Abbruch

01. Februar 2016 15:16; Akt: 01.02.2016 15:36 Print

Korruption bei Schweizer Hilfsprojekt in Nepal

Ein Deza-Projekt in Nepal wird vorzeitig abgebrochen. Der Grund: Korruption bei einer Partnerfirma. Deren Direktor musste gehen.

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Das Entwicklungsprojekt in Nepal, das die Schweiz mit drei Millionen Franken unterstützt, verfolgt hehre Ziele: In den Gemeinden sollen die Verwaltungsstrukturen gestärkt und die Korruption bekämpft werden. Mit der Umsetzung des Projekts im erdbebenversehrten Land betraute die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) die lokale Partnerfirma Comat.

Im April letzten Jahres geriet das Projekt in die Negativschlagzeilen: K. G.*, der damalige Direktor des Mandat-Trägers, soll sich auf Kosten der Schweiz bereichert haben. Die Schweizer Botschaft in Katmandu liess die Vorwürfe durch externe Revisoren untersuchen. Diese befanden, dass 800'000 nepalesische Rupien (8500 Franken) zweifelhaft oder unzulässig verrechnet wurden. Laut dem Eidgenössischen Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) wurde G. sofort entmachtet. Zudem hat die Firma den Betrag zurückerstattet.

«Nur die Spitze des Eisbergs»

Gemäss Satish Gurung, einem ehemaligen Projektmitarbeiter und Aktionär von Comat, ist dies nur die Spitze des Eisbergs. In einem mehrseitigen Schreiben an 20 Minuten erhebt er eine Reihe weiterer Vorwürfe, die das EDA zum Teil bestätigt.

Zum Beispiel hat die aktuelle Direktion der Partnerfirma private Fahrzeuge mit Schweizer Entwicklungsgeldern geleast – zur Verschleierung unter falschem Namen. Trotzdem sind die beiden involvierten Direktionsmitglieder noch immer am Ruder. EDA-Sprecher Pierre-Alain Eltschinger begründet dies damit, dass die Deza «keinen Einfluss auf die Ernennung in diese Funktionen innerhalb von Comat» habe. «Dies liegt in der Verantwortung der Aktionäre.»

2014 hat eine Beratungsfirma zudem untersucht, inwiefern die Gemeinden die Richtlinien der nepalesischen Regierung zur Verteilung von Geldern einhalten. Auf der Grundlage dieser Zahlen sollte gemessen werden, ob das Schweizer Projekt wirkt. Auszüge aus E-Mails belegen, dass Comat erfundene, tiefere Werte übermittelte, um den Erfolg des Projekts zu schönen. Beim EDA heisst es dazu, dass man die Zahlen nicht akzeptiert und auf den Basisbericht der Beratungsfirma abgestellt habe.

Deza-Mitarbeiter geschmiert?

Laut Gurung lief schon die öffentliche Ausschreibung des Projekts unsauber ab: Deza-Mitarbeiter P.R.* soll den damaligen Comat-Direktor G. mit vertraulichen Informationen versorgt haben, die der Firma im Ausschreibungsverfahren eine vorteilhafte Position verschafften. So habe Comat erfahren, dass die Deza eine ausgewogene Vertretung der Ethnien im Projekt wünschte und den Projektantrag entsprechend angepasst hat.

Gurung sagt, R. habe Comat auch später den einen oder anderen «Gefallen» getan. So seien die Projektverantwortlichen über Kontrollen informiert worden und es hätten vom Deza verlangte Dokumente zur Beschaffung oder Rechnungslegung eiligst erstellt werden können. Diese seien dann rückdatiert worden.

Bund zieht die Notbremse

Die Rolle von R. untersucht das Compliance Office des EDA. EDA-Sprecher Eltschinger zufolge gibt es «keine Hinweise» darauf, dass der Mitarbeiter der Deza Insider-Informationen weitergegeben oder «sich in anderen Belangen bei der Verwaltung des Projekts inkorrekt verhalten hätte». Die Bewertung der Offerten sei gemäss den Schweizer Regeln für öffentliche Beschaffung und den in der Ausschreibung festgehaltenen Kriterien erfolgt.

