Kanton Aargau

14. August 2017 12:50; Akt: 15.08.2017 01:34 Print

Kein einziger Blitzkasten – Raser zahlen trotzdem

Im Kanton Aargau steht nicht eine stationäre Radarkontrolle. Die Polizei setzt auf den Überraschungseffekt, um Temposünder zu strafen.

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Die Alternative zu stationären Anlagen: Ein Polizist mit einer Doppler-Radarfalle. (Symbolbild) Der Dopplerradar kann sowohl für stationäre als auch für mobile Überwachungen eingesetzt werden. Weitere Kontrollmethoden: Die Laserpistole Trucam misst nicht nur Geschwindigkeiten, sondern filmt auch das Geschehen im Strassenverkehr. Bewegtbilder sind sofort als Beweismittel verfügbar. Mobiler Radarkasten, ein nicht ganz unauffälliger Apparat am Strassenrand. Der Hightechradar Trafistar SR 590 erfasst nicht nur Geschwindigkeiten, sondern auch ganze Verkehrssituationen, zum Beispiel unerlaubte Spurwechsel. Der Superradar kann überdies gleichzeitig 22 Fahrzeuge überwachen. Der rund 80'000 Franken teure Trafistar arbeitet mit der neusten 3-D-Radar-Technologie. Bei Video-Überwachungsanlagen handelt es sich um Geräte, die in zivilen Polizeiautos zum Einsatz kommen. Dabei werden die fehlbaren Lenker verfolgt. Zum System gehört nebst der verdeckt eingebauten Videokamera ein digitaler Tacho. Stationäre Überwachungsanlagen arbeiten in der Regel mit digitaler Fotografie. Bei konventionellen Starenkästen blitzt es in rötlicher Farbe, wenn Fahrzeuglenker zu schnell unterwegs sind. Teils werden die Blitzer schwenkbar montiert, um auch die Gegenfahrbahn überwachen zu können. Die Tempoüberwachung von Brücken aus auf Autobahnen erfolgt durch Piezosensoren, die in definierten Abständen in die Fahrbahnen eingelassen sind. Beim Überfahren erfolgt jeweils ein elektrisches Signal, das das Messgerät aufnimmt. Dieses System soll letztlich den Verkehrsfluss optimieren.

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Als Sonderfall setzt die Aargauer Kantonspolizei im Auftrag der Politik auf unerwartete Tempokontrollen mit einem Lasermessgerät. Fixe Radarkästen gibt es im Kanton nicht. Das Ziel ist, schwere Verkehrssünder aus dem Verkehr zu ziehen.

Im Aargau, einem Kanton mit hoher Autodichte und vielen Autobahnen, lauert kein einziger «Blechpolizist», um einen Verkehrssünder zu überführen. Stationäre automatische Verkehrsüberwachungsanlagen (AVÜ), wie die kostspieligen Hightech-Maschinen im Beamtendeutsch heissen, hat es im Rüebliland noch nie gegeben.

«Grössere Wirkung»

Die Polizei setzt auf den Überraschungseffekt bei Strassen, auf denen einige Fahrzeuglenker immer wieder gefährlich schnell fahren. «Mobile Kontrollen zeigen die grössere Wirkung als stationäre Anlagen», gibt sich der Bau- und Verkehrsdirektor Stephan Attiger (FDP) überzeugt.

Attiger sieht sich auf dem richtigen Weg. Er verweist auf die Tatsache, dass es im Aargau im Vergleich mit den Nachbarkantonen eine geringe Zahl von Unfällen und Verletzten gibt.

«Es tut sofort weh»

«Wir setzen den Fokus auf grobe Verkehrsverletzungen», sagt Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei. Die Polizei besitzt ein hochmodernes Lasermessgerät und zwei Radargeräte.

Bei einer Lasermessung an einer Ausserortsstrecke stehen insgesamt sechs Polizisten im Einsatz: Zwei bedienen das Lasermessgerät und je ein Zweierteam ist vor und nach dem Messstandort stationiert.

Ist ein Autolenker oder ein Motorradfahrer deutlich zu schnell unterwegs, so wird er gleich angehalten. Die Polizei überprüft die Personalien und die Fahrtüchtigkeit – und nimmt dem Lenker unter Umständen den Führerausweis ab.

«Es tut dann sofort weh und nicht erst, wenn zwei Wochen später ein Brief nach Hause kommt», betont Graser. Es kommt auch vor, dass der Fahrer zu Hause aufgesucht werden muss, weil er sich der Anhaltung zuvor entzogen hat.

Fast jeden Tag eine Kontrolle

Im Juni gab es 24 Kontrollen mit dem Lasergerät. Der schnellste Lenker fuhr 154 km/h – obwohl an der Messstelle nur 80 km/h erlaubt sind. Der Toleranzwert des Messgeräts beträgt 3 km/h. Es kam zu 39 Führerausweisentzügen und vor Ort wurden 19 Ausweise zu Handen des Strassenverkehrsamts abgenommen.

Liegt das Tempo ausserorts um 30 km/h über dem Limit, so kommt automatisch die Staatsanwaltschaft ins Spiel. Sie lässt das Auto vorsorglich beschlagnahmen. Mit einem Radargerät wurden im Juni in den Nachtstunden zudem neun Kontrollen gemacht. Ein Lenker fuhr auf der Autobahn 197 km/h schnell.

