Verkehr anno dazumal

30. Dezember 2011 22:02; Akt: 31.12.2011 08:31 Print

Keine Hiebe dank Velovignette

Mit dem 1. Januar 2012 hat die Velovignette ausgedient. Sie war vor rund 120 Jahren eingeführt worden, um Ordnung zwischen Kutschern, Fussgängern und Velofahrern zu schaffen.

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Die Luzerner gelten als Erfinder der Velonummer, da dort das Durcheinander auf den Strassen besonders gross gewesen sein muss. (Bild: Keystone)

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In wenigen Tagen ist die Velovignette Geschichte. Rund 120 Jahre lang war die Schweizer Eigenheit ein Sinnbild für Ordnungsliebe und Kantönligeist. Erfunden wurde sie, um das Velo-, Kutschen- und Fussgängerchaos auf den Strassen einzudämmen.

In den 1890er-Jahren muss auf Schweizer Strassen ein ziemliches Durcheinander geherrscht haben: Kutscher, erste Automobile, Fussgänger und Velofahrer kämpften auf nicht-asphaltierten, staubigen Strassen um Vortritt. Verkehrsregeln gab es keine.

Die Folge waren zahlreiche Auseinandersetzungen, vor allem zwischen Kutschern und Velofahrern. Letztere waren dank der Erfindung des rücken- und hinterteilschonenden Luftpneus plötzlich in Massen unterwegs. Das Velo entwickelte sich zum Volksfahrzeug - unterstützt vom Touring Club Schweiz TCS, der sich damals ausschliesslich für die Rechte der Velofahrer einsetzte.

Es sei anzunehmen, dass die Velofahrer öfters mal eine Geissel zu spüren bekommen hätten, sagte This Oberhänsli, Konservator am Verkehrshaus Luzern. Der Vedrängungskampf auf den Schweizer Strassen sei wohl beträchtlich gewesen.

Luzerner gelten als Erfinder

Um die Verkehrsteilnehmer nicht dem Gesetz des Stärkeren zu überlassen, führten die Kantone schliesslich Verkehrsregeln und Nummernschilder ein. Mit den Metallschildern, die ab 1906 zumindest für Autos obligatorisch wurden, konnten alle Verkehrsteilnehmer im Falle eines Unfalls identifiziert werden.

In welchem Jahr die ersten Velonummern angeschraubt und wann sie obligatorisch wurden, ist historisch nicht belegt. Die Geschichte des Velos sei immer etwas nebenher gelaufen, sagte Oberhänsli. Bis heute gebe es leider keine gesicherten Daten und viel zu wenig entsprechende Forschung.

Als Erfinder der Velonummer gelten aber die Luzerner - wohl weil das Durcheinander auf den dortigen Strassen wegen des wachsenden Tourismus und den vielen Hotelfahrzeugen besonders gross war.

1988 durch Selbstklebe-Etiketten ersetzt

An der Velonummer erkenne man gut die Schweizer Ordnungsliebe und das Bedürfnis, mit Schildern und Regeln etwas zu kontrollieren, sagte Oberhänsli weiter. Bis heute verfügt kein anderes Land über ein vergleichbares Versicherungssystem für Fahrräder, wie es die Schweiz mit der Vignette.

Die Velonummer steht aber auch für den typischen Schweizer Kantönligeist. Während rund 60 Jahren entwarfen alle Kantone ihre eigenen Nummern, wobei Farbgestaltung und Formen jedes Jahr variierten. Erst in den 1960er-Jahren konnte man sich auf die Form eines hochkanten Rechtecks einigen.

Es sollte bis Ende der 1970er-Jahre dauern, bis man sich auf die gemeinsame Grundfarbe rot einigte. Im Jahr 1987 wurden die letzten Metallschilder ausgestanzt. Aus Kostengründen wurden die Vignetten ab 1988 in Form von Selbstklebe-Etiketten verkauft. Für viele Sammler ein herber Schlag, da diese kaum emotionalen Wert hatten.

Das Verkehrshaus der Schweiz in Luzern besitzt eine Sammlung von rund 650 Nummernschildern. Die aktuellsten Schenkungen werden nun anlässlich des Vignetten-Endes in die Ausstellung aufgenommen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mathias am 02.01.2012 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    90% sind Privathaftpflichtversichert?

    Wer setzt eigentlich solche Fantasiezahlen in die Welt? Vielleicht ist das bei den "rechtschaffenen" Leuten der Generation 50+ noch der Fall, die ja bekanntlich über- oder mehrfachversichert sind. Bei den Jüngeren sieht es dagegen ganz anders aus; da hat bestenfalls vielleicht jeder Zweite eine Privathaftpflicht. Viele kapieren nicht einmal, auf welches Produkt die lustige Mobiliar-Werbung abzielt. Ganz zu schweigen von den vielen Jungen, die mit ihren Luxusschlitten auf dicke Hose machen, aber nur die obligatorische Haftpflicht zahlen und sich die Kasko sparen.

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  • Rama am 30.12.2011 23:44 Report Diesen Beitrag melden

    Schade.