Trotzdem zieht der Bund die Notbremse. Das Projekt wird schon per Juli beendet – ein Jahr früher als geplant. Zudem wird die Deza eine zusätzliche Revision des Projekts vornehmen. «Die Deza toleriert bei ihren Projekten keine korrupten Praktiken. Das frühzeitige Ende des Projektes auf Juli 2016 erlaubt es, dass die begonnenen Aktivitäten in geplanter Weise abgeschlossen werden können», so Eltschinger.

Gurung stellt den Verantwortlichen bei der Schweizer Botschaft in Kathmandu und beim Deza ein schlechtes Zeugnis aus: «Das Projekt müsste sofort beendet werden. Durch das zögerliche Vorgehen des Bundes können die korrupten Personen ungehindert wirken und Beweismittel vernichten.»

*Namen der Redaktion bekannt

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • PascalK2015 am 01.02.2016 15:29 Report Diesen Beitrag melden

    Ja Und? War ja klar.

    Tja, es wurde richtig geschrieben "die Spitze des Eisberges" und dies passiert bei allen Hilfsprojekten. Mich wundert das nicht. Aber es ist ja Trendy heutzutage. Man muss sich nur noch schämen, wenns ums Geld geht.

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  • Danis am 01.02.2016 15:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Direkt und persönlich

    Für einen Freund aus Nepal haben wir im Bekanntenkreis kleine Beträge in Couverts mit persönlichen Grüssen gesammelt und haben es direkt der Familie vergütet, total 1100 Franken. Ende Oktober war der Rohbau für zwei Familien fertig. Die Fotos haben wir erhalten, die Familie ist überglücklich. Von den Spendengelder hatten sie pro Familie 140 Dollar erhalten. Es funktioniert nur noch via Direkthilfe

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  • Edmund am 01.02.2016 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Hört endlich auf damit

    Habe schon lange aufgehört zu spenden und ich weiss warum. Als Alternative gebe ich da und dort etwas direkt und weiss dass es am genau richtigen Ort angekommen ist, zu 100%. Seit ich denken kann (70 Jahre) ist diese Spenderei an der Tagesordnung und es hat sich nichts, aber auch gar nichts verbessert für all die notleidenden Leute. Alles ist korrupt bis in die höchsten Etagen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • CptMcROFLcopter am 01.02.2016 22:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jedes Mal

    Wenn man versucht zu helfen, wird man heutzutage nur noch über den Tisch gezogen. Da spende ich lieber der Winterhilfe hier in der Schweiz. Da hab ich noch ein bisschen Vertrauen.

  • Cavi33 am 01.02.2016 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alt bekanntes Dilemma

    Ist doch an der Tagesordnung. Somit drängt sich eine Änderung der alten Strukturen in der Entwicklungshilfe auf. Dazu braucht es frische Ideen.

  • Toni. S. am 01.02.2016 17:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deshalb....

    Spende ich keiner Organisation je nur einen Rappen...Es bereichern sich alle... Von Fr. 100.00 gehen sofort 60 % für den Wasserkopf drauf und dann möchte der oder andere auch noch was für sich, letztendlich kommen vielleicht Fr. 10 dort an für was ich eigentlich gespendet habe... Deshalb von mir keine Spenden mehr...

  • Edmund am 01.02.2016 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Hört endlich auf damit

    Habe schon lange aufgehört zu spenden und ich weiss warum. Als Alternative gebe ich da und dort etwas direkt und weiss dass es am genau richtigen Ort angekommen ist, zu 100%. Seit ich denken kann (70 Jahre) ist diese Spenderei an der Tagesordnung und es hat sich nichts, aber auch gar nichts verbessert für all die notleidenden Leute. Alles ist korrupt bis in die höchsten Etagen.

  • Markus am 01.02.2016 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Unsäglich!Man weis es schon sehr lange

    Helft doch endlich mal den eigenen hiesigen Menschen hier anstatt Geld nur noch für die ganze Welt zu verteilen. Was ist mit den ü 45 die nun die neuen ü 50iger sind. Täglich schliessen Firmen hier und was macht der Staat? Fremdes Geld verteilen