Streit um Medizin-Hanf

14. Januar 2015 17:10; Akt: 14.01.2015 17:10 Print

Kiffen gegen Schmerzen – 100 Franken Busse

Weil eine MS-Kranke zur Linderung ihrer Schmerzen Hanf angebaut hatte, wurde sie zu einer Geldstrafe verurteilt. Der medizinische Einsatz sei nicht erlaubt.

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Marie-Claude Massandy-Kaech will, dass Cannabis für medizinische Zwecke erlaubt wird. (Bild: Keystone/edi Engeler)

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Die 46-jährige Marie-Claude Massandy-Kaech aus Romont FR leidet an Multipler Sklerose. Um die Muskelkrämpfe und die Schmerzen zu lindern, begann sie Cannabis zu rauchen. Es sei ein deutlich wirksameres Arzneimittel als jene, die ihr offiziell verschrieben wurden, sagt sie zur Zeitung «La Liberté». Denn diese hätten kaum gegen die Schmerzen geholfen. «Ich hatte schreckliche Krämpfe und konnte nicht länger als anderthalb Stunden am Stück liegen.» Die Medikamente hätten zudem starke Nebenwirkungen hervorgerufen: «Ich litt an einer Harnverhaltung und hatte Angstzustände.»

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Deshalb sei sie irgendwann auf Cannabis umgestiegen. Sofort seien die Schmerzen verschwunden, erklärt sie. Das Kiffen habe keine Nebenwirkungen hervorgerufen. «Ich brauchte auch keine Schlaftabletten mehr.»

Busse war symbolisch gedacht

Nachdem sie sich den Hanf eine Zeit lang auf der Strasse besorgt hatte, begann Massandy-Kaech selbst anzubauen. Das rief allerdings die Polizei auf den Plan. Die sechs Pflanzen auf ihrem Balkon wurden auf der Stelle von den Beamten konfisziert und vernichtet. Wegen Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz erhielt sie eine Busse von 100 Franken.

Doch Massandy-Kaech wollte für den medizinischen Zweck von Cannabis kämpfen und legte eine Beschwerde ein. Der Richter liess sich jedoch nicht umstimmen. Gesetz sei Gesetz, hat er ihr gestern bei der Urteilsverkündung erklärt. Im Übrigen habe der Staatsanwalt die Krankheit berücksichtigt. Die Geldstrafe sei deshalb vorwiegend symbolisch gemeint. «Wir können die Busse wirklich nicht tiefer ansetzen», pflichtete auch der Richter bei.

«Ich will für die Leute kämpfen»

Nach diesem Urteil hat sich die 46-Jährige nun entschlossen, ihre Beschwerde nicht weiterzuziehen. Sie habe sie aus Prinzip eingereicht, erklärte sie der Zeitung. Zudem benutze sie seit Anfang Jahr ganz legal einen teuren Cannabis-Spray, der von der Krankenkasse bezahlt wird.

Trotzdem gibt Massandy-Kaech nicht auf: «Nicht jeder hat diese Möglichkeit», bedauert sie. Damit die Krankenkasse den Spray bezahlt, brauche es eine Zusatzversicherung. Man dürfe nicht vergessen, dass es betagte Leute gebe, die das Cannabis auf der Strasse kaufen müssen. «Für diese Leute will ich kämpfen und die Öffentlichkeit über das Problem informieren.»

Keine Lösung in Sicht

Massandy-Kaech hofft, dass medizinisch verschriebenes Cannabis eines Tages in Apotheken erhältlich sein wird. «Sich den Hanf auf illegale Weise zu beschaffen, verursacht ein enormes Schuldgefühl. Das ist für kranke Menschen viel Stress und Aufregung.»

Immer wieder versuchen Befürworter in der Schweiz, Marihuana zumindest teilweise zu legalisieren. Im vergangenen Jahr wurde über Clubs diskutiert, in denen Hanf legal, jedoch in begrenzten Mengen abgegeben werden dürfe. Auch die Abgabe für medizinische Zwecke wird immer wieder thematisiert. Eine Lösung ist bisher jedoch noch nicht in Sicht.

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gunner am 14.01.2015 17:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte aufwachen

    Wacht doch endlich mal auf. LEGALIZE IT!

