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21. Februar 2011 23:07; Akt: 21.02.2011 23:55 Print

Kein Platz für Jugendliche

von Deborah Sutter - Teenies nirgends willkommen: Sie werden aus Warenhäusern und Bussen vertrieben – etwa durch Ländlermusik.

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Das Thurgauer Plakat.

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Bei der Stadtbusverwaltung Frauenfeld hat man die Nase voll: «Die Schüler benutzen den Bus als Treffpunkt und nehmen anderen Fahrgästen die Plätze weg», so Roland Büchi.

In Frauenfeld hängen deshalb zur Zeit Plakate, die die Jugendlichen auffordern, nicht dauernd im Bus hin- und herzufahren, wie die «Thurgauer Zeitung» schreibt. Im Aargau vertreibt man die Jugendlichen derweil mit Ländlermusik: «Wir lassen keine Popmusik laufen, um Junge nicht in die Mall zu locken», sagt Monika Frei, Geschäftsführerin der Liegenschaftsverwaltung des City-Märt zur «Aargauer Zeitung». Grund dafür seien unter anderem Probleme mit Teenagern in der Vergangenheit. Im Hotel Chur hat man sich herumlümmelnde Jugendlichen bereits erfolgreich vom Hals geschafft – dank eines Gerätes, das hochfrequente Pfeiftöne aussendet, die nur Jugendliche hören. Und die Gemeinde Heerbrugg SG lässt seit dem Herbst am Bahnhof klassische Musik laufen, in der Hoffnung, Vandalismus und Littering in den Griff zu bekommen.

Teenager werden landauf landab von öffentlichen Plätzen vertrieben – für SP-Vizepräsident Cédric Wermuth ein Skandal: «Jugendliche haben zu wenig Raum, wo sie sich aufhalten können, ohne konsumieren oder an einem Programm teilnehmen müssen.» Die einzigen Orte, wo sie sich ausserhalb ihrer vier Wände aufhalten können, seien somit der Bahnhof oder eben Einkaufszentren.

Einsperren statt präventiv vertreiben, fordert dagegen SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer: «Die 48-Stunden-Einsperrfrist muss genutzt werden, damit sich jugendliche Delinquenten vor dem Arbeitgeber oder der Schulleitung rechtfertigen müssen.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heinz73 am 22.02.2011 18:20 Report Diesen Beitrag melden

    Anstand und Eigeninitiative

    Szene aus dem Alltag. Im Dorf unter 1000 Einwohner: Warten auf den Bus. Der Bus kommt, die Jugendlichen drängen sich vor, dass sie zuerst einsteigen können. Davor sind sie an die Haltestellen gekommmen, kein Gruss. Ist nicht mehr üblich im Dorf. Im Bus die Schuhe auf dem Polster. Sagen darfst Du nichts, wenn Du Dich nicht gleich hauen willst mit denen. Viele Dörfer müssen unterdessen Security anstellen, um das Schulareal zu überwachen. Weil alles dreckig wird und kaputt geht. Aber Jugendliche fordern zuerst mal Jugendräume. Wacht endlich auch! Wir Eltern haben in der Erziehung einiges verpasst.

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  • marsupilami am 22.02.2011 07:45 Report Diesen Beitrag melden

    antiautoritäre Erziehung

    Selber schuld, statt herumhängen Fussball spielen, Pfadi oder so. Zu meiner Zeit haben wir uns auch ohne Konsum beschäftigen können oder sind beschäftigt worden. Hier ist wiedermal die antiautoritäre Erziehung der Eltern schuld. Sie kümmern sich nicht um die Kids und diese wissen nichts mit sich anzufangen. Da sind dann 15 jährige besoffen bis 24h im Ausgang und so...kein Wunder. Jugendliche bis 16 haben ab 22h nichts mehr auf der Strasse zu suchen. Jetzt sollen die Steuerzahler für Jugendtreffs zahlen weil die Eltern ihre Kids nicht im Griff haben? Nein Danke!

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  • Dino Saurier am 22.02.2011 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so.

