Wo bleibt der Schnee?

16. Januar 2020 17:53; Akt: 17.01.2020 08:08 Print

Vor einem Jahr sah es draussen so aus

von Lena Stadler - Der Winter ist so mild und schneearm wie selten zuvor. Die Natur spielt verrückt.

Einige Spaziergänger wagten sich am 16. Januar bereits in den Zürichsee. (Video: B. Zanni)
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Kräftige Schneefälle im Flachland und Lawinengefahr in den Bergen – so präsentierte sich das Schweizer Wetter vor einem Jahr. Ganz anders sah es in den letzten Tagen aus: Fast frühlingshafte Temperaturen und strahlender Sonnenschein herrschen in der ganzen Schweiz. Schon im Dezember war es überdurchschnittlich warm: Gemäss den Daten von Meteo Schweiz erlebte die Schweiz 2019 mit einer Durchschnittstemperatur von 0,8 Grad Celcius den drittwärmsten Dezember seit Messbeginn 1864.

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Auch der Januar könnte wieder Rekordniveau erreichen: Gemäss Prognosen wird es der fünftwärmste seit Messbeginn. Bis jetzt ist der Winter laut Meteo Schweiz auch extrem schneearm. In den meisten Gebieten im Flachland gab es erst einmal eine Neuschneedecke von mehr als einem Zentimeter. Das war am 12. Dezember 2019. An zahlreichen Messstationen, etwa am Flughafen Zürich oder in Basel-Binningen, gab es noch gar keinen Schnee. Das ist aussergewöhnlich: Der erste messbare Neuschnee im Flachland der Alpennordseite kommt im Durchschnitt um den Monatswechsel November/Dezember.

Viele Hochdruckgebiete

Wieso ist dieser Winter so mild? Cédric Sütterlin von Meteo News erklärt: «Im Dezember gab es viel Westwind, der milde Atlantikluft zu uns brachte. Diese Wetterlage führt dazu, dass es häufig stark bewölkt ist und die Temperatur in der Nacht deshalb nicht stark sinkt.» Jetzt im Januar sei es häufig sonnig und die Nächte seien klar. Deshalb gebe es fast jeden Morgen Frost. Doch immer noch seien die Temperaturen überdurchschnittlich mild. «Über Mitteleuropa liegen viele Hochdruckgebiete. Das führt etwa dazu, dass auf dem Jungfraujoch die bisherige Durchschnittstemperatur in diesem Monat 6,5 Grad Celsius über der normalerweise im Januar zu erwarteten Temperatur liegt.»

Sehen Sie hier, wie sich der Winter am 16. Januar im Vergleich zum letzten Jahr zeigte:

Kein Schnee und warm – bereits fliegen Bienen

Der ausbleibende Winter macht Skiorten in tieferen Lagen zu schaffen. Auch die Natur reagiert auf die milden Temperaturen. Peter Enz, Gartenleiter des Botanischen Gartens der Universität Zürich, sagt: «An sonnenexponierten Stellen blühen jetzt schon die ersten Schneeglöckchen, Gartenprimeln und Zyklamen, was normalerweise erst Mitte Februar der Fall ist. Erste Wild- und Honigbienen fliegen bereits vereinzelt herum.»

Auch die Pollensaison startet früh: Es sind schon Hasel- und Erlenpollen in der Luft. Laut Thomas Wirth, Projektleiter Biodiversität beim WWF Schweiz, kann ein verfrühter Frühling massive Auswirkungen auf das Ökosystem haben. «Es kann passieren, dass etwa die Pflanzen blühen, aber die entsprechenden Bestäuber noch nicht unterwegs sind. Das ganze natürliche System gerät so aus dem Gleichgewicht.»