    Schade wird die Vignette abgeschafft. Ich weiss leider nicht, ob ich jetzt noch versichert bin, wenn ich nur Haftpflicht habe. 5.- habe ich wirklich gerne bezahlt. Ich hab schon gehört, dass eine Versicherung fürs Velo so wie sie die Vignette war um die 50.- aufwärts pro Monat sei. Ich hoffe, das stimmt nicht. Denn sonst muss ich jetzt wohl ohne Versicherungsschutz umherfahren.

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  • Martha Keller am 30.12.2011 23:49 Report Diesen Beitrag melden

    Aber wer bekommt eine Nummer?

    Aber die Schlitten bekommen ja bald Nummern. Nach dem Schlitteleignungstest, kommt der Schlittelfüherschein und die Schlittennummer.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Karl Winter am 02.01.2012 18:01 Report Diesen Beitrag melden

    Unsinn

    Wenn man bedenkt wieviel Gelder in "Velogerechte" Strassenverkehrsmassnahmen gebuttert werden in den Städten, so wäre eine jährliche Vignette von 100.- wohl eher angebracht. Ausserdem glaube ich nicht an meine Vorredner hier dass die meisten Velofahrer wirklich Privat-Haftpflicht versichert sind. Wer am Verkehr teilnimmt soll auch zahlen!

    • roger am 02.01.2012 19:36 Report Diesen Beitrag melden

      Steuern....

      schon mal davon gehört? Jedes Jahr wieder. Wer genau bezahlt die Kantons-, Gemeinde und Quartierstrassen? Etwa der Autofahrer? Sorry, falls Du dies denkst, dann denkst Du falsch.

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  • Belgier am 02.01.2012 16:53 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Eigenheit?? Sicher nicht!

    Ich bin in den 80er und 90er Jahren in Belgien aufgewachsen und erinnere mich noch bestens an die Belchnummern in verschiedenen Formen und Farben, die wir jedes Jahr am Ende der Vordergabel an der Schraube für das Frontschutzbelch angebracht haben: mal rund, mal drei-, mal sechs-eckig, in blau, gelb, grün Die Velonummer ist definitiv keine Schweizer Eigenheit! Vielmehr beweist diese Aussage einmal mehr, wie wir uns für speziell halten, ohne auch nur einen kleinen Blick über unsere Nasenspitze hinaus zu tun. Im Moment erscheint mir v.a. dies die eine, definierende Schweizer Eigenheit zu sein!

  • Mathias am 02.01.2012 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    90% sind Privathaftpflichtversichert?

    Wer setzt eigentlich solche Fantasiezahlen in die Welt? Vielleicht ist das bei den "rechtschaffenen" Leuten der Generation 50+ noch der Fall, die ja bekanntlich über- oder mehrfachversichert sind. Bei den Jüngeren sieht es dagegen ganz anders aus; da hat bestenfalls vielleicht jeder Zweite eine Privathaftpflicht. Viele kapieren nicht einmal, auf welches Produkt die lustige Mobiliar-Werbung abzielt. Ganz zu schweigen von den vielen Jungen, die mit ihren Luxusschlitten auf dicke Hose machen, aber nur die obligatorische Haftpflicht zahlen und sich die Kasko sparen.

    • franz am 02.01.2012 16:38 Report Diesen Beitrag melden

      @ ü65

      Also ich bin auch noch Jung und kenne kaum jemanden der die Haftpflicht NICHT hat. Spätestens bei der ersten eigenen Wohnung hat die doch fast jeder CH-Bürger ob jung oder alt.

    • Roland Radler am 02.01.2012 17:38 Report Diesen Beitrag melden

      Mehrfachversicherung

      Die Privathaftpflichtversicherung wird pro Haushalt und nicht pro Person abgeschlossen, meist im Kombi mit der Hausratversicherung. Mit der Abschaffung der Velovignette wird für 90% aller Haushalte genau diese Über- und Mehrfachversicherung abgeschafft. Etliche Velovignetten-Verweigerer sind somit ab diesem Jahr dank dieser Systemänderung nun eben doch versichert. Wonach suchen die Vignetten-Nostalgiker eigentlich genau?

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  • Erwin B. am 02.01.2012 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Politik

    Die Vignette sollte bestehen bleiben und auf min. Fr. 50.00 erhöht werden. Wenn die Kosten- Nutzenrechnung für die Velofahrer gemacht würde, wäre dies dennoch nur einen Tropfen auf einen heissen Stein. Aber eben da muss LUXUS und erst noch Kostnlos für die Velofahrer her. Also schafft doch auch sofort die Autovignette ab = Ehrlich !!

    • Mathias am 02.01.2012 15:46 Report Diesen Beitrag melden

      Ähm...

      Die Velovignette ist ein Versicherungsnachweis, die Autobahnvignette hingegen der Ausweis für eine kostenpflichtige Benutzungsberechtigung. Das haben Sie beim Verfassen Ihres Beitrages wohl nicht bedacht.

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  • Hai max am 02.01.2012 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    War gut so!

    Ich habe das ALU-Veloschild und die Versicherung und die Registrierung über die Nummer dazumals als etwas Cleveres empfunden. 1.war ich Versichert. 2. wurde mir das Velo zurückgegeben als es wiedergefunden wurde. 3. war auch jeder andere Velofahrer versichert, was heute nicht mehr immer der Fall ist.