Mehr Unfälle pro Jahr

13. September 2016 11:16; Akt: 13.09.2016 11:16 Print

Kinder verletzen sich beim Spielen mit Laserpointern

Weil die Eltern die Gefahr nicht kennen, kaufen sie ihren Kindern illegale Laserpointer. Dabei kommt es auch zu irreparablen Augenschäden. Ärzte und Experten sind alarmiert.

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Kinder spielen mit Laserpointern und verletzen sich dabei. Oft werden die Augenschäden dauerhaft geschädigt. (Bild: Fotolia)

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Laserpointer-Attacken auf Piloten, Zugfahrer und Tramführer sind in der Schweiz ein grosses Problem. Die Verkehrsbetriebe Zürich haben eine Kampagne dazu lanciert. Und im Parlament wird über ein Gesetz diskutiert, das die Bevölkerung besser vor Gesundheitsschäden durch diese Strahlung schützen soll.

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Zu ernsthaften Verletzungen kommt es aber vor allem bei Kindern und Jugendlichen, die sich mit solchen Laserpointern aus nächster Nähe ins Auge leuchten. Dies berichten Forscher einer Augenklinik aus Minneapolis. Sie präsentierten in einem Fachblatt vier Fallbeispiele, bei denen alle 9- bis 16-Jährigen bleibende Schäden davontrugen.

So entwickelte ein 12-Jähriger kurz nachdem er in den Strahl eines Pointers geschaut hatte, auf beiden Augen einen zentralen Gesichtsfeldausfall. Auch sieben Monate später konnte er immer noch nicht scharf sehen, schreibt die Deutsche «Ärzte-Zeitung

Gefährliche Verletzungen bei Kindern

Unfälle mit Laserpointern nehmen auch in der Schweiz zu, wie die Zahlen der Suva zeigen: 2012 hatte die Versicherung 46 Personen registriert, die sich auf diese Weise verletzten, 2013 waren es bereits 60 und ein Jahr später kam es zu 78 Unfällen. Roland Krischek, Strahlenschutzexperte bei der Suva, warnt: «Solche Geräte gehören keinesfalls in Kinderhände.» Wie viele Minderjährige jährlich durch Laserpointer verletzt werden, wird in der Statistik nicht aufgeführt.

Petros Ioannou, Ärztlicher Leiter von Swiss Medi Kids, bestätigt allerdings, dass in Fachkreisen immer häufiger Fälle von Kindern und Jugendlichen besprochen werden, die sich beim Spiel mit Laserpointern gefährliche Verletzungen zuziehen. «Die Dunkelziffer wird grösser und grösser, da sich nicht alle beim Arzt melden und das Beschaffen illegaler Laserpointer im Internet einfacher wird.»

Laut Anja Palmowski-Wolfe, Leitende Ärztin in der Augenklinik des Unispitals Basel, kommt es meist aus Versehen zu solchen Verletzungen. «Viele Eltern sind sich der Gefahr der Laserpointer nicht bewusst und lassen ihre Kinder damit spielen.» Kinder seien naturgemäss neugierig, da sei es logisch, dass sie – vom Licht fasziniert – auch mal direkt in den Strahl schauten. Selten passieren Unfälle auch im Streit. «Der eine blendet den anderen und weiss nicht, was er damit anrichten kann.»

Ein Leben lang beeinträchtigt

Oftmals entspricht die auf dem Pointer angegebene Stärke nicht der tatsächlichen Wattzahl. «Vor allem bei jenen, die man im Internet bestellt, kann der Wert um das Zehnfache überschritten werden», so Palmowski-Wolfe. Doch auch bei einem in der Schweiz zugelassenen Laserpointer mit der maximalen Leistung von 1 Milliwatt empfehle es sich nicht, direkt in den Strahl zu blicken.

«Die Schäden können gravierend und irreparabel sein. Das ist, wie wenn Sie zu lange in eine Sonnenfinsternis schauen.» Auch wer sein Auge zu lange einem Laserpointer-Strahl aussetze, könne in seiner Sehfähigkeit ein Leben lang beeinträchtigt sein. «Die Sehzellen gehen kaputt – das heisst die Netzhaut und je nachdem sogar die darunterliegende Aderhaut können beschädigt werden», sagt Palmowski-Wolfe. Im schlimmsten Fall sehe man danach alles nur noch verschwommen.

In harmlosen Fällen, bei denen der Betroffene nur kurz in den Strahl geblickt hat, hilft Kortison. Es sei ähnlich wie bei einer Wärmeverletzung, die Entzündung oder Schwellung müsse abklingen. Palmowski-Wolfe warnt: «Laserpointer sind keine Spielzeuge und für die Augen äusserst gefährlich. Sie gehören schlicht nicht in die Hände von Kindern.»