Milde Temperaturen können laut Christa Glauser von Bird Life Schweiz auch Auswirkungen auf das Verhalten von Vögeln haben: «In diesem Winter sind auffallend viele kleinere Grüppchen von 10 bis 20 Staren da, die zu diesem Zeitpunkt normalerweise im Mittelmeerraum weilen. Ausserdem überwintern viele Mönchsgrasmücken in der Schweiz und ziehen nicht Richtung Süden.» Laut Livio Rey von der Vogelwarte Sempach ist ein allgemeiner Trend zu beobachten: Vögel wie der Rotmilan oder die Ringeltaube würden vermehrt in der Schweiz bleiben statt im Winter in den Mittelmeerraum zu ziehen.

Trend zu milderen Wintern

Regula Gehrig von Meteo Schweiz sagt: «Die Winter in der Schweiz sind mit gewissen Schwankungen wie die anderen Jahreszeiten in den letzten Jahrzehnten wärmer geworden.» Auch die winterliche Nullgradgrenze hat sich in den letzten 50 Jahren um 250 Meter nach oben verschoben.

Nicht nur die winterlichen Temperaturen steigen, auch der Frühling kommt tendenziell früher. Meteo Schweiz beobachtet seit 1951 an 160 Standorten der Schweiz jedes Jahr, wie sich die Vegetation entwickelt. «In diesen Daten ist die Verfrühung im Frühling deutlich zu sehen: Die Hasel und der Löwenzahn blühen heute 14 Tage früher, beim Kirschbaum sind es neun Tage», so Gehrig.

Doch wie geht es nun mit dem Winter weiter? Laut Cédric Sütterlin von Meteo News sinken die Temperaturen am Wochenende. «In der Nacht auf Samstag sinkt die Schneefallgrenze auf 700 Meter. Am Sonntag kommt noch mehr kalte Luft, Niederschlag gibt es jedoch kaum mehr, sodass es höchstens zu einigen Flocken im Flachland kommt.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter M am 17.01.2020 07:14 Report Diesen Beitrag melden

    War letztes Jahr auch so

    Jaja der allgemeine Leser vergisst schnell: letzer Januar war ein Rekordjanuar bezüglich Temperaturen. Diesen Jahr ist er sogar kühler. Auch letztes Jahr: geplagte Allergiker, kein Schnee, Blumen spriesten, Bäume hatten Knospen, etc. dann kam die Kälteperiode.

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  • Marc am 17.01.2020 07:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klimawandel

    Das Klima der Erde wandelt sich seit es sie gibt. Ist ein ganz natürlicher Verlauf. Keine Panik.

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  • Moseric am 17.01.2020 07:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tendenziös

    Überhaupt nichts spielt verrückt. Gabs immer mal wieder. Verrückt spielen nur C-Journis, PolitikerInnen ohne "Eier" und Charakter sowie Jugendliche, welche ein A von einem B kaum unterscheiden können und unseren Wohlstand schnellstmöglich abschaffen wollen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Alexander Hirzel am 25.01.2020 12:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ganze Jahr Schnee

    In Zürich gibt es in gewissen Ausgangmeilen das ganze Jahr Schnee.

  • Alfred A. am 20.01.2020 16:00 Report Diesen Beitrag melden

    Summenbildung

    Würde man alle "Dieser Monat wärmer als der Verglleichsmonat vor einem Jahr" zusammenzählen müssten unsere Seen längst kochen.

  • Marco Stini am 20.01.2020 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...genügend CO2....

    ...wunderbar das Wetter, schön kalt und Schnee in den Bergen und Raureif im Flachland. Erste Vorboten für kleine Eiszeit?!ich hoffe, die Erde gibt immer genügend CO2 her, damit Pflanzen, Fauna, kurz alles was rund um uns herum so an Wertvollem wächst, gedeihen kann....

  • rh am 19.01.2020 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    Mir reichts

    Egal, kalt ists auch so. Heute nur um die 0 Grad und ne fiese Bise ;( brrrrr...

  • Lili am 19.01.2020 03:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lili

    Zum Autofahren ist es viel besser ohne Schnee weniger Unfälle ansonsten gerne Schnee