Hooliganismus

30. März 2011 17:35; Akt: 30.03.2011 17:36 Print

Kombiticket statt Fanpass

von Joel Bedetti - Nach dem Scheitern einer flächendeckenden Ausweiskontrolle will man mit hermetisch kontrollierten Fantransporten den Hooliganismus bekämpfen.

storybild

Soll künftig de einzige Weg an ein Auswärtsspiel sein: Sonderzug mit Basler Fans in Zürich, 2009. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

Zum Thema
Fehler gesehen?

An der Sitzung des Runden Tischs gegen Gewalt im Sport im letzten September waren die Vertreter der Kantonalen Justizdirektoren nicht begeistert. Eigentlich hatten sie von den Vertretern des Schweizer Fussballverbands (Swiss Football League SFL) einen Plan zur Umsetzung «Fanpasses» erwartet. Stattdessen rieten die Fussballvertreter, welche die Idee im Frühling 2009 der Runde präsentierten, vom Vorhaben ab.

Die Evaluation hatte folgendes ergeben: Technisch wäre es schon möglich gewesen, sämtliche Fussball- und Eishockeyfans mit einem Pass auszurüsten und ihn bei den Eingangskontrollen auf Stadionsperren zu prüfen. Aber teuer wäre es eben auch gewesen: Sieben Millionen hätte die Einführung gekostet, zwei bis drei Millionen der jährliche Unterhalt. Zudem würde der Pass das eigentliche Problem, die Gewalt um die Stadien, nicht wirklich anpacken.

Geldargument überzeugte

«Das Geldargument hat dann auch die Vertreter von Justiz und Polizei überzeugt», sagt jemand aus dem Umfeld des runden Tischs. Die Repräsentanten der Vereine sowie der Fanarbeit hatten dem Pass von vornherein wenig abewinnen können - die Vereine, weil er ihnen die ganze Kontrolle aufgebürdet hätte; die Fanarbeiter, weil der Pass die Mehrheit der gewaltlosen Fans bestraft hätte.

An der letzten Sitzung des runden Tischs im Januar war der Fanpass dann endgültig vom Tisch. Die Runde beschloss die Evaluation von «Alternativen». Die sagte Pius Valier, Kommandant der Stadtpolizei St. Gallen und Sprecher der Justiz- und Polizeikreise am Runden Tisch, gestern gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Konkreter wollte er nicht werden.

Wunschkind Kombiticket

Recherchen von 20 Minuten Online haben ergeben, dass vor allem das von der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) propagierte «Kombiticket» wieder in den Vordergrund gerückt ist. Und das geht so: Die Gästefans, welche traditionell das grössere Gewaltpotential aufweisen, müssen sich im Heimstadion ihres Vereins versammeln, von wo sie in von Stewards begleiteten Cars oder Zügen (diese Möglichkeit besteht vor allem in Bern und Basel) möglichst nahe ans Gaststadion gebracht werden.

Nur so soll man in den Gästesektor gelangen. Zwar hätten gesperrte Hooligans die Möglichkeit, auf eigene Faust anzureisen, sie könnten aber lediglich ein Ticket im Heim- oder neutralen Sektor kaufen. «Aber letztlich will der Fan den Match in seiner Gruppe verfolgen. Die Erfahrungen in Holland und Belgien zeigen das», sagt Robert Schneeberger, Generalsekretär KKJPD.

Wie Schneeberger bestätigt, treffen sich Vertreter der KKPDD, des Fussballverbands, de Eishockeyverbands sowie der SBB zu regelmässigen Treffen. «Hier wartet viel Detailarbeit», so Schneeberger. Bei der nächsten Sitzung des Runden Tischs im September solle ein Grobkonzept vorliegen.

Meldepflicht zu rigoros

Eine andere, vom Fussballverband SFL vorgeschlagene Alternative wäre eine pauschale Meldepflicht für alle Personen mit Stadionverbot. Personen mit Stadionverbot müssen sich vor, während und nach dem Spiel bei einem Polizeiposten melden. Tun sie es nicht, kommt es zu weiteren Sanktionen.

«So kann man die Teilnahme von bekannten Hooligans an Gewalttaten vor dem Stadion zumindest eindämmen», sagt SFL-Sprecher Roger Müller. Diese Idee findet aber sogar die KKJPD, welche repressiven Massnahmen sonst freundlich gegenüber steht, zu rigoros. «Es wäre ein unangemessen schwerer Eingriff in die Persönlichkeitsrechte, wenn man sich an jedem Spieltag bei einem Polizeiposten melden muss», sagt Roger Schneeberger.

