Studie enthüllt

09. März 2019 08:16; Akt: 09.03.2019 08:16 Print

Kein Plan beim Warnsignal

Viele Autofahrer haben keine Ahnung, was die Symbole auf der Anzeige bedeuten. Kein Wunder – es kommen immer mehr neue dazu.

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60 Prozent der Autofahrer haben Schwierigkeiten, die Bedeutung der Warnsignale auf ihrem Dashboard richtig zu deuten. Dieses hier jedoch sollten die meisten kennen: Es ist das Leuchtzeichen für zu wenig Abstand zum vorderen Fahrzeug. Bei Dränglern ein ständiger Begleiter. Doch nicht alle Symbole sind so geläufig. Wissen Sie zum Beispiel, für was das Signal mit der Nummer 38 steht? Es deutet Probleme mit dem Partikelfilter bei Dieselmotoren an. 95 Prozent der Teilnehmer einer Studie kannten dieses Piktogramm nicht. Dieses Zeichen hingegen dürften alle kennen: wenig Kraftstoff, bitte bei der nächsten Gelegenheit zur Tankstelle fahren. Jetzt wirds kniffliger. Dieses Warnsignal bedeutet: Der Motor wird zu heiss, er ist überlastet oder es fehlt Kühlmittel. Erlischt das Zeichen nicht spätestens nach einer Minute, rechts ranfahren. Motor abkühlen lassen, Kühlwasser nachfüllen. Leuchtet die Lampe nach dem Start immer noch – Werkstatt aufsuchen. Erschwerend bei der Vielzahl an Piktogrammen ist das Aufkommen von immer mehr neuen Symbolen. Moderne Autos warnen ihre Fahrer bei längeren Strecken etwa mit diesem Zeichen, dass mal wieder eine Pause fällig wäre. Wenn dieses Signal leuchtet, ist der Öldruck im Motor zu gering. Anhalten, Motor abstellen und Ölstand kontrollieren. Bei zu wenig Öl mindestens einen Liter nachfüllen. Gegebenenfalls prüfen, ob der Motor undicht ist. Dieses Warnsignal leuchtet auf, wenn ein Passagier während der Fahrt nicht oder nicht richtig angeschnallt ist. Möglicherweise löst auch ein schwerer Gegenstand auf einem Sitz das Signal aus. Wenn das Batteriesymbol leuchtet, hat das Auto keinen Saft mehr. Die Batterie hat zu wenig Kapazität, der Spannungsregler ist defekt oder die Lichtmaschine hat den Geist aufgegeben. Sollte man in der Garage prüfen lassen. ABS steht für Anti-Blockier-System. Es soll verhindern, dass bei Vollbremsungen die Reifen blockieren. Wenn dieses Symbol leuchtet, dann ist damit etwas nicht in Ordnung (oder mit dem ESP). Eine erhöhte Unfallgefahr kann die Folge sein. Sollte man prüfen lassen. Nein, das ist kein Warnsignal für Ballsport im Auto. Wenn dieses Symbol aufleuchtet, stimmt etwas mit dem Airbag oder den Gurten nicht. Auch das sollte man in der Werkstatt überprüfen lassen. Ein häufiges Zeichen, gerade in diesen Tagen. Doch was bedeutet es? Hier meldet das Reifendruck-Kontrollsystem, dass mindestens ein Reifen zu wenig Luft hat. Das erhöht nicht nur den Spritverbrauch, sondern auch die Unfallgefahr durch einen längeren Bremsweg, eventuelles Ziehen zur Seite hin beim Bremsen und schlechteren Handling-Eigenschaften. Reifen aufpumpen oder in der Garage checken lassen. Auch das passiert häufig: Entweder ist die Handbremse noch angezogen oder das System warnt vor zu niedrigem Bremsflüssigkeitstand. Möglicherweise sind die Bremsbeläge auch auf Mindestmass abgefahren und müssen demnächst gewechselt werden. Bei nächster Gelegenheit prüfen lassen. Der Klassiker im Winter: Hier meldet sich das Elektronische Stabilitätsprogramm. Es hilft, das Auto zu stabilisieren, wenn es ins Schleudern oder Schlingern gerät. Oft passiert das bei Glätte oder Nässe. Wenn dieses Warnsignal leuchtet, Geschwindigkeit anpassen und langsamer fahren. Dieses Symbol leuchtet nicht umsonst rot. Hier droht akutes Bremsversagen. Also ab in die Werkstatt. Allenfalls kann auch beim Fahren die Handbremse angezogen sein. Weniger dramatisch und deshalb grün: Wenn dieses Symbol leuchtet, dann hat das Start-Stopp-System den Motor abgestellt. Wenn man von der Bremse geht oder die Kupplung betätigt, sollte der Motor automatisch wieder anspringen. Kein Grund zur Panik: Die Nebelleuchte ist eingeschaltet. Allerdings sollte dieses Symbol auch wirklich nur bei schlechter Sicht leuchten. Wenn die Motorkontrollleuchte sichtbar wird, sollten man bei nächster Gelegenheit die Werkstatt aufsuchen. Denn irgendetwas stimmt nicht, beispielsweise die Zünd- oder Einspritzanlage, die Abgasreinigung oder der Nockenwellenantrieb.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Über die Hälfte aller Autofahrer ist mit den vielen Warnlichtern auf dem Fahrzeug-Dashboard überfordert. Das zeigt eine britische Studie, die vom Hasso-Plattner-Institut (HPI) durchgeführt wurde. Demnach gaben 59 Prozent der Befragten zu, dass sie sich mit den Piktogrammen im Dashboard nicht oder nicht genügend gut auskennen.

