Kritik an Parteileitung

05. Dezember 2011 17:57; Akt: 06.12.2011 09:58 Print

Knatsch bei SVP-Jungpolitikern

von Jessica Pfister - Die beiden SVP-Jungstars Natalie Rickli und Lukas Reimann üben in einem Brief Kritik an der älteren SVP-Generation. Bei anderen Jungpolitikern aus der Partei kommt dies schlecht an.

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Junge SVP-ler sind sich uneinig. Lukas Reimann und Natalie Rickli (rechts) kritisierten die Parteileitung in einem Brief, Thomas Aeschi und Nadja Pieren sind damit nicht einverstanden.

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Die SVP-Hoffnungsträger Natalie Rickli (35) und Lukas Reimann (29) holten in einem Brief an die Fraktionsmitglieder zu einem Rundumschlag aus. «Aktuell wirkt unsere Partei zerstritten, unglaubwürdig und beleidigt», äusserten sich die beiden in dem Schreiben, welches der «Sonntags-Blick» publizierte.

Kritik üben die Jungpolitiker einerseits an SVP-Parlamentariern, die nach den Wahlen öffentlich die Stossrichtung der Partei beanstandeten, andererseits sind sie auch selbst unzufrieden mit der Kommunikation der Parteileitung. Die Chefs hätten die Fraktion zur Besonnenheit aufrufen sollen, verbunden mit einem Termin für eine baldige «Chropfleerete». «Vieles, was durch die ‹ältere Generation› angezettelt wird, muss die ‹jüngere› Generation ausbaden, da wir im Internet, in Social Media präsent sind», so ein weiterer Vorwurf des SVP-Duos.

«Forderung nach Aussprache verfrüht»

Mit ihrer Kritik, die laut Rickli und Reimann nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen wäre, können sich aber längst nicht alle SVP-Jungpolitiker identifizieren. «Ich finde die Forderung nach einer Aussprache in der Fraktion verfrüht», sagt die neu gewählte SVP-Nationalrätin Nadja Pieren gegenüber 20 Minuten Online. Es seien nun viele neue Köpfe dabei und deshalb müsse man sich zuerst finden. Eine Diskussion über den Führungstil und die Kommunikation hält die 31-Jährige - wenn überhaupt - frühestens in einem halben Jahr für angebracht. Sie habe auch nicht das Gefühl, dass die jüngere Generation die Fehler der alten ausbaden müsse. «Es belastet mich überhaupt nicht, wenn mich kritische Wähler und Bürger auf Facebook kontaktieren, dies gehört zur Politik.»

Auch der neu gewählte 32-jährige Zuger SVP-Nationalrat Thomas Aeschi kann die Einwände seiner beiden jungen Parteikollegen nicht teilen. «Mit der Kritik, dass die Parteileitung zu wenig klare Richtlinien für die Kommunikation verfasst hat, bin ich nicht einverstanden.» Auch mit dem Vorgehen ist er nicht zufrieden. Er finde es zwar grundsätzlich richtig, dass Parteimitglieder, die mit dem Verhalten von Fraktionskollegen nicht zufrieden sind, dies ansprechen. Ob ein Brief allerdings die richtige Form sei, halte er für fraglich. «Ein solches Schreiben kann, wie in diesem Fall, schnell an die Medien gelangen, was für die Diskussionskultur innerhalb der Partei nicht förderlich ist.»

«Sonst wäre Kritik untergegangen»

Rückendeckung erhalten Rickli und Reimann hingegen von Erich Hess, Präsident der Jungen SVP. «Ich finde den Brief und den Aufruf zu einer Aussprache sehr gut», sagt Hess. Er habe es auch bedauert, dass einige Parteiexponenten nach der Wahl öffentlich auf dem eigenen Kurs der Partei rumgehackt hätten. Man müsse nun - auch zusammen mit den Kantonalparteien - bestimmen, wie es weitergehe. «Natürlich wäre es besser gewesen, man hätte diese Thematik intern behandeln können.»