Viele Geräte mit zu hoher Leistung im Umlauf

Laut Peter Blattner, Laborleiter Optik beim Bundesamt für Metrologie, sind das Hauptproblem bei den Verletzungen unter Kindern die vielen Geräte, die mit viel zu hoher Leistung im Umlauf sind. Bei einem Augenkontakt mit einem Gerät von 20 oder 50 Milliwatt sei oft nichts mehr zu machen.

Viele Familien gingen mit den Kindern in den Ferien auf den Markt und kauften ihnen dort Laserpointer mit viel hoher Wattzahl. «Das Kind versucht das ‹Spielzeug› anzuschalten – der Strahl leuchtet vielleicht nicht sofort – das Kind blickt also oben rein, um zu schauen, was los ist, und schon ist es passiert», so Blattner. Extrem viele Leute wüssten nicht, wie gefährlich Laserpointer seien. «Und das muss sich ändern.»

Der Ständerat hat das neue Gesetz bereits angenommen, das nicht nur die Einfuhr oder Abgabe für besonders gefährliche Laserpointer verbietet, sondern auch deren Besitz strafbar macht. Nun liegt die Vorlage beim Nationalrat.

(tab)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fragezeichen am 13.09.2016 11:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragezeichen

    Wozu braucht ein Kind einen Laserpointer? Wie spielt man mit einem Laserpointer?

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  • Mike am 13.09.2016 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Unnötige Gefahr

    Gehört verboten. Es kann doch nicht sein, dass mit so einem "Spielzeug" jemand erblinden kann. So einen starken Laserpointer braucht kein Mensch.

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  • Präsentator am 13.09.2016 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    nur für Erwachsene und nur mit Schloss

    Ich habe ein etwas stärkeres Modell gekauft, damit der Pointer auch bei einer Präsentation auf Grossbildschirm Sinn macht. Niemals würde ich diesen Pointer einem Kind geben und niemals liesse ich diesen Pointer unabgeschlossen liegen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Vater von vier Kids am 14.09.2016 00:28 Report Diesen Beitrag melden

    Am Strand

    Diesen Sommer mussten wir unsere Kinder vom Spielplatz am Strand "evakuieren". Lasergeräte waren der Renner bei den Strandverkäufer (Jesolo). Unglaublich wie viele Eltern dort ihren Kids ein solches Gerät kauften und/oder unbeaufsichtigt damit spielen liessen. Aufklärung/Verantwortung tragen gehört auch hier zur Früherziehung/Elternpflicht!

  • mike tosh am 13.09.2016 23:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    witzregierung

    die Dinger sind gefährlich, verletzen Ungemein stark, und können zu extremen Unfällen führen. Und warum werden diese nicht verboten. Achtung jetzt kommts; weil es in der EU nicht verboten ist. Das kann ich nicht mehr nachvollziehen liebe VOLKSVERTRETER.

  • P.Eter am 13.09.2016 23:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sammlung

    Ich habe eine Laserpointersammlung, es wäre ziemlich blöde für mich wenn sie verboten werden. Es ist halt kein Spielzeug, darum sollten Kinder auch keinen Zugang dazu haben

    • Trixx am 14.09.2016 07:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @P.Eter

      Können Sie mir erklären wieso man die Dinger überhaupt braucht ?

    • HomerJ am 14.09.2016 11:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Trixx

      Man kann viele interessante Experimente damit machen. Man könnte die starken Pointer einfach dem Waffengesetz unterstellen. Also nur mit Erwerbsschein einen kaufen können. Da hätten alle was davon, denn nicht jeder Depp könnte sich einen besorgen und sie wären nicht verboten für Leute die damit normal umgehen.

    • Trixx am 14.09.2016 13:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @HomerJ

      Was für Experimente zum Beispiel? Ich verstehe nicht was "Otto Normalverbraucher" mit einem Laserpointer zu experimentieren hat.

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  • Agent 007 am 13.09.2016 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mit 10 Jahren

    ich hatte mit 10-12 jahren auch Laserpointer aber in die Augen strahlen ???? nicht mit normaler Menschenverstand !!! es steht fast auf jedem Laser Fett Achtung nicht in die Augen strahlen oder auf english halt danger Meldung.

    • Peter Schneider am 14.09.2016 03:26 Report Diesen Beitrag melden

      Wozu?

      Wozu? Für Vorträge? Der Laserpointer war im Grund genommen völlig sinnlos. Ob das Kind die Gefahren versteht ist ja egal. Jeder Laserpointer ist per se eine Gefahrenquelle. Auch in den Händen von Erwachsenen.

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  • Laserschutzbeauftragter am 13.09.2016 21:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht für jede

    Ich möchte behaupten,dass die Mehrheit der Beditzer von starken Pointer keine Ahnung haben was sie in den Händen halte. Starke Laser gehören alle nur in die Hände von sachkundigen Anwendern. Ich melde auch regelmassig alle starken Pointern welche ich zum Kauf finde in der Schweiz. Da der Verkauf bereits verboten ist wenn er nicht der Laserklasse 1 und bedingt 2 entspricht. Jann man selbst beim BAG nachlesen.