Gewaltig übertrieben

21. Februar 2013 21:03; Akt: 21.02.2013 21:13 Print

Kaum Hooligans in der Hooligan-Datenbank

In der Datenbank «Hoogan» sind weit mehr Gewalttäter erfasst, als es der Situation entspricht. Regelmässig werden auch Unschuldige gespeichert. Dennoch fordern Politiker schärfere Massnahmen.

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Nicht alle Fans, die in der Hooligan-Datenbank eingetragen sind, verhalten sich gewalttätig. (Bild: Keystone/Archivbild)

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Ende Januar waren 1294 Personen in der Hooligan-Datenbank Hoogan gespeichert, 100 Sportfans mehr als noch vor zwei Jahren. Einen Eintrag im Register erhält, wer sich im Umfeld von Sportveranstaltungen gewalttätig verhält. Doch sind wirklich alles randalierende Chaoten, die ins Hoogan eingetragen werden?

Wie der «Beobachter» in seiner aktuellen Ausgabe schreibt, dürfte die Zahl der wahren Gewalttäter weit kleiner sein als die 1294 in der Datenbank registrierten. Der Grund: Gespeichert werden Personen, gegen die wegen gewalttätigen Verhaltens eine Massnahme wie Stadion- oder Rayonverbot ausgesprochen wird. Nach Ablauf einer solchen Massnahme bleiben sie noch drei Jahre registriert. Aktuell laufende Massnahmen bestehen bloss gegen 519 Personen, gab das Bundesamt für Polizei (Fedpol) bekannt.

Aber auch diese Leute müssen nicht unbedingt Gewalttäter sein. Immer mehr Massnahmen werden wegen Bagatelldelikten wie Beschimpfungen, Tätlichkeiten oder einem Verstoss gegen das Vermummungsverbot ausgesprochen. Und selbst Fans, die sich nichts zu Schulden kommen lassen, können in Hoogan landen. «Regelmässig werden Unschuldige in der Datenbank gespeichert», sagt Anwältin Manuela Schiller, die bei Gerichtsprozessen oft Fans vertritt, dem «Beobachter».

Unschuldsvermutung gilt nicht

Anders als im Strafrecht muss ein in Hoogan Registrierter seine Unschuld beweisen, die Unschuldsvermutung gilt hier nicht. Erst dann kann er gelöscht werden. Und die Hürde für einen Eintrag ist tief: Für ein Rayon- oder Stadtionverbot reicht eine «glaubwürdige Aussage», sei es durch die Polizei, Sicherheitspersonal oder Sportvereine.

Und selbst ein Freispruch in einem Strafverfahren führt nicht zwangsläufig zu einer Löschung eines Eintrags. Langwierige Prozesse wären die Folge. Doch viele Beschuldigte könnten sich ein entsprechendes Gerichtsverfahren gar nicht leisten, sagt Schiller gegenüber dem «Beobachter».

Trotz stetig steigender Zuschauerzahlen, bleibt die Anzahl der Delikte mit physischer Gewalt im Stadion, also Körperverletzungen, im Vergleich zu vor zwei Jahren praktisch unverändert tief. Sachbeschädigungen sowie Gewalt und Drohung gegen Beamte sind sogar zurückgegangen. Die meisten Massnahmen werden wegen Verstössen gegen das Sprengstoffgesetz – also wegen sogenannter Pyros – verhängt. Doch auch wenn die Gewalt an Sportveranstaltungen offenbar nicht zunimmt, fordern viele Politiker eine Verschärfung des «Konkordats über Massnahmen gegen Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen».

(bee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • René Gruber am 22.02.2013 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Relation

    Pro Jahr finden alleine in den obersten beiden Spielklassen im Eishockey und Fussball hunderte von Spielen statt. In den wenigsten davon gibt es Randale die über jene hinaus geht wie es sie auch an jedem anderen Dorffest oder im Ausgang leider auch gibt. Selbst eine der grossen Sonntagszeitungen musste kürzlich 6 Jahre zurückgehen um 5 Beispiele auf zu zeigen von solchen Vorfällen. 5 Beispiele also bei mehr als 3500 Eishockey- und über 2000 Eishockeyspielen. Rechtfertigen diese wirklich so gravierende Massnahmen?

