, ob der Fussballverband sowie gewisse Clubs an wirksamen Massnahmen überhaupt ein Interesse haben.

(mdr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas Mann am 19.08.2011 17:08 Report Diesen Beitrag melden

    Einführen und scheitern

    Sollen sie doch diese Massnahmen ergreiffen und das Scheitern beobachten. Möglicherweise erkennen die Politiker dann, dass sie sich mit diesem Thema nicht profilieren können und nehmen sich anderenen Problemen an. Somit könnten Fans, Vereine, Verband und Fanprojekte weiter an konstruktiven und erfolgsversprechenden Massnahmen arbeiten, ohne das von aussen Oel ins Feuer gegossen wird.

  • Johnatan Eugster am 19.08.2011 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentor

    spätestens dann, wenn alle ihre auswärts-tickets für den sektor neben dem gästesektor kaufen, gehts nicht mehr lange, bis das kombiticket(fals es dann kommt) wieder abgeschafft wird.. von dem her, keine panik..

  • Heiri Kalberer am 19.08.2011 18:22 Report Diesen Beitrag melden

    Lösung - Einsperren der Radaubrüder und

    Bussen an den Club dessen Mitglieder Radau machen. Der Lösungsansatz funktioniert garantiert, wenn die Radaubrüder jeweils für die Dauer der ABarbeitung des Sachschadens unter erschwerten Umständen weggesperrt werden. D.h., kein TV, in der Gefangenschaft arbeiten um Sachschäden abzutragen und sich das eigene Futter zu verdienen. Ich denke mit so einer Lösung wären sicherlich 2/3 aller Schweizer einverstanden. Wetten, dass die Hooligans schlagartig aussterben würden...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Edgar G. am 20.08.2011 09:22 Report Diesen Beitrag melden

    Wurde auch Zeit !

    Es ist nicht wirklich Sache des Steuerzahlers für Ordnung zu sorgen. Als ich früher Disco-Veranstaltungen mit über 2000 Gästen organisierte brauchte es auch Bewilligungen und wenn es zu viele Probleme gab, zack waren diese weg ! Aufräumen der Umgebung von Abfall und Flaschen war das mindeste ebenso wie Streckenposten welche für Ordnung sorgten. Wird Zeit das die Fussball-Vereine anstatt Mio in Spieler mal einen Teil des Geldes in die Sicherheit stecken. Hatte Good-News je Ausschreitungen in diesen Dimensionen, nein ! Eingangskontrolle auf gefährliche Gegenstände sind bei Konzerten normal.

  • K. Acka am 19.08.2011 23:19 Report Diesen Beitrag melden

    Genau!

    Schärfere Massnahmen und Kosten den Verursachern belasten! Das wird sie lehren, zu randalieren und sich aufzuführen, als wären sie ungebildete, dumme Menschen.

  • Reto Br. am 19.08.2011 20:14 Report Diesen Beitrag melden

    Personalisierte Tickets ist die Lösung

    Kombitickets sind keine Lösung, da wie von Patrick beschrieben, ein Servette Fan aus Bern, nicht direkt zum Spiel fahren kann. Personalisierte Tickets, Damit Hooligans und Co. schnell erkannt werden. Und was Rechtlich wohl kritisch ist, bi Ausschreitungen, die Abwälzung der Kosten auf eindeutig Beteiligte! Den wenn ich 10000 Fr. Zahlen muss weil ich dabei war, auch wenn ich nicht viel gemacht habe, überlege ich es mir mehrfach ob ich nicht weit weg stehe von den Krawallbrüdern!

  • Johnatan Eugster am 19.08.2011 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentor

    spätestens dann, wenn alle ihre auswärts-tickets für den sektor neben dem gästesektor kaufen, gehts nicht mehr lange, bis das kombiticket(fals es dann kommt) wieder abgeschafft wird.. von dem her, keine panik..

  • Heiri Kalberer am 19.08.2011 18:22 Report Diesen Beitrag melden

    Lösung - Einsperren der Radaubrüder und

    Bussen an den Club dessen Mitglieder Radau machen. Der Lösungsansatz funktioniert garantiert, wenn die Radaubrüder jeweils für die Dauer der ABarbeitung des Sachschadens unter erschwerten Umständen weggesperrt werden. D.h., kein TV, in der Gefangenschaft arbeiten um Sachschäden abzutragen und sich das eigene Futter zu verdienen. Ich denke mit so einer Lösung wären sicherlich 2/3 aller Schweizer einverstanden. Wetten, dass die Hooligans schlagartig aussterben würden...