Weihnachtsgrüsse aus Libyen

28. Dezember 2009 12:19; Akt: 28.12.2009 12:29 Print

Kerzenaktion sorgt für einen «Hoffnungsschub»

Die Solidaritätsaktion für die beiden Schweizer Geiseln in Tripolis wurde offenbar auch von den libyschen Behörden bemerkt. Nun hofft Amnesty International auf vermehrte Aufmerksamkeit aus dem benachbarten Ausland. Derweil senden die Libyer Weihnachtsgrüsse der speziellen Art ans EDA.

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Die Solidaritätsbewegung für die in Libyen festgehaltenen Schweizer nimmt Formen an: Über 14 000 virtuelle Kerzen brennen für Max Göldi und Rachid Hamdani. Bis zum zweiten Weihnachtstag seien mehrere hundert «Auf bald in der Schweiz!»-Postkarten in der Schweizer Botschaft in Tripoli angekommen, mehrere Tausend befinden sich laut Amnesty International Sprecher Daniel Graf noch auf dem Weg.

Die Solidaritätswelle hat sich offenbar auch im offiziellen Tripolis bemerkbar gemacht. «Wie uns mehrfach zugetragen wurde, haben die libyschen Behörden die Solidaritätsaktion der Schweizer Bevölkerung in Gesprächen erwähnt», sagt Graf zu 20 Minuten Online. Nun hofft Amnesty International auf das Ausland: Je mehr Menschen international auf die Situation der beiden Schweizer in Libyen aufmerksam würden, desto grösser werde der Druck auf die libysche Regierung.

Doch die Aktion an sich habe ihr wichtigstes Ziel in der Weihnachtszeit erreicht: Die Solidaritätswelle habe einen «Hoffnungsschub» bei Max Göldi und Rachid Hamdani ausgelöst. «Kontakt zu Aussenwelt haben sie sonst nur über ihre Anwälte», erklärt Graf. Hamdani und Göldi bedankten sich in einer Weihnachtsbotschaft bei den Schweizern für ihre Solidarität.

Sündenregister zu Handen des EDA

Derweil hat die libyschen Regierung ihrereseits «Weihnachtsgrüsse» der speziellen Art an die Schweiz adressiert (20 Minuten Online berichtete). Das Aussenministerium schaltete am 24. Dezember auf seiner Homepage ein Sündenregister auf, das sich die Schweizer Behörden bei der Verhaftung von Hannibal Gaddafi und der daraufhin sich immer weiter zuspitzenden diplomatischen Krise angeblich zu Schulden kommen liessen.

«Die Libyer sind ungeduldig. Sie listen die Gründe auf für die Verschärfung der Situation», kommentierte Hasni Abidi, der Leiter des Genfer Forschungszentrums für arabische Länder (CERMAM) diesen Schritt gegnüber der Nachrichtenagentur SDA. Abidi hatte das vierseitige Schreiben aus der Website des libyschen Aussenministeriums entdeckt. Adressiert ist das Sündenregister an das EDA. An der Zuspitzung der Affäre seien alleine die Schweizer Behörden schuld, hiess es im Schreiben.

Zünden Sie eine Kerze an und schicken Sie Rachid Hamdani und Max Göldi eine persönliche Nachricht nach Libyen. Sie können auch auf dem Postweg eine Karte an Rachid Hamdani und Max Göldi nach Tripolis schicken.

(kbr)