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  • FREDI am 14.01.2015 17:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    rollt den blunt!

    kiffen sollte legalisiert werden. wer will der kifft- so ist das. der staat könnte so viel geld einnehmen und das geld zur bekämpfung besser nutzen. ich bin fest überzogen dass sich die gesunheitlichen folgen. handfeste statistiken könnten erhoben werde und und und. ich sehe nur vorteile!

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  • Dashalt Ichimkop Fnichtaus am 14.01.2015 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    Ist das sinnvoll

    Typisch Paragraphen Reiter! Da will sich jemand selbst helfen und was macht der Staat? Erzwingt höhere Kosten bei den KK und ist somit mitverantwortlich für Prämienerhöhungen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Godi Haueter, Esparza/Costa Rica am 16.01.2015 00:26 Report Diesen Beitrag melden

    Ich verstehe nicht...

    ...warum eine der ältesten Kulturpflanzen des Menschen als ilegal gilt. Diese wundervolle und auch sehr schöne Pflanze würde viele Probleme auf dieser Welt lösen. Man kann Papier, Stricke, Kleider und vieles mehr herstellen. Abgesehen vom medizinischen Wert! Aber wahrscheinlich ist sie darum verboten weil die Farmazeutische Industrie zusammenbrechen würde wenn jeder seine eigene Apotheke im Garten hätte.

  • solexli am 15.01.2015 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    Unterscheiden

    Cannabis hilft bei fast allen Krampfartigen Erkrankungen, wie MS, Migräne, Monatsregel usw sowie in der Krebstherapie (gibt noch viele Krankenbilder). Wichtig dabei ist einfach die Dosierung. Outdoor-Pflanzen haben grundsätzlich einen tieferen THC Wert wie Indoor und lassen sich auch besser Dosieren. Solange die Medikamenten-Industrie und die Swissmedic sich vereinigen wird sich auch an einer Zulassung nichts ändern. Dabei wäre genau Cannabis Eigenanbau für die Krankenkasse eine finanzielle Entlastung.

    • Weedyman am 15.01.2015 19:00 Report Diesen Beitrag melden

      CBD-Extrakt

      Es gibt legales Hanföl mit 2%CBD und 0.5%THC aus schweizer Produktion zu kaufen, google einfach nach CANNAXTRACT ;-) Sehr zu empfehlen ist auch das Buch "Hanf Heilt" von "Potfather" Wernard Bruining. Peace!

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  • Kuno am 15.01.2015 16:25 Report Diesen Beitrag melden

    Natur der Sache....

    Eigentlich hätten die Kiffer alle (!) Argumente auf ihrer Seite, um politisch endlich mal was zu machen... Aber ja, sind halt Kiffer, das dauert ein wenig ;o)

  • Cellius am 15.01.2015 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Sinn bei CH Politikern

    Ach geben wirs doch auf, wir haben zu viele komplett ahnungslose Politiker welche ohne sich zu informieren über Cannabis wettern/verhindern als dass das jemals was wird. Man hat scheinbar lieber wenn die eh schon durch massiv überteuerte Medikamente unserer ach so Steuerkräftigen Pharmariesen, überforderte Krankenkasse belastet wird als dass man sich über medizinisch eingesetztes Cannabis Gedanken macht.

  • Gerber am 15.01.2015 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    Marijuana

    Ich habe die längste Zeit gekifft, aber erst jetzt wo ich nicht mehr kiffe merke ich wie unzumutbar der Geruch dieses Mittelchen ist, darum bin ich unterdessen gegen Gras.

    • Verdampfer am 15.01.2015 18:53 Report Diesen Beitrag melden

      schlechter Geruch nur beim rauchen

      und das ist auch die denkbar ungünstigste Art des Konsums. Vaporiser sind mir da deutlich lieber denn die Ausbeute ist besser, die Dosierung einfacher und Verbrennungsrückstände inhaliert man auch keine. Ausserdem kann man je nach Gerät die Temperatur sehr fein einstellen und einen Geschmack erleben der wahrlich ein Genuss ist. Ach ja, den süchtig machenden Tabak spart man sich dabei komplett.

    • Royal Nepalese am 15.01.2015 19:16 Report Diesen Beitrag melden

      @Verdampfer

      Leider funktionieren die Geräte nicht wirklich mit Haschisch. Da sei zur Schadensmilderung nikotinfreier Tabak-Ersatz empfohlen.

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