    Gut so. Die meisten hängen ja sowieso nur herum. Sollen sich sinnvoll beschäftigen. Andere könnens auch.

Die neusten Leser-Kommentare

  • 16 am 28.02.2011 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    Jugendlichen fehlen Hobbies? Keine gerechte Aussag

    Ich (16) bin im 2. Ausbildungsjahr und arbeite von 9 bis 18 Uhr Abends. Abends fängt mein Tag erst richtig an: lernen für Prüfungen. Ich habe eine grosse Leidenschaft für Fotografie, Zeit dazu habe ich kaum. Lernen, Erwartungen erfüllen und alles richtig machen bestimmt mein Alltag. Man sieht nicht was ich mit 16 leisten muss. Ich werde in der Arbeitswelt als erwachsene Person betrachtet, was ich schlicht weg (noch) nicht bin. Jetzt muss ich hier lesen wie ich (ich gehöre zu der Definition Jugend) als unhöflich, störend etc. betitelt werde. Denkt mal über eure Worte nach! Diese sind nicht fair!

  • Cornelius Gelpke am 27.02.2011 00:59 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Lob dem 'Herumhängen'

    Müssiggang und Geselligkeit sind Tugenden, die der Intelligenz weit förderlicher sind als sämtliche Weiterbildungsangebote mit denen unsere Strassen, Plätze und Verkehrsmittel vollgepflastert sind. Denn sie leisten, was keine Ausbildung zu leisten vermag: das Wachstum und die Reifung des Mitgefühls, der Empathie. Man sollte sie täglich etwas pflegen! Und selbstverständlich nicht nur die Jungen. Diese Geisselung der Jugend wegen ihres Herumhängens ist die Eifersucht der im Hamsterrad gefangenen Generationen (von 3 bis 100), die nie die Zeit gefunden haben, erwachsen zu werden.

  • Angelika am 25.02.2011 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    War bei uns nicht anders

    war bei uns nicht anders, bin jetzt 27ig, der Jugendtreff wurde geschlossen, am See wurden wir vertrieben, am bahnhof durften wir auch nicht "rumhängen" und am ende haben wir uns auf dem Schrottplatz niedergelassen. Anstatt tausende von Franken für Kameras und Kontrolle rauszuhauen, wäre es sinnvoller, einen Jugendtreff zu organisieren. Einen Raum wo man sich treffen kann.. man kann ja nicht seine 15 Freunde mit nach Hause nehmen, die meisten haben in Blockwohnungen gewohnt, da ist natürlich kein Platz!

  • Frank Ritz am 25.02.2011 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Littering und Vandalismus ist ein Thema

    Für mich ist Littering und der unachtsame Umgang mit der Natur, öffentlichen Einrichtungen und bspw. den Sitzen von Bussen und Zügen ein Thema. Ich lebe seit 2007 in der Schweiz und diese Dinge haben seitdem so zugenommen, dass die Toleranzgrenze schlicht erreicht ist. Ich spreche diejenigen freundlich und ohne Eskalation an und erkläre dass dies nicht in Ordnung ist. Auch wir waren früher keine Engel. So wie heute jedoch ist ein Punkt erreicht, bei dem auch junge Menschen begreifen müssen dass sie provozieren und das eine Gegenreaktion zur Folge hat.

  • Tobias Harnickell am 24.02.2011 21:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ihr wart auch nicht besser!

    Es ist schon klar dass es teenies gibt die es übertreiben /sich nicht an gewisse Regeln halten können / wollen. Aber ich finds absolut unerwachsen uns alle in eine schublade zu stecken und zu sagen wir seien doch alle gleich! Und die beste Lösung die einigen da einfällt: Militärschulen... oder noch besser die Idee mit den Ganztagesschulen -.- Ich weis nicht ob das wirklich so erwachsen ist, oder wärt ihr damals froh gewesen wärt ihr in eine Ganztages / Militärschule geschickt worden?! Als hätte man sich damals nicht auch über euch beschwehrt...