Freihandelsabkommen EU–USA

01. Juli 2014 11:28; Akt: 01.07.2014 11:28 Print

Kommen jetzt Chlor-Güggeli in die Schweiz?

von Thomas Bigliel - Schliessen die EU und die USA wie geplant ein Freihandelsabkommen ab, könnte das auch für die Schweiz Konsequenzen haben: Gegner warnen vor Chlor-Güggeli, Hormonsteaks und Genmais.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

In Deutschland gehen derzeit als Hühner verkleidete Menschen auf die Strasse. Sie halten Plakate in die Luft mit Parolen wie: «Keine Chlor-Hühner für Europa!»

Umfrage
Befürworten Sie den Freihandelsvertrag zwischen der EU und den USA TTIP?
10 %
87 %
3 %
Insgesamt 5535 Teilnehmer

Die Demonstranten protestieren gegen die geplante transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft TTIP zwischen der EU und den USA . Mitte Juli beginnt die sechste Verhandlungsrunde. Ziel ist, die mit 800 Millionen Konsumenten grösste Freihandelszone der Welt zu errichten.

Die Gegner des Abkommens befürchten, dass mit dem Vertrag die Einfuhr von Chlor-Güggeli ermöglicht würde. In den USA ist es im Vergleich zur EU nämlich gängige Praxis, Geflügel während der Produktion mit der chemischen Substanz Chlordioxid zu waschen und dadurch zu desinfizieren.

Befürchtet wird auch die Einfuhr von Genmais oder Fleisch von mit Hormonen gefütterten Schweinen in die EU. Manche der künstlichen Hormone stehen im Verdacht, Krebs auszulösen und das menschliche Erbgut zu schädigen. Das verbreitete Hormon Ractopamin ist in der Schweiz und der EU verboten. 160 Länder haben es auf den Index gesetzt, auch Russland und China.

«Ich will kein Chlor-Güggeli»

Laut dem Grünen-Nationalrat Balthasar Glättli hat das Abkommen indirekt Auswirkungen auf die Schweiz: «Das Cassis-de-Dijon Prinzip erlaubt, dass Produkte, die in der EU bewilligt sind, auch bei uns auf den Markt gelangen dürfen, selbst wenn sie den Schweizer Standards nicht genügen.»

Der Bundesrat müsse verhindern, dass das Abkommen auch in der Schweiz eine Verschlechterung der Standards in der Nahrungsmittelproduktion und der Landwirtschaft zur Folge habe – etwa indem er Ausnahmen für die Anwendung des Cassis-de-Dijon Prinzip festlege. «Ich will keine Chlor-Güggeli, Hormonsteaks oder Gentech-Food auf meinem Teller, die meine Gesundheit gefährden können», sagt Glättli. In einer Interpellation will er deshalb vom Bundesrat wissen, ob die Schweiz in die Verhandlungen einbezogen ist und welche Auswirkungen zu erwarten sind.

Auch der Präsident des Schweizer Bauernverbands, CVP-Nationalrat Markus Ritter, mahnt zur Vorsicht: «Den Wunsch der Schweizer Konsumenten nach gentechfreien Lebensmitteln gilt es zu respektieren.»

Kein Automatismus

Zu möglichen Auswirkungen eines Freihandelsvertrags zwischen EU und USA auf die Schweizer Standards kann das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) zurzeit «keine abschliessende Einschätzung» machen. «Fest steht, dass die Schweiz auch nach einer allfälligen Anpassung von EU-Standards eine politische Abwägung zwischen Marktzugangs- und Konsumentenschutzaspekten vornehmen kann, bevor erwogen wird, lebensmittelrechtliche Standards anzupassen», so Sprecherin Isabel Herkommer. Ein Automatismus bestehe nicht.

Das Seco hat das World Trade Institute mit einer Studie über die möglichen Auswirkungen des TTIP auf die Schweiz beauftragt. Die Studie wird voraussichtlich im Sommer veröffentlicht.

