Erderwärmung

14. Oktober 2019 04:50; Akt: 17.10.2019 07:39 Print

Klima-Professor ruft zu Konsumstreik auf

Keine neuen Autos, keine Flüge, keine neuen Klamotten: Für einen HSR-Professor braucht es einen Shopping-Verzicht im Kampf gegen die Klimakrise.

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Henrik Nordborg glaubt nicht daran, dass sich Wirtschaftswachstum und Klimaschutz unter einen Hut bringen lässt. Der Klima-Professor von der Hochschule für Technik Rapperswil HSR sagt: «Global gesehen sind der CO2-Ausstoss und die Wirtschaftsleistung gekoppelt.» Jede Tonne CO2 erhöhe das weltweite Bruttoinlandprodukt um etwa 2800 Dollar.

Laut dem Physiker hat sich seit dem Auftauchen von Klima-Aktivistin Greta Thunberg zwar vieles verändert. Auch Aktionen wie jene von Extinction Rebellion begrüsst er. Die Politik reagiere jedoch viel zu langsam auf die Erwärmung der Erde: «Wir steuern auf eine Katastrophe zu.» Junge Menschen würden sich darum so für das Klima einsetzen, weil sie wüssten, dass sie sonst sterben müssten.

Klimastreik als Konsumstreik

Einen Ausweg sieht Nordborg darin, dass die Bevölkerung den Konsum massiv herunterfährt: «Wir brauchen einen Konsumstreik. Heute arbeiten wir, um immer mehr zu konsumieren. Aus diesem Hamsterrad müssen wir ausbrechen. Wenn die Leute nicht mehr fliegen, keine neuen Autos mehr kaufen, kein Fleisch mehr essen oder nicht dauernd neue Kleider kaufen, hat das die direkteste Wirkung aufs Klima.» Auch einfach auf E-Autos umzustellen, sei nicht die Lösung. Diese seien zwar schön und gut, doch deren Herstellung verschlinge ebenfalls Energie.


So doziert der Experte an der Hochschule.

Dabei sei ein Konsumstreik vollkommen legal: «Es ist nicht illegal, einfach zu Hause zu bleiben.» Hörten hinreichend viele Menschen auf, zu konsumieren, würden viele Geschäftsmodelle nicht mehr funktionieren: «Eine Airline kriegt schnell Probleme, wenn die Auslastung sinkt. Es ist nicht so, dass Konsumenten keine Macht haben.»

Die Meinung des Professors teilt laut der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» Graeme Maxton, Ex-Generalsekretär des Club of Rome. Er glaubt, es würde schon genügen, wenn die Europäer zehn Prozent weniger konsumieren, um die Fabriken der klimaschädlichen Industrien unter den Auslastungsgrad zu drücken, den sie brauchen, um ihre Kosten zu decken. So könnten etwa Autobauer oder Airlines in die Pleite getrieben werden.

«Konsumstreik könnte sozialen Frieden gefährden»

Laut Samuel Rutz vom Think-Tank Avenir Suisse ist die Wirkung von Konsumstreiks fraglich: «Zuerst müssten die Konsumenten mitmachen.» Zwar würden die Leute umweltbewusster. Das Konsumverhalten ändere sich aber nicht in dem Masse, wie es die Anhänger des Konsumstreiks wünschten. Es bestehe darum die Gefahr, dass man mit Forderungen nach Verboten reagiere, um die Leute zum Konsumverzicht zu zwingen. «Dann heisst es etwa plötzlich, dass man kein Fleisch mehr essen darf.»

Wenn nicht mehr konsumiert und investiert wird, droht laut Rutz eine Abnahme des Wohlstands und eine Zunahme der Arbeitslosigkeit: «Sinkende Löhne und abnehmendes Wachstum führen früher oder später zu sinkenden Steuereinnahmen. Darunter würde vor allem auch der heute gut ausgebaute Sozialstaat leiden.» Am Schluss könnte sogar der soziale Friede in Gefahr sein.

Hinzu komme, dass die Schweiz, ja gar Europa, wohl zu klein sei, um die Weltwirtschaft zu beeinflussen: «Das heisst nicht, dass man bei uns nichts tun soll. Aber man muss sich bewusst sein, dass in Ländern wie China oder Indien der Konsumhunger gross ist. Jeder Liter Erdöl, der aus dem Boden geholt wird, wird – unabhängig davon, ob wir uns zurückhalten – auch verbraucht.»


(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cel Lo am 14.10.2019 05:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konsumstteik

    Konsumstreik finde ich sehr gut. Verzichtet doch auf alle elektronischen Helfer, Handy, Computer, tv, etc.... DAS würde helfen, aber eben.... andere auffordern und selber nichts tun

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  • Magoo am 14.10.2019 07:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aber sicher

    klar doch, vermutlich hat er Haus mit Garten, Tesla mit Lithiumakkus und Solazellen auf dem Dach die in China hergestellt wurden

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  • roll2go am 14.10.2019 07:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blind vor Aktivismus

    Wenn wir dann plötzlich Mangel an Lebensmittel haben, weil alles bestreikt wird, dann bricht (Bürger)Krieg aus. Die Klima-Aktivisten sägen mehr am Ast auf dem sie sitzen als jene, die sie lautstark anprangern.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Millers am 14.10.2019 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Real

    Für mich macht das schon Sinn. Weniger Luxus weniger ausbeutung von Mensch und Erde.Denke aber das es den Reichen Eliten gar nicht gefällt, denn so werden sie weniger verdienen und profitieren.

  • Sodala am 14.10.2019 11:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Staatsangestellte und private Meinung

    Man schaue sich mal den Twitter Account dieses Herrn an. Klimaaktivist ist wohl die richtige Bezeichnung. Privat kann Herr Nordborg machen und sagen was er will. Wenn er aber in Funktion des Professors einer staatlichen Schule seine private Meinung Kund tut, sollte ihn die Schule massregeln: verwarnen, bei Wiederholung kündigen. Ähnliche Fälle haben wir auch an der ETH

  • Unternehmer am 14.10.2019 11:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    50 Prozent minus

    Tut seinen Lohn halbieren dann klappt dies automatisch mit weniger Konsum

  • Dominik am 14.10.2019 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spannend! Was ist mit den Arbeitsplätzen?

    Durchaus spannender Gedanke. Mir fehlt jedoch ein wenig die Antwort was mit all den Menschen passiert, deren Jobs und Existenzgrundlagen davon betroffen wären

  • huier am 14.10.2019 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    spürt ihr den Wind?

    Den Umfang dieses Verzichtes kann man sich gar nicht bewusst sein. Irgendwie habe ich die Vermutung das wir Europäer mit Verboten und Kontingenten überzogen werden währendessen der Rest der Welt fröhlich weiter machen wird. PFZ wird irgendwann heissen das wir an Ort und Stelle bleiben müssen aber alle andere sich frei Bewegen dürfen. Ich misstraue diesen Bewegungen sehr. Das Individuum wird nicht mehr viel Wert sein steht der eigene Lebenswert in Relation zu 8-12 Milliarden. Erzwungene Solidarität, danke an alle Freigeister und Individualisten die der Dominanz Mehrheiten verschaffen.