Aargauer Dauerbrenner

Bereits Ende der 1990er Jahren diskutierten die Politiker im Kantonsparlament «über ortsfeste, automatische Geschwindigkeitsradargeräte», wie es im Parlamentsprotokoll heisst. Der Grosse Rat lehnt es dann 2004 knapp ab, die Regierung die Hausaufgabe zu geben, die Einführung von «Blechpolizisten» zu prüfen.

Auch 13 Jahre später bleibt alles so, wie es ist: Im Aargau stehen keine fest installierten Radargeräte. Das hat das Parlament im Mai erneut bestätigt. Vor allem Kantonspolitiker von SVP und FDP wollen nichts von «Blechpolizisten» wissen. Es gehe um Verkehrssicherheit, eine Abzockerei wolle man nicht, lautet der Grundtenor. Die Kantonspolizei habe mit ihrer Taktik grossen Erfolg, betont SVP-Grossrat Martin Keller im Parlament: «Der Kanton Aargau ist bei der Biker-Szene am Wochenende nicht beliebt. Die fahren hier nicht gerne, weil sie nie wissen, wo die Anlagen stehen. In Zürich weiss man, wo die fest installierten Radaranlagen sind. Da kann man sich relativ gut anpassen.»

Den Gegenstandpunkt vertritt Jürg Caflisch, SP-Grossrat und Präsident der Aargauer Sektion des Verkehrsclubs der Schweiz (VCS). Die Überschreitung eines Tempolimits scheine ein Gentleman's Delikt zu sein. «Seit wann ist es Abzocke, wenn Verstösse gegen die Verkehrsregeln, die klar sind und in jedem Theorieunterricht gelehrt werden, geahndet werden?», gibt Caflisch zu bedenken.

Polizeichef stolpert über Radarfalle

Dass eine Radarfalle zuschnappen und zu einem Karriereknick führen kann, das hat ausgerechnet der frühere Chef der Aargauer Kantonspolizei, Stephan Reinhardt, erfahren. Im Sommer 2012 gab er seinen Rücktritt bekannt, weil er wegen Schnellfahrens seinen Führerausweis für ein halbes Jahr abgeben musste.

Reinhardt war 2011 privat im Auto unterwegs, in Zürich zu schnell gefahren – und von einem Radarkasten geblitzt worden. Er war nach eigenen Angaben der Meinung gewesen, es gelte 80 km/h und nicht 60 km/h als Höchstgeschwindigkeit. Bereits 2003 und 2007 hatte er den Ausweis für jeweils einen Monat abgeben müssen.

(kaf/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jacky am 14.08.2017 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bussen

    Wer sich an die Tempolimite haltet muss auch nicht zahlen. Aber mann könnte auch mal Bussen für zu langsames Fahren einführen, da käme auch recht Geld zusammen....

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  • Lena am 14.08.2017 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    Blitzer

    Finde ich sehr gut. Die gefährlichste Stelle im ganzen Kanton ZH ist meiner Meinung nach auf der A53 bei Volketswil. Plötzlich bremsen alle von 120 auf 80 runter, auch auf der Überholspur ohne Grund. Sehe immer wieder gefährliche Situationen wegen dieses Blitzers. Der Blitzer muss gutes Geld machen, schafft aber immer wieder haarsträubende Situationen, besonders für Auswärtige.

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  • Uschi am 14.08.2017 13:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blitzer

    Ja, ja der Überraschungs-Effekt, jetzt weiss ich warum ich noch nie ein Blitzer gesehen habe im Aargau. Alles klar, habe aber auch nie eine Busse bekommen, fahre wahrscheinlich doch brav wie es sich gehört. Schmunzel

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Cinan am 23.08.2017 07:44 Report Diesen Beitrag melden

    AG

    Die Aargauer bekämer eher Bussen für zu langsames Fahren. Wenn auf der Überholspur einer langsam fährt ists mit großer Wahrscheinlichkeit ein AG Kennzeichen

  • sara lia am 21.08.2017 14:47 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Busse seit 7 Jahren

    hmm...komisch... ich fahre seit 7 Jahren Auto und hatte noch nie eine Busse... Wenn man sich an die vorgegebenen Geschwindigkeiten hält passiert nichts wenn man an einem Blitzer vorbeifährt...ob der mobil ist oder fest montiert macht auch keinen Unterschied;-) und auch mir ist schon passiert, dass ich etwas zu schnell war...aber wenn man sich ein wenig achtet ist das kein Problem.

  • bubi ch am 18.08.2017 06:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheit

    da geht nicht nur um Sicherheit weil mit 10km keine Autofahrer ist Raser sonst um kasse. klar mit 10km mehr kann auch schlimmer passieren aber nicht auf Zone 80 oder 100 Arau besondere Kanton. hier geht nur um Geld. wenn auf Sicherheit geht sind in halb stund vor Ort,wen ums Geld geht in 2 Minuten vor Ort. dass ist System in der Schweiz nur ums Geld

  • Bernerin am 16.08.2017 17:24 Report Diesen Beitrag melden

    Das passt doch!

    Kanton AG; Nummernschild AG= Achtung Gefahr.. musste ja so sein... ;-) und die Strecke mag ich auch nicht, rücksichtslos und gefährlich!

  • gi_ann am 16.08.2017 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin überrascht!

    Surprise! Bin gestern auf meiner Alltagsstrecke reingefahren in eine Falle. Und dank der Skala tut die Busse echt weh - ich werde in Zukunft angepasst fahren (auch wenn an dieser Stelle Tempo 50 ein Witz ist)