Primarschule

11. Dezember 2016 06:25; Akt: 11.12.2016 15:01 Print

Kommt bald Albanisch statt Französisch?

In der jüngsten Pisa-Studie schneiden Schweizer Schüler bei der Lesekompetenz schlecht ab. Im Kampf gegen diese Schwäche lancieren Bildungsexperten eine neue Idee.

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Jeder fünfte Schüler in der Schweiz kann mit 15 Jahren kaum einen einfachen Text lesen und verstehen: Das Fazit der jüngsten Pisa-Studie rüttelt Fachleute auf.

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Nun lanciert der Bildungsexperte des Schweizer Lehrerverbandes, Jürg Brühlmann, eine neue Idee, um die Leseschwäche zu bekämpfen: Fremdsprachige Kinder mit Migrationshintergrund sollen Kurse ihrer Muttersprache besuchen statt Französischunterricht. «Das wäre keine Dispensation, sondern ein Ersatz», sagt er in der «NZZ am Sonntag». So hätten sie mehr Kapazitäten frei für das Erlernen von Deutsch.

«Man darf die Kinder nicht überfordern mit den Sprachen»

Als prüfenswert bezeichnet der Präsident der Erziehungsdirektorenkonferenz, Christoph Eymann, diese Idee aus den Reihen des Lehrerverbandes. «Das ist ein guter Ansatz, der sich diskutieren lässt», sagt er der Zeitung. «Man darf die Kinder nicht überfordern mit den Sprachen.»

Solche Entlastungen müssten jedoch im Einzelfall geprüft werden und dürften nicht für ganze Gruppen gelten. Allerdings haben Kinder mit Migrationshintergrund in der jüngsten Pisa-Studie eher etwas aufgeholt. Darum müssten auch Massnahmen für leseschwache Kinder deutscher Muttersprache gefunden werden, sagt Eymann: «Es ist wichtig, dass wir die Lesekompetenz der Schüler früh und intensiv fördern.»

Debatte über Testbedingungen

Aus Ärger über die Methoden der jüngsten Pisa-Studie haben Schweizer Lehrerverbände vergangene Woche die Teilnahme an den künftigen Evaluationen infrage gestellt. Der St. Galler Bildungsdirektor Stefan Kölliker, der im Vorstand der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) sitzt, will «unter Umständen einen Antrag stellen, an der Pisa-Studie 2018 nicht teilzunehmen», wie er den Zeitungen «Zentralschweiz am Sonntag» und «Ostschweiz am Sonntag» sagt.

Er forderte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), welche die Studie verantwortet, erneut auf, sich einer ernsthaften Debatte über die Testbedingungen zu stellen. Die Teilnahme an der nächsten Pisa-Ausgabe wurde an der EDK-Versammlung vom Juni 2015 beschlossen. Dafür sind 3,2 Millionen Franken eingestellt, welche Bund und Kantone je zur Hälfte tragen.

«Problem mit der Chancengleichheit»

Der Leiter der Pisa-Studie, Andreas Schleicher, weist die Kritik der Schweizer Erziehungsdirektoren an der neusten Pisa-Erhebung von sich. Bisher habe sich nur die Schweiz beklagt. Die Daten blieben trotz der neuen Erhebungsmethode vergleichbar, sagt er im Interview mit der «Schweiz am Sonntag» und holt zum Gegenschlag aus: Vor zehn Jahren habe es weder iPhones, soziale Medien noch Big Data gegeben. Dieser Veränderung trage die Schweiz zu wenig Rechnung. «Da erwarte ich deutlich mehr vom Schweizer Bildungssystem.»

Auffällig in der Schweiz sei zudem der Einfluss des sozialen Hintergrunds auf Leistungen: «Die Schweiz hat ein Problem mit der Chancengleichheit.» Den Schulen gelinge es nicht, diesen Nachteil auszugleichen.

«Systemversagen»

Jeder fünfte Schüler in der Schweiz ist laut der jüngsten Pisa-Studie nach neun Schuljahren ein funktionaler Analphabet, kann also aus Gelesenem keinen Sinn ziehen. «Bei einer durchschnittlichen Klassengrösse von 19 Schülern können in der Schweiz bei Schulabschluss zwei bis drei Schüler pro Klasse unzureichend schreiben und lesen», sagt Stefan Wolter, Direktor der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung in der «SonntagsZeitung».

Er nennt dies ein «Systemversagen» im laut der Zeitung zweitteuersten Schulsystem innerhalb der OECD. Im Kampf gegen den Illettrismus braucht es demnach nicht mehr Geld. Die Mittel müssten anders eingesetzt werden.

(bee/chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vay am 11.12.2016 09:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Quatsch

    Ja, genau, super Idee! Und als nächstes können wir ja Französisch vollständig als Landessprache verbannen und dafür Albanisch einführen!

    einklappen einklappen
  • Alca74 am 11.12.2016 10:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Idee

    Es gibt Kantone, da leben Mensch aus 180 Nationen! Viel Spass beim Personal suchen. Denn wir wollen ja keine Sprache diskriminieren.

  • Schnurri am 11.12.2016 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Sprache

    Albanisch? Wie bitte..Wir sind nicht Albanien sondern die Schweiz und wer hier ist soll sich Integrieren also auf die Schweizer Sprache und nicht Albanisch!!!! Ausverkauf Schweiz zum Rammschpreis Unglaublich was alles so abgeht..

Die neusten Leser-Kommentare

  • BVBkusi am 12.12.2016 22:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Absoluter quatsch

    Mehr gibts nicht zu sagen.

  • Polizist am 11.12.2016 15:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Landessprache + Englisch

    Eine Landessprache der Schweiz sowie Englisch reichen meiner Meinung nach zum erlernen vollkommen aus. Mit zwei gut erlernten Sprachen, und insbesondere mit Englisch, kommt man auf diesem Planeten sehr weit. Ich war in meinem Leben in einigen Ländern zu Gast und konnte beinahe in jedem Land auf Englisch mit den Leuten sprechen. Wozu dieser übertriebene Perfektionismus? Als Deutschsprachiger habe ich Französisch gehasst, genauso wie meine Kollegen aus dem Welschen Deutsch gehasst haben. Komischerweise mögen aber alle Landesteile der Schweiz Englisch, welche für die reguläre Kommunikation reicht

  • Ladyking am 11.12.2016 15:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An der Basis arbeiten

    Ich wäre für Integrationsklassen für alle Schüler deren Eltern kein Deutsch können.

  • Gregor Kartoffel am 11.12.2016 15:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Finde ich eine gute Idee

    Ich hätte es auch lieber gehabt, nebst Deutsch meine Muttersprache (Spanisch) gelernt zu haben statt Französisch, welches ich nach fast 7 Jahren Schule wieder komplett verlernt habe. Ich versteh auch dieses Nationalisten Gemotze in den Kommentaren nicht. Jeder sollte doch die Sprache lernen, die einem selber am meisten weiterbringt.

  • ibostar88 am 11.12.2016 15:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte nicht

    Oouu nein bitte nicht.. bleiben wir lieber beim französisch und englisch