Anreize schaffen

21. Januar 2019 10:44; Akt: 21.01.2019 18:05 Print

Kinderkrippen und andere Kleidung für Soldatinnen?

Die Armee will mehr Frauen anlocken. Dafür müsste sie einiges verändern, sagen Politikerinnen und Frauen, die selbst Dienst leisteten.

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Frauen meiden das Militär. Das zeigen die neusten Zahlen zu den am Montag eingerückten Rekruten. Von insgesamt 11’200 sind lediglich 120 Frauen. Zu wenig, findet die Armee. «Ich denke, dass wir 10 Prozent Frauen anstreben müssten. Das erachte ich als realistisches Ziel», sagte der für die Ausbildung der Armee zuständige Korpskommandant Daniel Baumgartner gegenüber «10vor10».

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Kinderkrippen schaffen

Um die Armee für Frauen noch attraktiver zu machen, könnten Kinderkrippen eine Möglichkeit sein.«Kinderkrippen sind nötig, um mehr Frauen ins Militär zu locken», findet die ehemalige Infanteriesoldatin Orphelia. Es sei schwierig, Militär und Familie unter einen Hut zu bringen. Diese Option sollte aber auch für Männer angeboten werden, findet Michelle.

Stefan Holenstein, Präsident der Schweizerischen Offiziersgesellschaft, glaubt, dass es für Frauen bereits viele Anreize gebe, ins Militär zu gehen. Doch: «Wenn bedeutend mehr Frauen Militärdienst machen, könnte sicherlich Handlungsbedarf in Bezug auf Kinderkrippen aufkommen», so Holenstein. Die Armee sei flexibel genug, zusätzliche, günstige Voraussetzungen, inklusive Kinderkrippen, zu schaffen.

Weniger Vorurteile und Sexismus

20-Minuten- Layouterin Stella ist eine der wenigen Frauen, die Militärdienst leistete. «Ich wollte schon immer ins Militär.» Sie habe sich von Anfang an wohlgefühlt. «Ich wurde in meiner Truppe schnell akzeptiert.» Zu Problemen sei es erst gekommen, nachdem ihre Truppe mit einer anderen Kaserne zusammengelegt worden war. «Es gab sexistische Sprüche», erinnert sie sich. Das sei nicht schön gewesen. Doch einige ihre männlichen Kollegen hätten sie in Schutz genommen. Um das Militär attraktiver für Frauen zu machen, sollte man Männer besser darauf schulen, dass blöde Sprüche nicht in Ordnung seien, schlägt Stella vor.

Michelle, Oberleutnant in der Richtstrahl-RS, sieht es ähnlich. Obwohl sie selber eine gute Zeit gehabt habe, könne sie sich gut vorstellen, dass Vorurteile à la «Kampflesbe» und «Bettgspändli» abschreckend seien. «Viele Frauen wollen sich das einfach nicht antun», sagt sie.


Attraktivere Kleidung für Frauen

Auch künftig gibt es bei der Armee Unisex-Uniformen – einzig bei der Unterwäsche gibt es spezielle Schnitte, die auch Frauen passen. Oberleutnant Michelle sagt: «Ich habe die Bekleidung bequem gefunden, doch der Stoff könnte auf der Haut etwas angenehmer sein.» Aktuell sei er etwas rau und kratzig, was das Tragen unangenehm mache. Auch die SVP-Nationalrätin Yvette Estermann sieht Verbesserungspotenzial bei der Armee: «Angepasste, bequemere und attraktivere Kleidung wäre sicher von Vorteil, wenn man sich ernsthaft um Frauen sorgt», sagte sie gegenüber 20 Minuten.

Körperliche Belastung

Anstrengende Märsche, wenig Schlaf und strenge Übungen könnten ebenfalls viele Frauen vom Militärdienst abhalten. «Die körperliche Belastung ist nicht zu unterschätzen. Das könnte auf viele Frauen abschreckend wirken», so Michelle.

Doch das ist nicht nur bei Frauen der Fall. Deshalb hat die Armee Anfang 2018 Massnahmen ergriffen, um die Zahl der Abgänge zu reduzieren und die Rekrutenschule attraktiver zu machen. Die sogenannte «Kuschel-RS» zeigte bereits Wirkung: Die Zahl der Abgänge aus der ersten RS 2018 fiel tiefer aus als im Vorjahr.

(maz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Weibliche Armeeangehörige am 21.01.2019 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Attraktive Kleidung?!

    Attraktivere Kleidung sei ein guter Anreiz für Frauen in die Armee zu gehen? Und sowas ist Nationalrätin?!

  • Klara am 21.01.2019 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Dämlich

    Bitte KEINE sexy Kleidung! Ich habe Militärdist geleistet, weil es eine gute Vorbereitung für meinen Beruf war, weil ich mich irgendwie verpflichtet fühlte und weil ich es gut fand. Und nicht um irgendwie sexy zu sein! Das konnte und kann ich zu Hause/in meiner Freizeit.

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  • buri tili am 21.01.2019 10:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gradkenntnisse

    gem den gradabzeichen ist die michelle aber nicht oberleutnant und bitte was hat schminke mit militaer zu tun?? ich frag ja bloss;-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Barbara Zimmermann am 04.02.2019 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Diplomatischer Fauxpas

    Ganz ehrlich? Solche Frauen sollen zu Hause bleiben. Ich hab dies Jahr mein letzter WK mit 25. Nächstes Jahr beginnt die Familienplanung. Ich seh das Problem also nicht. Manch eine sollte sich mal weniger Chemie ins Gesicht schmieren dann hätte das Hirn platz zum atmen. Auch braucht es keine leichte RS für Ffauen, wir können genauso vieles gut wie die Männer! Und bitte kommt jetzt nicht auf die Idee die Dienstgrade auch noch anzupassen.Soldat bleibt Soldat ob weiblich oder männlich.

  • Soldat am 24.01.2019 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung?

    Für freiwillige Soldatinnen will man alles tun, der Rest ist egal. Eine Idee der neuen Chefin?

  • Für die Jungs am 23.01.2019 00:30 Report Diesen Beitrag melden

    Ausgeschlossen?

    Warum sind auch dieses Jahr beim WEF so wenig Frauen dabei? Immerhin, ein paar Regierende haben sich entschlossen, anstatt Cüpli auszutauschen, zu regieren. Dass der US-Präsi, dem das Motto der Globalisierung zugunsten des Nationalismus mehr als zuwider ist, nicht kommen mochte, kann nicht überraschen.

  • Gleichberechtigung am 22.01.2019 22:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wie bringt man mehr Frauen ins Militär?

    Ganz einfach; Wehrpflicht einführen. Machen andere Länder auch. Mit Erfolg.

  • sack ratte am 22.01.2019 22:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kleider machen Leute

    Das einzige, was wirklich geändert werden muss: Ausgänger abschaffen und durch Tenu B, ev. mit beigem Hemd, ersetzen. Sieht besser aus und spart Kosten. Für Frauen keine Extrakleidung, ausser natürlich Unterwäsche und Sport-BHs.