Amok-Rentner von Biel

07. Februar 2017 17:30; Akt: 07.02.2017 19:40 Print

Kneubühl will hungern «bis zum Tod»

von Camille Kündig - Peter Hans Kneubühl wurde vor knapp drei Wochen in die Justizvollzugsanstalt Thorberg verlegt. Seither sei er im Hungerstreik, schreibt er in einem Brief.

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Seit einigen Wochen ist der Peter Hans Kneubühl in der Justizvollzugsanstalt Thorberg. In einem Schreiben gibt er an, mit dem Hungerstreik bewirken zu wollen, dass er zurück in Untersuchungshaft verlegt wird und sein Fall neu aufgerollt wird. Dieses Schreiben hat der Bieler Rentner Peter Hans Kneubühl verfasst. Darin gibt er auch an, dass er aus Protest seit nun 20 Tagen das Essen verweigere. Adressiert ist die Nachricht an einen regelmässigen Besucher Kneubühls. Vor Gericht, das auch die Zurechnungsfähigkeit des Rentners abklären musste, verteidigte sich Kneubühl im Januar 2013 selber, obwohl er einen amtlichen Verteidiger hatte. Das bedeutet, dass Kneubühl unter anderem auch den Polizisten befragte, den er am 8. September 2010 angeschossen und schwer verletzt hatte. Kneubühl machte dabei einen wirren Eindruck, viele seiner Fragen wirkten völlig sinnlos. Kneubühl hatte am 8. September 2010 auf einen Polizisten geschossen, diesen schwer verletzt und danach die Berner Polizei mehrere Tage lang auf Trab gehalten. Deshalb müsste er sich wegen vorsätzlicher Tötung verantworten. Doch die . war der «Amok-Rentner» Peter Hans Kneubühl nach seiner Tat im Herbst 2010 auf der Flucht. Im Mittelpunkt des Dramas steht werden. Es war in einem ungepflegten Zustand, der Renter soll es seit einem Jahr kaum verlassen haben. Vor dem ersten Besichtigungstermin hatte sich der 67-Jährige . Die Polizei hatte versucht, mit Kneubühl zu sprechen. Doch dieser war . Die Polizei rückte deshalb mit einem Grossaufgebot an und umstellte das Wohnhaus. 40 Personen mussten werden oder konnten nicht nach Hause gehen. In der Nacht auf den und verletzte einen Beamten schwer - obwohl dieser eine schusssichere Weste trug. . Die Polizei bemerkte anscheinend erst gegen Mittag, dass der Senior geflohen war. Das gesamte und die Schule geschlossen. Die Behörden . Der naheliegende Wald wurde genauso zum Zielgebiet wie Büren an der Aare. Dutzende Mitglieder von wurden aufgeboten. Ein kreiste über Biel mit Wärmebildkamera. Im Verlauf des Donnerstags suchte die Polizei an Bushaltestellen, ... ... in Parks und Gärten, ... ... an Quartierstrassen und am Bahnhof in Biel nach dem Rentner. Doch François Gaudy, Polizeichef der Region Berner Jura/Seeland, musste an einer sei. Die Bevölkerung müsse zwar nicht beunruhigt sein, Gaudy mahnte allerdings zur . Trotz einer landesweiten Fahndung nach ihm konnte Kneubühl in sein Haus zurückkehren, erneut auf Beamte schiessen und wieder abtauchen. Am , die dem bisherigen Fahndungsbild überhaupt nicht ähnlich waren. Zuvor hatten die Behörden das Foro rechts veröffentlicht. Dafür hatten sie ein Bild aus den Achtzigerjahren künstlich altern lassen. Doch das Bild zeigte den . «Peter, bitte melde dich»: Die Polizei warf in der Region Biel . Das Schreiben stammte von einem Verwandten Kneubühls, mit dem der Rentner den Kontakt noch nicht abgebrochen hatte. Kneubühl fand auch : Am Montag, 13. September demonstrierten rund 20 Personen für den Flüchtigen und forderten einen «Notausgang» für den Rentner. Während Kneubühls Flucht bewachten Polizisten das Bieler Lindenquartier ununterbrochen. Die Schule blieb geschlossen. Denn laut Gerüchten von Anwohnern soll er in der Nacht auf Sonntag, 12. September zum zweiten Mal bei seinem Haus aufgetaucht sein. Vermutungen wurden auch laut, Kneubühl habe gebaut. Mit Spezialgeräten suchte die Polizei darum nach Hohlräumen. Erst am wurde Kneubühl gefasst - dank Diensthund Faro. Der Vierbeiner steht im Sold der Kapo Basel-Land. . Als der Hund ihn stellte, liess er sich widerstandslos festnehmen. Er wurde durch den Hundebiss leicht verletzt, war aber ansonsten in guter gesundheitlicher Verfassung. Die Stelle befindet sich am Waldrand, nur 15 Minuten von der Taubenlochschlucht entfernt am Rand der Stadt Biel. Noch am Vortag war die Polizei einem Hinweis aus Pieterlen BE nachgegangen. Mit Hunden jagten sie über ein Feld in Richtung Schrebergärten. Ausgangspunkt war offenbar das Altersheim in Pieterlen, wo laut Anwohnern eine Tante Kneubühls lebe. Am Nachmittag des 16. September, kurz vor drei Uhr, waren dort Kastenwagen vorgefahren. Der berühmteste Rentner von Biel sass im Regionalgefängnis in Untersuchungshaft.