«Reelles Diskriminierungspotenzial»

Ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA birgt laut Seco ein «reelles Diskriminierungspotenzial», da die Wahrscheinlichkeit hoch sei, dass sich die EU und die USA gegenseitig günstigere Rahmenbedingungen einräumten, als sie die Schweiz habe. Die Schweiz verfolge die Entwicklungen daher genau.

Für den Wirtschaftsverband Economiesuisse ist es von «grösster Bedeutung, dass Schweizer Unternehmen beim Marktzugang in diesen Wirtschaftsraum nicht diskriminiert werden». Schliesslich gingen rund 70 Prozent aller Schweizer Exporte in die EU oder die USA.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Do me am 01.07.2014 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    So läufts

    Die EU-Bürger wollen das Freihandelsabkommen mit der USA nicht, trotzdem wird es kommen. So läuft es in der EU. Was die Lobby will wird gemacht, egal, was der Bürger denkt. Kleines Beispiel: über 80% der Deutschen wollen keine Gentechprodukte und trotzdem hat Deutschland die Zulassung einer Genmaissorte in der EU nicht verhindert....

    einklappen einklappen
  • Überwacher am 01.07.2014 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    DEKLARATIONSPFLICHT überall

    und auch für alle Zutaten.

    einklappen einklappen
  • Kristina Schüpbach am 01.07.2014 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    Angriff auf Demokratie

    Das Ding ist ja, da gehts nicht nur um Chlor-Güggeli, sondern auch um Arbeitsbedingungen, Privatisierung der öffentlichen Dienste, Angriff auf Umweltschutz usw. usf. Und alles wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt, einzig Wirtschaftslobbyisten dürfen noch ihren Senf dazu geben - die Bevölkerung zieht den Kürzeren.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Antonietta/Tumminello am 03.07.2014 07:44 Report Diesen Beitrag melden

    Vegetarier leben gesünder.

    Denn Fleischverzehr fördert das Risiko von Herzinfarkten, Blinddarmentzündungen, Bluthochdruck, Osteoporose, Arthritis, Magengeschwüren, Nierensteinen, Diabetes und Krebs!

  • Marco am 02.07.2014 11:08 Report Diesen Beitrag melden

    Pro-Freihandel

    Es kann ja jeder essen was er will, wieso haben alle Leute immer Angst? Denkt ihr echt europäisches Essen ist soviel besser als Amifood? Ich würde sofort ein Chlorhuhn mit Genmais als Beilage essen.

  • Jenny A. am 02.07.2014 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll die Aufregung?

    Am Schluss entscheidet immer noch der Konsument selber, was er einkauft und isst...

  • Jakob Schluep am 02.07.2014 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Chlor-Güggeli

    Was soll das? Wir akzeptieren, dass Trinkwasser gechlort wird, und sind entsetzt, wenn Poulets mit Chlor behandelt werden, im Interesse der Lebensmittelsicherheit.

  • Sophia_H am 01.07.2014 22:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    oh wie schrecklich ^^

    analysiert mal euer essen was ihr täglich in eurem teller habt....dann schreibt gescheites rein.

    • fg am 02.07.2014 00:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Info

      Als würde es um die Hühnchen und den Genfood gehen. Das noch die Schokoseite des Abkommens. Informieren soll helfen.

    • Ricardo Granda am 02.07.2014 02:13 Report Diesen Beitrag melden

      Ja, aber wirklich schrecklich!

      Das ist aber kein Grund, noch mehr Mist ins Land zu lassen, nur weil irgendwelche Abkommen, einer kleinen Gruppe viel Geld einbringt! Warum werden unsinnige Verträge gemacht, Gifttoleranzen nach oben geschraubt und Tiere bei der Haltung und beim Transport immer noch gequält? Ganz einfach, weil jedes Land, jeder Politiker und überhaupt jeder der es ändern könnte, korrupt ist und nichts tut, weil es seinem Bankkonto schaden würde! Wir sind doch nicht blind!

    • Doni am 02.07.2014 09:18 Report Diesen Beitrag melden

      Geld

      Tja sollen diese Leute sich doch von Geld ernähren...etwas dass ich nie verstehen werde...

    einklappen einklappen