Rickli und Reimann bereuen ihr Schreiben auch im Nachhinein nicht. «Ein Brief an die Fraktionsmitglieder war die richtige Strategie, sonst wäre die Kritik im Vorfeld der Bundesratswahlen untergegangen», sagt Rickli. Einen Rüffel von der Parteileitung habe man deswegen nicht erhalten. «Wir gehen davon aus, dass unsere Einwände ernst genommen werden.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anrauch Herbert am 05.12.2011 21:08 Report Diesen Beitrag melden

    Heikel, solche Angelegenheiten

    Ich weiss nicht, aber irgendwie können mich die Leute von der SVP nicht warm kriegen. Die "Jungstars" sehen genau so konservativ und eingebrannt aus wie ihre älteren Parteikollegen. So gesehen wirft der Knatsch in der Partei sowieso ein schlechtes Lied auf die "Volkspartei".

  • ein SVPler am 05.12.2011 18:03 Report Diesen Beitrag melden

    Das zeigt,

    dass Herr Reimann und Frau Rickli ein wichtiges Anliegen haben, denn die Unzufriedenheit mit der SVP ist nicht von ungefähr. Das SVP-DUO hat vollen Respekt verdient.

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  • adrian am 05.12.2011 20:39 Report Diesen Beitrag melden

    SVP hängt in den Seilen (2)

    Drittes Versäumnis: Anstatt jungen Politikern eine Chance zu geben, klammert sich beinahe die ganze Partei nach wie vor an Blocher, der nach wie vor verbittert über seine Abwahl ist! Viertes Versäumnis: Die Strategie der SVP ist nicht durchdacht! Fakt ist: Mit polarisierenden Leuten gewinnt man keine Majorzwahl! Dementsprechend waren die Ständeratswahlen für die SVP schon im Vorraus zum Scheitern verurteilt und der Sturm aufs Stöckli wohl gar nicht wirklich ernst gemeint! Fazit: Es wir endlich Zeit für einen Generationenwechsel und vor allem für Sachpolitik, notfalls auch in der Opposition!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dani P. am 07.12.2011 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    SVP der Jungbrunnen?

    Wie lange zählt man eigentlich bei der SVP zur Jungpertei? Rickli ist 35. Zum Vergleich: Bruderer war mit 32 Nationalratspräsidentin und weit weg von JUSO

  • Noldi Schumacher am 06.12.2011 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Immer mehr merken es,

    die SVP mit ihren Hauruck Stil gefällt nicht mehr allen. 72% einmal sicher nicht, dazu merken jetzt auch Jüngere, dass es so nicht weitergeht. Am Besten die Jüngeren gründen einen neue Partei. Die Hartliner der SVP sind ja nicht von ihren Weg weg zubringen.

    • Urban Egloff am 06.12.2011 21:08 Report Diesen Beitrag melden

      Leistungsausweis.....

      Besser mit HauRuck auf die vielen Probleme zu reagieren, statt alles schön zu reden, wie das die anderen Parteien machen, übrigens was der Leistungsausweis von C.Blocher betrifft, hat dieser sehr viele Arbeitsplätze in der Schweiz geschaffen und ein Firmenimperium aufgebaut, was hingegen der Leistungsausweis seiner Kritiker betrifft, praktisch nichts vorhanden.

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  • Zehnder markus am 06.12.2011 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Werbung

    das ist doch alles nur PR

  • Robin Keller am 06.12.2011 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    So ist die SVP

    "Vieles, was durch die ältere Generation angezettelt wird, muss die jüngere Generation ausbaden" Mit dem haben Sie ein Problem? So funktioniert doch die ganze Politik der SVP.

    • chrigi am 07.12.2011 14:32 Report Diesen Beitrag melden

      oder auch nicht

      Verstehe nicht was sie sagen wollen. Also die Politik der SVP sei das ausbaden von vielem was die ältere Generation angezettelt hat. Dachte eigentlich die SVP ist grundsätzlich eher konservativ, aber danke dass sie mich da aufgeklärt haben.

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  • Sarah am 06.12.2011 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Reden ist Silber, Schweigen ist Gold!

    Ich persönlich finde es immer gut, wenn man eine Meinung hat und diese auch vertritt. Was ich allerdings schlecht finde ist, dass man dies mittels einem Brief löst und dieser "komischerweise" auch noch an die Öffentlichkeit gelangt. Eine persönliche Aussprache wäre besser gewesen als wieder "Zündstoff" fürs Volk zu liefern!