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Es sei ein «Hungerstreik bis zum Tod», steht in einem auf den 4. Februar datierten Schreiben von Peter Hans Kneubühl, das 20 Minuten vorliegt. Er werde erst mit dem am 19. Januar begonnenen Hungerstreik aufhören, schreibt der schiesswütige Bieler Rentner, wenn er von der Justizvollzugsanstalt Thorberg wieder zurück nach Thun ins Gefängnis gebracht werde. Anschliessend würde er verlangen, dass «eine parlamentarische Untersuchungskommission diesen Skandal untersucht».

Ausgehändigt hat Kneubühl das Schreiben einem regelmässigen Besucher. «Kneubühl hält das, was ihm passiert ist, für ungerecht», erklärt sein Bekannter. Bei seiner Visite am Montag habe Kneubühl ihm versichert: «Ich werde kämpfen wie ein Löwe.»

Doch Kneubühl habe sehr mitgenommen ausgesehen, er sei nur noch «Haut und Knochen». Er sei körperlich so schwach, dass er nicht mehr gut sprechen könne. «Er hat wohl nicht mehr lange zu leben», so der Besucher. Kneubühl zum Essen zu überreden, das wolle aber er nicht versuchen. «Er würde sofort misstrauisch werden und vermuten, dass ich mit den Behörden gemeinsame Sache mache.»

Von Thun nach Thorberg verlegt

Kneubühl ist vor rund drei Wochen aus dem Gefängnis in Thun in die Justizvollzugsanstalt Thorberg oberhalb von Krauchthal BE verlegt worden. Dies bestätigte die Stabschefin des Amts für Justizvollzug, Nicole Wey, gegenüber 20 Minuten.

Die Verlegung habe stattgefunden, da Kneubühl rechtsmässig verurteilt wurde und es sich bei der Justizvollzugsanstalt Thorberg um eine geeignetere Vollzugseinrichtung handle als beim Regionalgefängnis in Thun. Ob sich Kneubühl im Hungerstreik befinde, kommuniziert das Berner Amt für Justizvollzug «aus Datenschutzgründen» nicht.

Der Fall Kneubühl

Peter Hans Kneubühl hielt im September 2010 die ganze Schweiz in Atem: Damals sollte seine Liegenschaft in Biel öffentlich versteigert werden. Am Tag der Besichtigung verschanzte er sich in seinem Haus. Jeglicher Versuch der Kontaktaufnahme durch Behörden und Polizei scheiterten. An den folgenden Tagen gab Kneubühl aus seinem Haus mehrere Schüsse ab und verletzte einen Polizisten schwer.

Danach lieferte er sich tagelang mit einem riesigen Polizeiaufgebot ein Katz- und Maus-Spiel. Erst nach neun Tagen konnte er verhaftet werden. Jahrelang lag Kneubühl im Streit mit verschiedenen Behörden. Er deckte Behördenvertreter immer wieder mit seitenlangen Schreiben ein und galt als Querulant.

«Verfolgungs- und Beeinträchtigungswahn»

Kneubühl wurde der versuchten vorsätzlichen Tötung und der Gefährdung des Lebens zum Nachteil von mehreren Polizeibeamten schuldig gesprochen. Das Gericht hielt ihn aber für schuldunfähig und ordnete deshalb eine stationäre therapeutische Massnahme in einer geschlossenen Einrichtung an. Ein psychiatrisches Gutachten kam zum Schluss, dass der studierte Physiker und ehemalige Lehrer zwar sehr intelligent ist, jedoch seit Jahren an Verfolgungs- und Beeinträchtigungswahn leidet. Kneubühl war in den vergangenen sechs Jahren in verschiedenen Gefängnissen untergebracht.