Nagellack und Lippenstift

04. März 2015 12:21; Akt: 04.03.2015 12:21 Print

Kosmetika für Kids können Krebs auslösen

von Florian Meier - Chemiker warnen vor asiatischen Schminksets für Kinder. Konsumentenschützer fordern mehr Transparenz.

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Solche Kinder-Schminksets aus dem Fernen Osten können Krebs erzeugen oder zu Allergien führen.

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Plastiklippenstifte mit Arielle-Bildern oder Nagellacke im Mickymaus-Design: Das Angebot an Kosmetika speziell für Kinder ist riesig. Doch solche Produkte bergen Risiken. Das Basler Kantonslabor hat am Dienstag zum vierten Mal einen Bericht zur Qualität von Kinderkosmetika veröffentlicht. Dabei wurden vorwiegend Nagellacke und Lippenpflegeprodukte aus Warenhäusern, Spielzeugläden und Boutiquen in den Kantonen Basel-Stadt, Aargau und Zürich untersucht. Das Resultat: 9 der 44 untersuchten Produkte wurden sofort aus dem Verkehr gezogen. Grund dafür waren zu hohe Konzentrationen von krebserzeugenden Substanzen oder von Stoffen, die zu schlimmen Allergien führen können.

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Produkte kommen aus dem Fernen Osten

«Diese Produkte enthalten Stoffe, die man in vielen Kosmetika findet», sagt Urs Hauri, der die Studie geleitet hat. «Jedoch mussten wir feststellen, dass die Konzentration dieser Stoffe bei Kinderprodukten oft viel höher ist.» Das könne dazu führen, dass die Kinder auf diese Substanzen allergisch werden, und dies ein Leben lang bleiben. «Wenn sie sich dann später mit einer herkömmlichen Seife, die den entsprechenden Stoff nur in sehr geringen Mengen enthält, das Gesicht waschen, können unschöne Ausschläge entstehen.» Dabei sollte man ja eigentlich gerade bei Produkten für Kinder besonders vorsichtig sein.

Der Grund für das Problem sieht Hauri vor allem darin, dass Kinderkosmetika häufig aus dem Fernen Osten kommen. «Etablierte Unternehmen bieten solche Produkte oft gar nicht an, es entsteht also ein Nischenmarkt.» So stammen Kinderlippenstifte und -Nagellacke oft aus Ländern, die viel niedrigere Qualitätsstandards haben als die Schweiz.

Schweizweit Kontrollen gefordert

Laut Hauri sprechen die meist attraktiv verpackten Kosmetiksets vor allem Mädchen zwischen neun und zwölf Jahren an. «Vor allem bei Kindern, die lernen wollen, sich selbst zu schminken, kommen diese Produkte gut an.» Allerdings dürfen die gesundheitlichen Risiken nicht unterschätzt werden. «Da ist es viel sinnvoller und sicher auch gesünder, wenn die Kinder ab und zu mit dem Lippenstift vom Mami üben können.»

Die Konsumentenschützerin Sara Stalder fordert jetzt Massnahmen. Vor allem müsse man die Kosmetika schon vor der Markteinführung testen. Zudem stört Stalder, dass die Untersuchungen nur in drei Kantonen durchgeführt wurden. «Wir fordern, dass schweizweit vernetzte Kontrollen durchgeführt werden.»

Detailhändler kennen das Problem

Auch Bea Heim (SP, SO) fordert weitere Schritte. Sie stört vor allem, dass nicht publiziert wird, welche Produkte als gefährlich einzustufen sind. «Wenn ich meinem Kind ein gesundheitsschädliches Schminkset gekauft habe, will ich das wissen.»

Das Basler Kantonslabor will aber nicht sagen, in welchen Boutiquen oder Warenhäusern die schädlichen Produkte gefunden worden sind. Von den grossen Schweizer Detailhändlern war heute lediglich Manor für eine Stellungnahme erreichbar. Dort ist das Problem aber sehr aktuell. Gerade im Januar wurde ein Kinderschminkset wegen Grenzwertüberschreitungen aus dem Sortiment genommen. «Wir nehmen das Problem sehr ernst», sagt die Mediensprecherin Elle Steinbrecher. Im Bereich der Kinderkosmetik würden regelmässig stichprobenartige Kontrollen durchgeführt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • rolf mündig am 04.03.2015 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    tja....

