Infrastruktur-Schäden

10. Oktober 2019 18:55; Akt: 11.10.2019 14:42 Print

Der Klimawandel kostet 1 Milliarde Franken pro Jahr

Die finanziellen Auswirkungen des Klimawandels auf Strassen, Schienen oder Wasserspeicher waren bisher unbekannt. Nun legt der Bund erste Zahlen vor.

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Der Asphalt reisst auf, die Schienen verformen sich und in den Flüssen fliesst kaum mehr Wasser: Hohe Temperaturen und Niederschlagsmengen beeinträchtigen und schädigen die Infrastrukturen in der Schweiz. Mit dem Klimawandel dürften Wetterextreme und damit die Belastungen für die Infrastrukturen weiter zunehmen, schreibt das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek). Mittelfristig sei mit Kosten von bis zu einer Milliarde Franken pro Jahr zu rechnen, heisst es in einer neu veröffentlichten Studie.

Diese Bereiche sind am stärksten betroffen:

Transport

Hitze- und Kälteschäden, Verformungen oder Schäden durch Überflutungen können an den Strassen und Schienen hohe Kosten verursachen. «Höhere Temperaturen erfordern Investitionen in Strassen, die der Hitze standhalten; sie reduzieren aber Kälteschäden. Bei der Bahn erfordern Extremtemperaturen eine Reduktion des Fahrtempos, was Verspätungskosten verursacht», erläuterte Studienautor Christian Jaag.

Von 2011 bis 2040 beziffert die Studie die zusätzlichen Kosten im Strassenverkehr pro Jahr mit 83 Millionen Franken. Die Zusatzkosten belaufen sich bis 2040 auf 97 Millionen Franken. Auch gegen Ende des Jahrhunderts, zwischen 2071 und 2100, fällt mit 386 Millionen Franken pro Jahr ein Grossteil der Klima-Kosten auf den Strassenverkehr.

Energie

Die Studie geht davon aus, dass sowohl Wasser- als auch Kernkraftwerke in der Schweiz aufgrund höherer Temperaturen und niedrigerer Wasserpegel weniger Leistung produzieren können. Die dadurch reduzierte Stromproduktion muss mit Strom aus anderen Quellen ersetzt werden. Mit den höheren Temperaturen sinkt einerseits die Nachfrage für Heizenergie, andererseits steigt der Kühlungsbedarf. Insgesamt steigen die Mehrkosten im Energiebereich markant:

Die Studie rechnet damit, dass die Mehrkosten im Energiebereich von 2030 bis 2100 von 310 Millionen Franken pro Jahr auf fast zwei Milliarden Franken pro Jahr steigen.

Wasserversorgung

Durch den Klimawandel ist das «Wasserschloss Schweiz» zwar nicht in Gefahr: Im Durchschnitt wird künftig mit einer Zunahme der jährlichen Wasserverfügbarkeit gerechnet. Durch die stärkere Verdunstung, unregelmässigen Niederschlag und höhere Nachfrage während Hitzewellen nimmt diese im Sommer jedoch ab. Um diese saisonale Wasserknappheit überwinden zu können, wird mit durchschnittlichen Kosten von 37,7 Millionen Franken jährlich gerechnet.

Die Zahlen sind für Umweltministerin Simonetta Sommaruga ein «Weckruf». Sie kündigte einen Aktionsplan für den gezielten Schutz staatlicher Infrastrukturen an. Dabei will sie auch beim Klimaschutz ansetzen: «Ich bin überzeugt: Weniger CO2 ist die günstigste und wirksamste Massnahme zum Schutz unserer Infrastrukturen.»

Ist die Studie Angstmacherei?

Für SVP-Nationalrat Christian Imark ist klar, dass es sich bei der Studie um «politische Propaganda kurz vor den Wahlen» handelt. «Da wird eine Weltuntergangsrhetorik à la Uriella heraufbeschworen, um künftige Steuern auf Benzin oder Flugtickets zu rechtfertigen.»