Eine weitere Möglichkeit, so ist aus dem Umfeld des Runden Tischs zu hören, ist eine flächendeckende ID-Kontrolle bei Spielen. Das würde zwar die hohen Kosten des Fanpasses abwenden. Doch die übrigen Nachteile des Fanpasses würden weiter bestehen bleiben: Verärgerte Fans und die Tatsache, dass die Gewalt vor dem Stadion nicht bekämpft wird.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Camillo am 30.03.2011 23:30 Report Diesen Beitrag melden

    Kollektivstrafe für Fans...

    Im CH-Fussball und Eishockey gibt es insgesamt tausende von Fans, welche nicht direkt in der Nähe ihres Clubs wohnen. Muss nun z.B. ein Basler Fan aus Zug, extra nach Basel fahren um ein Spiel im Zürcher Letzigrund verfolgen zu können?! Wahrscheinlich muss er nach Spielende denselben Weg auch wieder zurück nehmen, da er aus dem Polizeikessel gar nicht rauskommt... Eine absolute nicht nachvollziehbare Idee, welche sehr viele treue Fans betrifft. Und das eigentliche Problem der Gewalt und Sachbeschädigungen ist deswegen überhaupt nicht gelöst!

  • Berna am 30.03.2011 23:31 Report Diesen Beitrag melden

    Klarstellung

    Jedes Wochenende Ausschreitungen in Deutschland, Krawalle in Frankreich, Hooliganschlachten in Enland und schwerverletzte in Polen... Aber es gibt ja nur in der Schweiz "Hooligans" Sehr viele Leute haben einfach keine Ahnung und verdrehen die Tatsachen!!

  • ein fan am 30.03.2011 17:42 Report Diesen Beitrag melden

    hooligan problem

    Das hooligan problem klappt überall nur nicht in der schweiz wieso? weil wir zu lasche gesetzte haben. Da bringt alles nichts nicht

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • FCB-Fan am 02.04.2011 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    Alle in den neutralen Sektor

    Sollen die das doch machen! Es heisst, dass man dann nur noch im neutralen Sektor rein könnte! Schön, dann bleibt der Gästesektor eben leer und alle gehen in den neutralen Sektor, da es in den Schweizer Stadien im Normalfall stets genügend Platz hat im neutralen Sektor! Und dann würden die Massnahmen so schnell aufgehoben, wie sie eingeführt wurden!

  • GC-Zürich am 01.04.2011 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ich zünde Pyros, ich bin ein Hooligan?

    Jetzt mal ehrlich, als aller erstes, Ultras und Hooligans, sind nicht daselbe! Einen Fanpass zu machen wäre ja das dümmste was man noch machen könnte. Die Axpo SL ist jetzt schon nicht die Top Liga, darum am besten einfach lassen. Ich wette wen man dies einführen würde, wären die Stadionpreise noch teurer!

  • René Gruber am 31.03.2011 11:39 Report Diesen Beitrag melden

    Wieder mal nur Theoretiker am Werk

    Glauben diese Schlaumeier wirklich ein Bern-Fan komme zwingend aus Bern und ein GC-Fan muss Zürcher sein? Liebe Theoretiker, ein jeder Club hat auch Fans in anderen Landesteilen, sollen diese wirklich erst die Reise zum Heimstadion machen müssen nur um dann wieder ins Gaststadion, welches vielleicht im Nachbarort ist, zu fahren? Anders hätten sie ja keine Möglichkeit mehr das Spiel mit gleichgesinnten Kollegen zu schauen. In meinen Augen wären einzig härtere Strafen gegen Gewalttäter nützlich. Sobalds dem Portmonaie oder auch sonst weg tut, wird sich Wirkung zeigen.

  • Diffidati am 31.03.2011 08:12 Report Diesen Beitrag melden

    Normaler Zug

    Kuul, mit Stadionverbot reisst man nun mit dem normalen Zug an. Viel Spass den anderen Bahnreisenden

  • Christian Böck am 31.03.2011 07:24 Report Diesen Beitrag melden

    Aufgebauscht

    Und die Fans, die nicht in Stadionnähe Ihres Vereins wohnen - und deren gibt es viele - müssen zuerst auf eine Tour de Suisse ? Unsinnig viel Geld wird da verplempert, um ein medial aufgebauschtes Problem zu lösen, das in dieser Grösse nicht existiert.