Entwöhnung

04. August 2011 16:39; Akt: 05.08.2011 16:50 Print

Kassenpflicht für Raucher-Medikament

Das Bundesgericht gab dem US- Pharmakonzern Pfizer in seinem neuesten Urteil Recht: Wird die Nikotinsucht eines Rauchers als Krankheit eingestuft, muss die Krankenkasse die Entwöhnung bezahlen.

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Urteil des Bundesgerichts: In den Fällen, in denen Rauchen als Krankheit gilt, muss die obligatorische Krankenversicherung die Kosten für das Entwöhnungsmedikament übernehmen.

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Das Bundesamt für Gesundheit muss in Sachen Kassenpflicht für ein Raucher-Entwöhnungsmedikament über die Bücher und unter anderem festlegen, unter welchen Voraussetzungen Nikotinsucht als Krankheit gilt. Das Bundesgericht hat der Pfizer teilweise Recht gegeben.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hatte das Gesuch des US- Pharmakonzerns Pfizer um Aufnahme des Medikaments «Champix» in die Spezialitätenliste 2008 abgewiesen. Das Bundesverwaltungsgericht wies die dagegen erhobene Beschwerde des amerikanischen Pharmaunternehmens im Dezember 2010 ab.

Die Richter in Bern argumentierten damals, dass Abhängigkeit von Nikotin als solche keine gesundheitliche Störung mit selbständigem Krankheitswert darstelle. Eine Behandlung auf Kosten der obligatorischen Krankenversicherung sei deshalb nicht nötig. Dem widersprachen die höchsten Richter in Lausanne.

Gehe es um den Krankheitswert, gebe es keinen Grund, zwischen Nikotinsucht einerseits und Sucht nach Alkohol oder Drogen anderseits zu unterscheiden. Abhängigkeit von Nikotin sehen sie aber dennoch nicht in jedem Fall als Krankheit. Dies sei nur der Fall, wenn sie aus medizinischer Sicht einer Behandlung bedürfe.

Zu Unrecht habe dies die Vorinstanz nicht geprüft, stellte das Bundesgericht fest. Das BAG müsse nun Bedingungen formulieren, unter denen eine Nikotinsucht behandelt werden muss und damit ein Krankheitswert zu bejahen sei. Vorab geht es laut den Richtern in Lausanne darum, einen Mindestabhängigkeitsgrad festzulegen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andy am 05.08.2011 01:39 Report Diesen Beitrag melden

    Richtiger Anreiz

    Im Gegensatz zur Banker-Boni (hehe) bietet dieser Bundesgerichtsentscheid grundsätzlich den richtigen Anreiz eine Gewohnheit abzulegen, die viele Raucher bei sich selbst stört. Bedenklich ist lediglich, dass wieder einmal ein Multi-Millionen-Unternehmen gegen den Staat und für die Gewinne (nicht aber für die "Kranken") in den Krieg gezogen ist und gewonnen hat. Nikotinsucht sollte nicht mit überteuerten Medikamenten bekämpft werden, sondern mit Ausstiegsprogrammen oder Therapie.

  • Renzo Caduff am 04.08.2011 21:28 Report Diesen Beitrag melden

    Völlig falscher "Denk"-Ansatz

    Einmal mehr haben unsere Politiker völlig daneben gegriffen. Die Entwöhnungskosten müssen von den Einnahmen der TABAKSTEUERN bezahlt werden. Die sind inzwischen hoch genug! Sicher nicht von der Krankenkasse. Ebenfalls müssen Krankheitskosten, welche auf das Rauchen zurückzuführen sind, von den Einnahmen der TABAKSTEUERN abgeglichen werden. Dieses Geld gehört NICHT Rentnern und NICHT irgendwelchen Subventionsfonds.

  • Arno Krättli am 07.08.2011 23:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stupid

    Ich bin selber auch raucher, das die Kosten jedoch die KK bezahlen sollen ist vollkommen falsch! Alles willensschwache Menschen die nicht hören können!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Arno Krättli am 07.08.2011 23:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stupid

    Ich bin selber auch raucher, das die Kosten jedoch die KK bezahlen sollen ist vollkommen falsch! Alles willensschwache Menschen die nicht hören können!

  • Mrs. Smith am 05.08.2011 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Es nervt mich langsam echt, dass wir für jeden Gugus, den Menschen selbst verschulden, bezahlen sollen. In der KK inbegriffen sind Alternativmedizin, Abtreibung und jetzt auch noch Medikamente für die armen raucher. Aber Brillen und Verhütungsmittel können wir schön selber blechen - was für ein Witz! Sorry, aber wundert sich da noch jemand, dass man sich langsam aber sicher die KK-Prämien nicht mehr leisten kann?!

    • Frank R. am 07.08.2011 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nachdenken !

      Ob nun die entzugsmedikamente tatsächlich über die KK bezahlt werden müssten , darüber lässt sich ja streiten...aber die Tatsache ,dass über die rund 2.2 Milliarden Sfr. die jährlich durch die Tabaksteuer in die AHV / IV fließen nie geredet wird nervt mich zb. denken Sie mal darüber nach ! wir Raucher leisten durch unsere Sucht einen wohl nicht unwesentlichen Beitrag an die Allgemeinheit ! Ich möchte mal den provokativen Vorschlag machen dass Nichtraucher weniger AHV Rente bekommen ! würde Ihnen das entgegen kommen ?

    • Dani Meier am 09.08.2011 00:35 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt nicht ganz.

      Die Kosten die Raucher aber verursachen, d.H. Kosten durch Krankheiten und Folgekrankheiten durchs Rauchen machen jährlich fast 10 Milliarden aus. Die Raucher verursachen ein Vielfaches an Kosten im Vergleich zu den AHV Einnahmen den sie bringen. Der Beitrag an die Allgemeinheit ist also, dass die ganze Gesellschaft für die Folgen des Rauchens zahlen muss.

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  • Andy am 05.08.2011 01:39 Report Diesen Beitrag melden

    Richtiger Anreiz

    Im Gegensatz zur Banker-Boni (hehe) bietet dieser Bundesgerichtsentscheid grundsätzlich den richtigen Anreiz eine Gewohnheit abzulegen, die viele Raucher bei sich selbst stört. Bedenklich ist lediglich, dass wieder einmal ein Multi-Millionen-Unternehmen gegen den Staat und für die Gewinne (nicht aber für die "Kranken") in den Krieg gezogen ist und gewonnen hat. Nikotinsucht sollte nicht mit überteuerten Medikamenten bekämpft werden, sondern mit Ausstiegsprogrammen oder Therapie.

  • Luna am 04.08.2011 22:24 Report Diesen Beitrag melden

    Naja...

    Das ist so eine Sache... Einerseits finde ich es auch nicht richtig, dass dem Raucher, der ja nun wirklich selber schuld ist, der Entzug finanziert wird. Andererseits, wenn die Krankenkasse bei jeder selbstverschuldeten "Krankheit" nicht mehr bezahlt, können wir sie bald ganz abschaffen. Schliesslich gehen die Dicken, die Sportler, die Autofahrer etc. auch bewusst Risiken ein.

  • Georg am 04.08.2011 21:48 Report Diesen Beitrag melden

    gefällt mir gar nicht

    Die Leute die rauchen und das gefühl haben das die kk die kosten übernehmen sollen, sollten mehr prämien bezahlen.. das heisst auch das sie der kk angeben müssen das sie rauchen. wer das nicht macht soll selber auf den kosten sitzen