Dabei sei es unmöglich, zu eruieren, ob ein Felssturz tatsächlich durch eine signifikante Temperaturerhöhung ausgelöst worden sei oder nicht. «Statt für solche Studien würde man das Geld besser in die technologische Innovation fürs Klima investieren.»

(dk/pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cat's Eye am 10.10.2019 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rethorische Frage an wen wohl..

    Wenn ich auf 1.- Benzin 45 Rappen reine Steuern draufzahle wird dann der Klimawandel gestoppt?

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  • Mr. Spock am 10.10.2019 19:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es werden nun alle Register

    gezogen um uns das Geld aus der Tasche zu ziehen zu legitimieren

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  • sue am 10.10.2019 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    man kanns auch übertrieben. was haben die in der eiszeit gesagt? vielleicht sollte es einfach mal weniger menschen geben um die welt zu retten

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fredchen am 11.10.2019 23:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der geborene Sündenbock

    Solche Dinge passieren, wenn Ingenieure nicht alles miteinplanen können und tun... was eigentlich, wenn man Ehrlich ist auch nicht möglich ist. Aber ja es ist einfach nun alles dem Klima zuzuschreiben und hey die Statistiker keben in einer voll genialen Zeit, der Himmel hängt voller unützen Studien die nur den Narativ dienen.

  • andi am 11.10.2019 23:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kommt noch viel

    Diese Milliarde ist erst der Anfang.

    • Fredchen am 11.10.2019 23:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @andi der Seher

      Haben sie das in der Kristallkugel gesehen.

    • andi am 11.10.2019 23:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fredchen

      Um das zu sehen braucht es ein bisschen Beobachtungsgabe, keine hellseherischen Fähigkeiten.

    • M.Bolli am 11.10.2019 23:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @andi

      So so, aber man kann nur sehen was jetzt ist, sie schreiben aber was noch kommen wird. Und das nennt man Spekulation was kann sein, oder eben nicht.

    • Muh am 12.10.2019 00:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @andi

      "Kommt eine neue Eiszeit? Nicht gleich, aber der verregnete Sommer in Nordeuropa, so befürchten die Klimaforscher, war nur ein Teil eines weltweiten Wetterumschwungs -- ein Vorgeschmack auf kühlere und nassere Zeiten". Zitat aus dem Allwissenden Spiegel von 1974 und das waren Annahmen von Spezialisten, nur soviel zu ihrer Beobachtung.

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  • Diesem am 11.10.2019 22:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In

    Leben habe ich das Studenten Leben/Glauben verpasst! Im nächste Leben werde ich auch zu denen gehören,die etwas herausfinden,das es schon immer gegeben hat!

  • Samu am 11.10.2019 22:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Paar Fragen

    Liebe Grüne, was genau macht ihr zum Schutz der Urwälder? Wieso werden Windparks hier möglichst verhindert? Warum verhindert man der Ausbau der Wasserkraftwerke? Auch vermisse ich aktive und praktikable Lösungen gegen den Plastik Mühl und Verpackung? Warum unterstützen die Grünen nich unsere Bauern und verhindern die unnötigen Importe? Warum fordern die Grünen nicht eine höhere Durchfahrts Gebühr für LKW der Ausländischen Transport Firmen? Weshalb verhindern die Grünen nicht die unnötige Grenzgänger Praxis? Ich wette, ich bekomme nicht 1 praktikable Lösung.

  • Ich selbst am 11.10.2019 22:01 Report Diesen Beitrag melden

    So ist es.

    Es geht grundsätzlich um zu viele Menschen, zu viel Verbrauch, Umweltverschmutzung. Es geht nicht um Geld. Möchte man ernsthaft etwas für die Umwelt tun, dann wäre das weniger Kinder, weniger Verbrauch, weniger Egoismus, auch weniger Transport und unnötige Ressourcen-Verschwendung. Das will aber anscheinend niemand... folglich wird sich auch nichts ändern.

    • Fritzl am 11.10.2019 23:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ich selbst

      Vor allem möchten das nicht die Globalsten und wir wissen welche Parteien die das noch forcieren möchten.

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