SBB, VBZ und Co.

26. Juni 2019 04:48; Akt: 27.06.2019 10:48 Print

Bus- und Bahnbetreiber lassen Kunden schwitzen

Weil grosse Temperaturunterschiede unangenehm seien und weil sie sparen wollen, verzichten ÖV-Betriebe auf starke Kühlung. Das sei gefährlich, sagen Mediziner.

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Am Mittwoch werden in der Schweiz Temperaturen von bis zu 38 Grad erwartet. Wer sich im klimatisierten öffentlichen Verkehr Zuflucht vor der Hitze erhofft, wird enttäuscht. Denn immer mehr Verkehrsbetriebe gehen dazu über, nicht mehr auf eine Temperatur von 23 bis 25 Grad zu kühlen, sondern lediglich einen Temperaturunterschied aufrechtzuerhalten.

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Wie stark sollen Bahn und Bus gekühlt werden?

Bei der SBB werden die Fahrgasträume üblicherweise nicht stärker als fünf bis sieben Grad Celsius unterhalb die Aussentemperatur gekühlt. Wer also im Intercity von Zürich nach Genf fährt, muss sich für fast drei Stunden auf bis zu 31 Grad einstellen (siehe Box). Nun hält diese Art der Kühlung auch bei anderen ÖV-Betrieben Einzug.

«Klimaanlage bläst heisse Luft»

Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) etwa schreiben auf Facebook, bisher hätten moderne Fahrzeuge die Temperatur im Innenraum stabil gehalten, in der Regel zwischen 23 und 25 Grad. Das sei bei den neusten Bussen anders: Diese verfügten über Regelanlagen, die mit sogenannten Sollwertkurven arbeiten und eine Differenz von 5 Grad Celsius aufrechterhalten. «Im Extremfall bedeutet das, dass die Klimaanlage 30 Grad heisse Luft bläst, weil eine Aussentemperatur von 35 Grad gemessen wird», so die VBZ.

VBZ-Sprecherin Daniela Tobler sagt, bei diesem neuen System handle es sich um bedarfsgerechtes Kühlen in Bezug auf die Aussentemperatur. Davon ausgenommen seien die Busfahrer selbst: Sie haben eine eigene Klimaanlage, die sie selbst einstellen können.

Kein Temperaturschock

Die meisten Menschen würden extreme Temperaturunterschiede zwischen drinnen und draussen als unangenehm empfinden. Viele grosse Verkehrsbetriebe schwenken nun auf dieses System um – so auch die Verkehrsbetriebe Luzern. Auch dort seien die neusten Busse mit Regelanlagen ausgestattet, sagt Sprecher Sämi Deubelbeiss.

«Feedbacks von unseren Fahrgästen haben gezeigt, dass zu grosse Temperaturunterschiede nicht gut ankommen», sagt Deubelbeiss. «Darum verzichten wir darauf, die Busse bei 35 Grad massiv herunterzukühlen.» Die Temperatur werde in allen Bussen automatisch geregelt, Fahrer hätten darauf keinen Einfluss. «Unsere Passagiere sollen beim Wechsel in einen anderen Bus keinen Temperaturschock erleben.»

25 Grad wären optimal

Doch ideal sind die hohen Temperaturen nicht. Temperaturen in Innenräumen von über 30 Grad seien für die Gesundheit gefährlich, sagt Awad Abuawad, Hausarzt in der Praxis am Seefeld in Zürich. «Die grösste Gefahr dabei ist Dehydration. Der Verlust von Flüssigkeit hat einen grossen Einfluss auf unseren Salzhaushalt, der für das Funktionieren unserer Zellen und somit unserer Organe extrem wichtig ist.» Wer sich über längere Zeit in einem warmen Raum aufhalte, könne an Herzkreislauf-Folgen leiden. Davon seien besonders ältere Menschen betroffen.

