Bundesverwaltungsgericht

14. Juli 2019 12:04; Akt: 14.07.2019 12:04 Print

Keine Armeewaffe wegen Schulhaus-Schlägerei

Von 31'000 Stellungspflichtigen galten letztes Jahr 214 als Risikofälle. Einem Aargauer wird deshalb die Armeewaffe verweigert, weil er sich als Jugendlicher geprügelt hatte.

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Ein angehender Rekrut aus dem Aargau darf keine Armeewaffe tragen. Eine Überprüfung hatte ergeben, dass er ein Sicherheitsrisiko darstellt und ein erhöhtes Gefährdungs- und Missbrauchspotenzial vorliegt.

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Er ist einer von 214 Fällen, in denen die Armee im letzten Jahr eine Risikoerklärung erlassen hat. Damit will man verhindern, dass Gewaltverbrechen mit Militärwaffen verübt werden. Beim Aargauer kam man zum Schluss, dass die Abgabe einer Waffe nicht zu empfehlen sei, schreibt CH Media.

Doch das liess der junge Mann nicht auf sich sitzen. Er wehrte sich bis vor dem Bundesverwaltungsgericht. Denn der Grund für den Entscheid der Armee liegt in der Vergangenheit des Mannes: 2017 beteiligte er sich an einer verabredeten Schlägerei auf einem Schulhausplatz. Zuvor hatten sich die Gegner im Streit per Whatsapp beschimpft. «Ich schlah dich z tod», habe der Aargauer etwa geschrieben. Hintergrund des Streits war eine Nachricht des Gegners an die Freundin des Beschuldigten via Facebook.

Straftat geschah während persönlicher Krise

Bei der Schlägerei traf der junge Mann seinen Kontrahenten mit mehreren Faustschlägen im Gesicht und verletzte ihn. Deswegen wurde er noch im gleichen Jahr wegen einfacher Körperverletzung, Beschimpfung und Verkehrsregelverletzung zu einem Freiheitsentzug von 10 Tagen bedingt und einer Busse von 150 Franken verurteilt, wie die Zeitung schreibt.

Deswegen wird der junge Mann nun nicht rekrutiert. Doch vor dem Bundesverwaltungsgericht erklärte er, dass er während der Straftat in einer vorübergehenden persönlichen Krise gesteckt habe. Aus dem damaligen Urteil habe er seine Lehren gezogen. Eine weitere Anzeige gab es weder vorher noch nachher.

Auch der Arbeitgeber und der Fussballclub, in dem der Aargauer spielt, stellten ihm ein gutes Zeugnis aus. Er sei pünktlich und zuverlässig, so sein Trainer.

Wehrpflichtersatzabgabe als einziger Nachteil

Doch das Gericht stellt sich auf die Seite der Armee. Im diese Woche veröffentlichten Urteil steht, dass zwar nicht jede Verurteilung oder jeder Eintrag ins Strafregister auch ein Sicherheitsrisiko bedeute. Doch Faustschläge ins Gesicht deuteten auf ein erhöhtes Gewaltpotenzial hin.

«Die Heftigkeit der Attacke zeigt sich an den erheblichen Verletzungen, die er seinem Opfer im Gesicht beziehungsweise an dessen Gebiss zufügte», zitiert CH Media aus dem Urteil. Zudem habe er die Tat wegen eines unbedeutenden Grundes begangen. Das Geschehene sei «zu gravierend».

Die Beschwerde wurde folglich als unbegründet erklärt und abgewiesen. Das öffentliche Interesse an der Verhinderung von Gewaltdelikten mit Militärwaffen sei stärker gewichtet als die Nachteile für den jungen Mann: «Mit Ausnahme der Tatsache, dass der Beschwerdeführer die Wehrpflichtersatzabgabe wird leisten müssen, sind jedoch für den Fall einer Nichtrekrutierung keine konkreten, ernsthaften Nachteile für ihn erkennbar und wurden auch nicht vorgebracht.»

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beobachter am 14.07.2019 12:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist ganz einfach!!

    Leute mit solchem Gewaltpotential dürfen keine Waffen haben, Punkt. Eine Todesandrohung per WhatsApp und eine organisierte Schlägerei sind keine Jugendsünden, sondern eine psychische Fehlentwicklung. Es gibt genug junge Leute, die das nicht haben und verantwortungsvoll mit einer Waffe umgehen können. Alleine schon der Umstand, dass sich jemand bis vor Bundesgericht dafür wehrt eine Waffe tragen zu dürfen spricht eine klare Sprache!!!

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  • Tara am 14.07.2019 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Recht so

    Man will heute die Konsequenzen seines Tuns nicht mehr tragen. Jeder meint er sei der Beste und Schuld sind immer nur die andern. Wo kommen wir hin, wenn eine Krise, die nun mal zum Leben gehört, ein Grund für Schlägereien und Drohungen ist?! Ich hoffe der junge Mann muss die Gerichtskosten selber tragen. Die Allgemeinheit soll von solchen Karakteren nicht belastet werden.

  • arno am 14.07.2019 13:24 Report Diesen Beitrag melden

    Konsequenzen

    Gut so, es braucht immer mehr Konsequenz, sonst landen wir schlussendlich im Chaos. Auch ein junger Mann muss begreifen, dass man sich einfach nicht alles leisten kann, oder dass man zumindest die Konsequenzen tragen muss. Konsequenz brauchte es allerdings auch bei grösseren Fällen, wo es um sehr viel mehr geht, vor allem auch im Bereich von Management.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Meerschweinchen am 16.07.2019 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    HD Läppli

    Warum hat man ihn nicht als HD in die Küche gestellt? Dann könnte er seinen Militärdienst auch ohne Waffe absolvieren.

  • Tim am 14.07.2019 22:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aktion Reaktion

    Ich muss zahlen und habe die Rs schon absolviert. Ich wurde entlassen weil ich zum 2 mal das Kreuzband gerissen habe. Das ist sehr bitter.

  • hgidl am 14.07.2019 21:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut so!!

    Das ist gut so, solchen Personen darf man keine Waffen anvertrauen!

  • Cocitoni am 14.07.2019 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Armee abschafen

    Besser ist es doch die Armee ganz abzuschafen. Reine Geldverschwendung. Sieht man ja jetzt mit der Munition die viel Gekostet hat und jetzt Entsorgt werden muss.

    • Suter Fridel am 15.07.2019 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Cocitoni

      Ich bin auch dafür, dass die Armee abgeschafft wird. Jedoch erst, wenn alle anderen Länder die Armee abgeschafft haben.

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  • Dr.Tell am 14.07.2019 18:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schütze

    Gut so! Sonst hätte er bei der nächsten Lebenskrise ein Gewehr zu Hause... Waffen gehören nur in die Hände von nicht vorbestraften, verantwortungsbewussten Leuten.