Fall M. N.

07. Februar 2019 19:31; Akt: 07.02.2019 19:31 Print

Jetzt sprechen männliche Kita-Betreuer

von B. Zanni - Der Fall M. N. bekräftigt erneut die Vorurteile gegenüber Betreuern in Krippen. Drei Männer sagen, wie sie mit dem Generalverdacht umgehen.

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Männliche Kita-Mitarbeiter trifft der Fall von Kita-Mitarbeiter M. N.* besonders hart: Dieser soll sich in einer St. Galler Kita an einem Kleinkind vergriffen haben. «Für mich sind das kranke Menschen», sagt Pascal Saner, Geschäftsführer und Gruppenleiter der Kinderkrippe Bambis Chinderland GmbH in Zürich. Er verurteile Mitarbeiter, die sich an Kindern vergreifen. «Ich kann das nicht verstehen, weil ich meinen Job liebe und jeden Tag versuche, den Kindern das Bestmögliche zu geben.» Laut Saner sollen alle Kinderkrippen prüfen, ob bei ihnen die Sicherheitsmassnahmen genügen. «Ich weiss nicht, wie kreativ Mitarbeiter mit schlechten Absichten sind, aber es gibt einige Möglichkeiten, um die Kinder zu schützen.»

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In Bambis Chinderland hätten sie entsprechende Sicherheitsmassnahmen umgesetzt. Saner: «Bei uns gibt es keine geschlossenen Räume. Auch wenn die Kinder schlafen, bleibt die Tür immer etwas offen.» Dies ermögliche eine gegenseitige Kontrolle, ohne dass sich das Personal aber beobachtet fühle.

Aufruf zum Nachfragen

Auch Dieter Portmann, Betriebsleiter der Kita Murifeld Weltpost in Bern, äussert sich bestürzt. «Man versucht sich vorzustellen, was einer solchen Person während der Arbeit mit Kindern durch den Kopf geht», sagt Portmann. Solche Handlungen seien für ihn absolut nicht nachvollziehbar. «Ich sehe die unschuldigen und hilflosen Wesen.» Für das Kind, die Eltern und die Kita sei ein solches Vergehen ein grosser Vertrauensbruch. «Der Fall schadet unserem Berufsbild. Wir müssen deshalb noch deutlicher und transparenter zeigen, wie wir in Kitas arbeiten.»

Portmann ruft die Mitarbeitenden von Kitas auf, auffällige Verhaltensweisen sofort anzusprechen. Das oberste Ziel von Kita-Mitarbeitenden sei, dass sich das Kind vom Personal löse, stellt Portmann klar. «Denn es geht schliesslich nicht um die Bedürfnisse des Personals, sondern darum, die Anliegen und Gefühle der Kinder ernst zu nehmen.»

«Ich schalte immer das Licht ein»

Auch Nicola Schrag, Lernender in der Kita Kids & Co Wankdorf in Bern, beschäftigt der Fall. «Es wäre traurig, wenn Eltern ihre Kinder deswegen nicht mehr in Kitas mit männlichen Betreuern schicken würden», sagt der 19-Jährige. Schon jetzt kämpften die männlichen Mitarbeiter mit Vorurteilen. «Wenn wir mit den Kindern spazieren gehen, werden wir anders angeschaut als unsere Kolleginnen.»

Als Mitarbeiter oder Mitarbeiterin einer Kita müsse man sich bewusst sein, dass man einen verantwortungsvollen Job habe und auch mehr unter Beobachtung stehe als andere. «Wenn es im Winter am frühen Abend nicht mehr ganz hell ist, schalte ich im Wickelraum immer das Licht ein.» So kämen Beobachter vor dem Fenster auch nicht etwa auf die Idee, ihn anzuschwärzen, er habe «im Dunkeln mit einem Kind etwas gemacht».