Ein weiterer Nachteil sind die Gerüche, die durch das Schwitzen entstehen. «Im öffentlichen Verkehr halte ich eine Innentemperatur von etwa 25 Grad für optimal», sagt Hero Schnitzler, Hautarzt am Derma Competence Center in Zürich.

Grosser Spareffekt

Bei höheren Temperaturen sei es nicht vermeidbar, dass man selbst im Sitzen stark zu schwitzen beginne. Tiefere Temperaturen wiederum seien nicht optimal, weil man sich dann schnell eine Erkältung einfange. Die ÖV-Betriebe dürften trotzdem nicht von ihrem neuen System abweichen. Denn nicht zuletzt versprechen sie sich davon auch einen Spareffekt, weil weniger Energie umgesetzt wird.

Dieser Effekt dürfte nicht unbedeutend sein. Bei den Basler Verkehrs-Betrieben, die dasselbe System anwenden, werden rund 50 Prozent der gesamten Energie für den Antrieb der Trams verwendet, sagt Sprecherin Sonja Körkel. Die restliche Energie werde etwa für Klimaanlagen, Informationssysteme und das Licht umgesetzt – ein Anteil, der mit weniger Kühlleistung gesenkt werden kann.

(ehs/mm)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Franki am 26.06.2019 05:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch

    Aber im Winter heizen das man in Shorts im Zug reisen kann.... spart doch im Winter etwas mehr Energie um im Sommer mehr zu kühlen bitte. Es ist unerträglich ohne Luft :-(

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  • Livia am 26.06.2019 05:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache sparen

    Das ist ja nicht normal an dem sparwn in so einem Land wir die Schweiz nein aber zahlen darf man.Danke gut habe ich mein eigenes Auto.

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  • S@m.W am 26.06.2019 05:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das macht ihr gut...

    Super, spart weiter beim Service, ich kann mir bei dem Wetter gut da Velo nehmen, hoffe ihr schaltet im Winter die Heizung nicht auf 5grad Differenz ein

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Die neusten Leser-Kommentare

  • dani am 27.06.2019 21:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kühl

    ich war heute vor Mittag im Zug dietikon- Basel und es war angenehm kühl klimatisiert.. weiss nicht was ihr alle habt

  • Müller am 27.06.2019 20:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SAUEREI

    Eine Mega Sauerei für was zahle ich ein Ticket und mit dem Auto hat msn das nicht muss wohl überlegen zu wechseln

  • Ilenia T am 27.06.2019 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    Man kriegt keine Luft!

    Aussentemperaturen um die 40 Grad und Innentemperaturen bei 35 Grad. Die Leute schwitzen und man kriegt keine Luft.. das tut ja der Gesundheit sicher gut! SBB, mach die Klimaanlage richtig an!!!!!

  • Noldi Nötzli am 27.06.2019 19:11 Report Diesen Beitrag melden

    Strafrechtlich heikles Vorgehen?

    Wenn Personen dadurch gesundheitlichen Schaden erleiden, ist das strafbar. Ich hoffe, die zuständigen Strafverfolgungsbehörden werden das entsprechend zu ahnden wissen und die verantwortlichen Personen der ÖV-Betriebe zur Verantwortung ziehen. Ich jedenfalls werde nicht zögern, bei Betroffenheit Strafanzeige einzureichen, sofern ich das dann noch kann.

  • Rob de Bob am 27.06.2019 18:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Qualität steigern

    Tja das ist die Konsequenz unserer Politik. Wenn der ÖV kostenneutral betrieben würde, wäre er so teuer das ihn nur wenige nutzen könnten. Unsere Politik will ÖV puschen mit Subventionen und im grunde merken Betreiber das noch mehr Gelder fliessen müssten um einen annehmbaren Service bieten zu können. Von den Personalkosten ganz zu schweigen, die Löhne im ÖV sind nämlich nicht so, das reihenweise gute Leute verpflichtet werden könnten. Also hört endlich auf den ÖV immer mehr auszubauen sondern probiert die Qualität zu steigern.