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Anlass zur Besorgnis gaben vor allem die Resultate bei möglicherweise fatalen Fehlfunktionen. So erkannten fast 96 Prozent aller Studienteilnehmer das Warnsignal für einen Bremsdefekt nicht. Fast genauso viele waren beim Warnsignal betreffend einer Fehlfunktion des Kühlsystems oder eines Schadens beim Diesel-Partikelfilter ratlos. Und: Über 60 Prozent erkannten einen möglichen Motorenschaden nicht über das entsprechende Piktogramm.

Immer mehr Symbole

In der Schweiz dürfte das Unwissen ähnlich gross sein. Klar: Wenn das gelbe Symbol mit der Zapfsäule aufleuchtet, wissen die meisten, dass sie demnächst an eine Tankstelle fahren sollten. Doch auf dem Dashboard verstecken sich auch weit exotischere Warnlampen mit Symbolen, die nicht jede Woche aufleuchten. Und bei denen können durchaus auch regelmässige Autofahrer ins Schwimmen geraten.

Kommt dazu: Mit immer mehr und aufwendigerer Technik in modernen Autos gibt es auch immer mehr Warnlampen. Im schlimmsten Fall können sich die Piktogramme auch noch von Hersteller zu Hersteller unterscheiden, obwohl sie das Gleiche bedeuten. Insbesondere bei Assistenzsystemen ist Spurwarner nicht gleich Spurwarner. Auch bei älteren Fahrzeugen sind oftmals andere Symbole als bei neuen anzutreffen.

Tatsächlich werden bei modernen Autos «immer wieder neue Systeme und entsprechend neue Piktogramme eingeführt», bestätigt der TCS. Einige würden sich von selbst erklären, andere seien «kaum verständlich». So ist das von einigen Herstellern verwendete Symbol der gelb leuchtenden Kaffeetasse nicht etwa eine Einladung zum Kaffeeplausch beim Garagisten, sondern eine Aufforderung, demnächst eine Pause einzulegen.

Ampelsystem als Eselsbrücke

Noch vor 20 Jahren ging es bei den meisten Instrumententafeln der Autos recht simpel zu und her. Es gab eine Leuchte fürs Fernlicht, eine für den Öldruck, eine für die Handbremse, und das wars. Wer heute den Motor startet, hat einen halben Christbaum voller Leuchten vor sich. Prompt erhalten Automobilclubs immer wieder Anrufe von verzweifelten Autofahrern, die nicht wissen, was ein bestimmtes Symbol bedeutet.

Beim TCS findet man zumindest eine erste Hilfe: Als grobe Orientierung dienen die Ampelfarben. Um rot leuchtende oder blinkende Symbole sollte man sich sofort kümmern. Sie weisen auf eine Gefahr hin und erfordern sofortiges Handeln. Gelbe Warnlichter weisen darauf hin, dass etwas beachtet oder geprüft werden soll. Keine Sorgen hat man bei grüne Leuchten: Sie zeigen an, dass ein System ordnungsgemäss funktioniert.

Insgesamt gibt es bis zu 80 verschiedene Symbole, von denen meist rund 50 verwendet werden. Die Tendenz ist aber klar steigend. Deshalb fordert etwa der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC), dass die Piktogramme im Cockpit reduziert werden sollen. Der Fahrer sei schliesslich kein Pilot – er müsse sich auf die Strasse konzentrieren können.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin Brändle am 09.03.2019 08:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz vorne anfangen

    Es wäre schon schön, wenn die Leute die geltenden Verkehrsregeln kennen und anwenden würden!

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  • Peterpan am 09.03.2019 08:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer Lesen kann ist klar im Vorteil

    Für etwas gibt es das Betriebshandbuch. Aber es ist halt mit Lesen verbunden.

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  • Axel Joller am 09.03.2019 08:34 Report Diesen Beitrag melden

    Ja und

    Wenn man Peugeot fährt, beachtet man die Symbole nicht. Irgendwas leuchtet immer und ist nur die Software, welche sich aufgehängt hat. Da kann man locker weiterfahren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chris Fuhrimann am 10.03.2019 21:47 Report Diesen Beitrag melden

    32 Jahre

    Fahre eine 32 jährigen Mazda929HB im Alltag...da leuchtet nichts was nicht zu leuchten hat und Softwareprobleme gibt es bei dieser Hardware nicht-seit 170000km...Vortschritt ist nicht immer eine Evolution...

  • Domino am 10.03.2019 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    zu wenig Abstand

    Eigentlich sollte dieses Zeichen gar nie leuchten ausser im Stau. In der Schweiz wird es aber bestimmt bei Manchen öfters aufleuchten.

  • Mitfahrer am 10.03.2019 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Fahrzeugbrände...

    Mit dem Vollpack an Elektronik und Batterien sowie Kunststoffen braucht es bald auch Brandmeldeanzeigen, automatische Löschanlagen und ein Evakuierungssignal sowie Sensoranzeigen für den Mitfahrer bzw. Co-Piloten

  • Peter Ineichen am 10.03.2019 08:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lernen fahren

    Es wäre sinnvoller den Leuten wiedeer das fahren bei zu bringen, anstatt den Umgang mit all den Hilfsmitteln in den heutigen "Autos" UND es sollte in jedem Auto ein Sicherheitssystem haben, dass man das Fahrzeug nur bewegen kann, wenn kein Handy eingeschalten ist im Auto. praktisch ein Automodus im Handy.

  • Edmo am 10.03.2019 08:28 Report Diesen Beitrag melden

    Passt schon

    Weil viele Leute keinen Bezug mehr zur Technik haben und nicht mal ansatzweise wissen, wie ein Auto funktioniert, verstehen sie natürlich die Piktogramme nicht. Ich bin froh, dass die Hersteller trotzdem noch aussagekräfigte Symbole verwenden und nicht auf Daumen hoch oder runter umgestiegen sind.