    Man fragt sich, wieso sich die 4 Jährige Prinzessin auch schon schminken muss......Vielleicht liegt das Problem auch ganz einfach bei den Eltern....

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  • PlazeboZH am 04.03.2015 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    wohl wahr....

    ...da stimme ich rolf voll und ganz zu.... müssen kleinkinder bereits anfangen sich zu schminken? nein!!! aber früh übt sich... damit sie dann bereits mit 12 in hüftjeans und bauchfreiem top rumlaufen können.... und mit 14 dann halbnackt auf einer abrissbirne hin- und herschwingen...

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  • Toni am 04.03.2015 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bürokratie

    Also liebe Bürokratie-Nation Schweiz... Einfuhrverbot für Schminksets aus Fernost.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Küde am 05.03.2015 07:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sorry!

    Aber dazu haben wir die Fasnacht! dort können sich kleine Kinder schminken! Und wisst ihr was? Es macht erst noch viel mehr Spass, wenn es dadurch etwas Spezielles wird, da es nur eine begrenzte Zeit lang gilt!!

  • Kindergärtner am 05.03.2015 06:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schminken ist ein Spiel

    Wenn ich hier die Kommentare lese, frage ich mich wirklich was in den Köpfen von einigen Menschen abgeht! Ich hatte früher auch ein Schminkset & habe es jeweils zum SPIELEN verwendet. Ein Kind schminkt sich nicht, damit es schöner aussieht im KiGa, sonder um beim Rollenspiel (wichtig für Kinder) den Charakteren besser zu spielen. Was ist also falsch daran, wenn ein Kind für 1 Stunde wie ein Clown (denn so sieht es normalerweise aus) aussieht?! Alle die hier von schlechter Erziehung sprechen, sollten sich zuerst Mal wieder direkt mit Kindern auseinandersetzen und deren Bedürfnisse beachten!

    • Mutter am 05.03.2015 14:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ...

      Vielen Dank für Ihren komentar! Vielleicht haben all jene die Ständig Bashing gegen Eltern machen selbst eine schlechte Kindheit erlebt und durften sich nie in Rollenspielen ausleben. Deswegen finden sie, die Kinder von heute dürfen auch keinen Spass haben. Kinder sind ja ohnehin überall nur noch lästig. ;-) Haben wir mitleid mit denen und seien wir stolz darauf wenn die eigenen Kinder noch glückliche Kinder sein dürfen.

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  • Nina am 05.03.2015 00:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Giftig

    Tatsache ist, dass diese Kosmetikprodukte nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene giftig und krebserregend sind. Das effektive Problem ist, dass es den Kindern vorgelebt wird, solche Produkte gut zu finden. Die Eltern sollten sich über ihre Rolle klar werden und nicht immer dem Zeitgeist die Schuld geben.

  • fg am 04.03.2015 23:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    gegenfrage! gibts noch was dass kein krebs auslöst? eigentlich sollte ich schon 15 krebse haben bei allem was das auslösen soll. also egal, geniesst das leben solange es geht!

    • Nina am 05.03.2015 00:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ja es gibt

      Sehr wohl gibt es sehr viele Dinge, die keinen Krebs auslösen. Was denken Sie warum die letzten Jahre Krebs so weit verbreitet ist? Weil erst jetzt allmählich bekannt wird, was alles dafür verantwortlich ist oder sein kann. Wenigstens sollten wir unsere Kinder davor bewahren und aufklären. Vielleicht machen sie's dann besser als wir.

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  • Gwen Ehrler am 04.03.2015 18:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kinder werden immer früher wie Erwachsene behandel

    Schminken und Verkleiden ja. Dann gebe ich den Kinder, aber die Fasnachtsschminke, die wasserlöslich und daher unbedenklich ist. Doch für den Kindergarten Lidschatten und Lippenstift auftragen. Nein!Ich finde es wichtig, dass meine Töchter sich so akzeptieren wie Sie aussehen. Es gibt genug Frauen und Mädchen, die sich ohne Schminke nicht aus dem Haus trauen?! Das will ich nicht für meine Kinder. Ich möchte, dass Sie ein gesundes Selbstvertrauen entwickeln. In der Oberstufe bin ich gerne bereit Ihnen einen Kosmetik Besuch zu bezahlen.Wenn Schminken, dann schön und nicht wie ein Farbmalkasten!