«Für unsere Initiative ein Rückschlag»

Lu Decurtins, Leiter des Projekts Mehr Männer in die Kinderbetreuung, hofft, dass der Fall Kinderbetreuer nicht noch mehr unter Generalverdacht stellt. «Ich hatte mit Fällen zu tun, in denen Betreuer von Eltern zu Unrecht angezeigt wurden.» Ihnen sei etwa vorgeworfen worden, ein Kind auf dem WC oder beim Waschen unsittlich berührt zu haben. «Obwohl sie freigesprochen wurden, waren die beschuldigten Betreuer am Boden zerstört.»

Laut Nadine Hoch, Geschäftsleiterin des Verbands Kinderbetreuung Schweiz (Kibesuisse), schürt der Fall den Generalverdacht, dass männliche Kinderbetreuer pädophil seien. «Das ist für unsere Initiative für mehr männliche Kita-Betreuer und gemischte Teams ein Rückschlag. Interessiert sich ein Mann für diesen Beruf, muss er damit rechnen, schief angeschaut zu werden.»


*Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dibabu am 07.02.2019 17:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mann und Frau

    ich bin selbst Gruppenleiterin, arbeite mit Männern zusammen und finde den Fall sehr tragisch! man sollte sich jedoch davor hüten alle in die gleiche Schublade zu stecken da 99% der Männlichen erzieher einen super Job machen. Auch nicht zu vergessen ist die Tatsache, dass es auch weibliche Erzieher gibt welche ihre "Machtposition" ausnützen und alles andere als liebevoll mit den Kindern umgehen. Das ganze hat nichts mit dem Geschlecht zu tun, sondern mit dem bösen das in manchen Menschen steckt.

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  • F.R. am 07.02.2019 17:42 Report Diesen Beitrag melden

    Zwar eine Minderheit

    Aber es gibt auch pädophile Frauen, nur so zum nachdenken, und nicht jeder Mann der Kinder liebt ist ein Pädophil.

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  • Kahun am 07.02.2019 17:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Täterschutz

    Wieso werden immer die Personen die solch abscheuliche Taten begehen geschützt und nicht mit Foto gezeigt???

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ein Mann am 08.02.2019 16:39 Report Diesen Beitrag melden

    Hinter Mauern

    Männer die Kinderbetreuung machen sind schon nicht sauber. Die sehen alle aus wie Pfarrer, Ministranten, Priester und nicht wie Männer. Die haben schon so ein verdriessliches , weinerliches u. finsteres Gesicht. Schlagzeilen: Fürsorge und Gewalt in Waisenheime Fürsorge und Gewalt in kirchlich geführten Erziehungsanstalten Gewalt gegen Kinder in Obhut der Kirche, 22 Kinder hatte ein Kapuzinerpriester sexuell missbraucht. Orden und Bistum schauten jahrelang weg, Texas: 286 katholische Priester sexueller Übergriffe auf Kinder. Nichts gelernt. Wann ist ein Mann ein Mann.

  • looooolll am 08.02.2019 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Männer

    Frauen können genau dasselbe machen.

  • Anonyhm am 08.02.2019 16:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alleine kannst Du dich nicht wehren !

    Unser Enkel hat viele Monate in einer Kinderkrippe gearbeitet, er ist (Student) und sagte uns, in der Krippe würden Kinder nicht auf einem Wickeltisch gewickelt, sondern am Boden und bei offener Türe, wie schnell könnte ein Kind in einem unbeobachteten Moment vom Wickeltisch fallen, dass ist leider meiner Tochter als sie klein war passiert, ich war damals ledig, das Kinderheim nahm keine Stellung dazu !

  • stroganov am 08.02.2019 15:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Es braucht dringend gut ausgebildete Männer in den Kitas. Eine reine Kita mit Frauen ist der Horror. Zickenkriege, Mobbing gegenüber schwächere Frauen etc. Es braucht den Mix. Schade nur, dass die Medien solche Einzelfälle immer hoch pushen.

  • Realo am 08.02.2019 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist allerhöchste Zeit für einen

    Musterprozess wegen Verleumdung gegen eine dieser Rädelsführerin, die nichts besseres wissen, als die Männer zum wiederholten Male unter Generalverdacht zu stellen.