  • iPascal am 22.02.2013 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    Richtige Fans?

    Wieviel Menschen hier wohl schreiben, ohne ein Stadion von innen gesehen zu haben... ich schätze aus 70 Kommentaren könnte man 10 machen.... AchJa, Teleclub und Sofa zählt NICHT als Stadionbesuch, is klar, ne? ;-)

    einklappen einklappen
  • Fritz am 22.02.2013 00:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glücklich...

    Glücklich das Land, das keine anderen Probleme als Fussballfans kennt...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Blackhawks am 22.02.2013 15:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    xD

    Ist alles nicht so schlimm xD

  • René Gruber am 22.02.2013 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Relation

    Pro Jahr finden alleine in den obersten beiden Spielklassen im Eishockey und Fussball hunderte von Spielen statt. In den wenigsten davon gibt es Randale die über jene hinaus geht wie es sie auch an jedem anderen Dorffest oder im Ausgang leider auch gibt. Selbst eine der grossen Sonntagszeitungen musste kürzlich 6 Jahre zurückgehen um 5 Beispiele auf zu zeigen von solchen Vorfällen. 5 Beispiele also bei mehr als 3500 Eishockey- und über 2000 Eishockeyspielen. Rechtfertigen diese wirklich so gravierende Massnahmen?

  • Christoph am 22.02.2013 10:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    totes Pferd

    unsere Pilitiker versuchen sich zu profielieren indem sie versuchenein totes Pferd zu reiten. einmal mehr reines blabla das fern jedeglicher Tatsachen aufzeigt welches Wissen die Politiker haben. eine Schande solche "Volksvertreter"...

  • iPascal am 22.02.2013 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    Richtige Fans?

    Wieviel Menschen hier wohl schreiben, ohne ein Stadion von innen gesehen zu haben... ich schätze aus 70 Kommentaren könnte man 10 machen.... AchJa, Teleclub und Sofa zählt NICHT als Stadionbesuch, is klar, ne? ;-)

    • Danny Amrein am 22.02.2013 12:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Hooliganliste!

      Ich war auf der hooligansliste wegen eines kaputten apfalleimers!! Ich frage mich, sind auf der liste wirklich hooligens, oder stellen die polizei einfach die kleinen fische in die liste, dasi gut dasteht

    • Peace am 23.02.2013 00:17 Report Diesen Beitrag melden

      @danny

      Selber schuld... Ich verstehe euer denken in solchen Momenten einfach nicht... Was treibt euch dazu Fackeln in Gästesektoren zu werfen, Abfalleimer (Grammatik beachten ;)) zu zerstören etc.? Von mir aus schlägt euch doch gegenseitig die Birne ein. Was mich stört ist das die Allgemeinheit dann wieder für euren Spitalaufenthalt zahlen muss.

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  • a.s am 22.02.2013 09:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gewalt

    bin gegen jegliche gewalt im stadion. habe schon mal polizeigewalt selber erlebt, als ich mit einer freundin am hb zürich zu den unterirdischen gleisen ging um die s-bahn nach winterthur zu nehmen beim diskutieren auf dem weg zum gleis kam mir in den sinn das ich das billet nicht gelöst habe bin dan die treppe hoch gerannt um am automat mein billet zu lösen neben dem automat standen 2 polizisten die mich festgehalten haben und mich fragten wieso ich renne, ich versuchte zu erklären das ich das ticket lösen muss weil ich es vergessen habe und der zug gleich fährt darum renne ich,,,,,sie wollten mein ausweis sehen darauf hin habe ich gefragt ob sie spass daran haben mich zu schickanieren darauf hin hatt mich der eine polizist am hals gepackt und mich gegen den automat gedrückt und mich verhaftet wegen beleidigung und verweigerung einer polizeilichen kontrolle.

    • Polizist am 22.02.2013 12:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Die Polizisten sind schuld, klar

      Wieso nicht einfach den Ausweis gezeigt? Ohne Motzerei wär nix passiert!!! Also gaaaaanz selber schuld!!! Man müsste noch die Aussagen der beiden Polizisten hören, wie wirklich war, du Unschuldslamm :-)

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