Arztrechnung

05. März 2019 09:21; Akt: 05.03.2019 15:57 Print

Kranke sollen grösseren Teil selber zahlen

Kranke sollen sich stärker an den Behandlungskosten beteiligen müssen. Nach dem Nationalrat hat auch der Ständerat beschlossen, die Franchisen zu erhöhen.

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Der Ständerat hat am Dienstag mit 26 zu 13 Stimmen einer Änderung des Krankenversicherungsgesetzes zugestimmt. Diese erlaubt dem Bundesrat, die ordentliche Franchise und die Wahlfranchisen regelmässig an die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen anzupassen.

Vorgesehen ist eine Erhöhung um 50 Franken, sobald die durchschnittlichen Bruttokosten der Leistungen pro versicherte Person mehr als 13-mal höher liegen als die ordentliche Franchise. Eine erste Anpassung der Franchisen ist auf den Zeitpunkt des Inkrafttretens geplant. Die Franchisen für Kinder sind davon nicht betroffen.

Keine Auswirkung auf die Kosten

Der Bundesrat hatte die ordentliche Franchise bereits mehrmals angepasst. Bei der Einführung des Krankenversicherungsgesetzes 1996 betrug diese noch 150 Franken – etwa 1/12 der Kosten pro versicherter Person. Auch nach späteren Erhöhungen betrug das Verhältnis Franchise zu Bruttokosten jeweils rund 1:12.

Die Mehrheit stimmte dem vorgeschlagenen Mechanismus zu, um dieses Verhältnis auch in Zukunft wahren zu können. Damit werde die Eigenverantwortung der Versicherten gestärkt und der Kostenanstieg gedämpft, sagte Kommissionssprecher Joachim Eder (FDP/ZG). Es sei auch der Kommission bewusst, dass die Prämienlast für viele Haushalte ein echtes Problem sei.

Allerdings würden die Möglichkeiten der Prämienoptimierungen durch einen Wechsel der Kasse oder des Versicherungsmodells nach wie vor zu wenig genutzt. Laut Eder hätten letztes Jahr 1,2 Millionen Versicherte ihre Prämien um 40 Prozent senken können – bei gleicher Deckung. Ivo Bischofberger (CVP/AI) wies darauf hin, dass die Gesundheitskosten auch wegen Arztbesuchen in Bagatellfällen stiegen.

Die Linke wehrte sich gegen die Erhöhung der ordentlichen Franchise. Damit werde das Solidaritätsprinzip geritzt, sagte Hans Stöckli (SP/BE). Immer mehr Menschen verzichteten auf ärztliche Leistungen, weil sie es sich nicht leisten könnten. «Das ist dramatisch.» Didier Berberat (SP/NE) warnte, dass verspätete Behandlungen zu Mehrkosten führen könnten.

SP ergreift Referendum

Im Vergleich der OECD-Länder zahlten die Versicherten in der Schweiz schon heute den grössten Teil der Gesundheitskosten aus der eigenen Tasche. «Es droht eine Zweiklassenmedizin.» Vor diesem Hintergrund hat das SP-Präsidium am Montag beschlossen, das Referendum gegen die Franchisenerhöhung zu ergreifen. Die Partei hat ausserdem eine Initiative lanciert, um die Prämien bei 10 Prozent des Haushaltseinkommens zu begrenzen.

Abgelehnt hat der Ständerat verschiedene Motionen aus dem Nationalrat, die höhere Franchisen verlangten. Die Vorstösse, die die ordentlichen Franchisen betrafen, hält die Mehrheit für erfüllt. Eine Motion der FDP, die mit höheren Franchisen zusätzliche Rabatte ermöglichen wollte, ging dem Ständerat zu weit. Kommissionssprecher Eder warnte vor überproportionalen Rabatten und nicht zu unterschätzende Auswirkungen auf den Risikoausgleich.

Vom Tisch ist das Thema damit aber nicht: Im Nationalrat ist eine Motion der Gesundheitskommission hängig, die eine ordentliche Franchise von 500 Franken verlangt.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kranke Maus am 05.03.2019 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Chronisch krank

    Macht schon Spass, dass wir jedes Jahr mehr zahlen müssen. Ich arbeite 100%, bin aber chronisch erkrankt, d.h. ich zahle jedes Jahr schon hohe Prämien wegen der tiefen Franchise und zahle zusätzlich die 300 CHF Franchise + 700 CHF Beteiligung jedes Jahr. Da wünsche ich mir lieber eine Kostenbeteiligung für Personen, welche in den Notfall rennen mit 0815 Leiden! Es ist aber einfacher die wirklichen Kranken zu bestrafen.

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  • passukarrunosekai am 05.03.2019 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Hohn

    Und die nennen sich "Volksvertreter"? Was für ein Hohn.

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  • Thomas am 05.03.2019 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Himmeltraurig

    Stoppt den Franchisen Betrug sofort! Gesundheit muss auch für die Wenigverdiener bezahlbar bleiben. Ich hoffe es rummst bald gewaltig in diesem Land. Wir werden immer mehr abgezockt. Von denen die sowieso schon genug haben. Es ist zum in den Himmel schreien! Was vor 20 Jahren funktionierte, fährt heut gegen die Wand. Und das nur, das die reichen nochmehr spaaren können. Nicht mehr mein Land!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chris am 15.03.2019 22:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ungerecht

    Bin seit meinem 9. Lebensjahr krank und brauche Medikamente. Habe mir die Krankheit nicht ausgesucht und soll dafür jetzt büssen! Obwohl ich jetzt schon selten zum Arzt gehe und ich es manchmal mehr müsste. Sage mir immer, die Kosten sollen ja gesenkt werden! Trotzdem soll ich mehr zahlen?!

  • Lohnempfänger am 14.03.2019 19:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teuerungsindex ohne Krankenkasse

    Warum sind die Krankenkassenprämien nicht im Warenkorb für den Index der Konsumentenpreise? So würde bei den ewig steigenden Prämien ein fairerer Wert für die Kostensteigerungen ausgewiesen und vielleicht auch mit Lohnerhöhungen ausgeglichen. Beim jetzigen System weisen wir eine Teuerung von 0,1 aus, obwohl die Lebenskosten für jeden Einzelnen seit Jahren um ein Vielfaches ansteigen. Dass eine Erhöhung der Franchisen für den Steuerzahler eine Entlastung bringe, ist wohl eine Fehlüberlegung. Die Kosten bleiben die selben. Sie werden nur woanders in Rechnung gestellt (Mittelstand grüsst).

  • Chronischkranker am 14.03.2019 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Krankenkosten und kein Ende

    Die Kosten folgen den Preisen. Dass diese zu hoch sind, nimmt man einfach so hin. Lässt das Obligatorium fallen und die Konkurrenz nimmt wieder zu. Der Zwang kann umgangen werden und noch keiner ist wegen Finanznot gestorben.

  • Franz K am 11.03.2019 13:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Missbrauch Notaufnahme

    Krankenkassen abschaffen. Unfall und Spitalversicherung reicht vollkommen. Und in Notaufnahmen nur nach Zuweisung von Unfallärztinnen, Hausarzt oder Rettungssanitäter.

    • Xeno72 am 11.03.2019 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Franz K

      Dann geht jeder, der ökonomisch denkt, immer gleich ins Spital. Dann explodieren die Kosten aber in einer Weise, dass das bisher nur ein laues Lüftchen war.

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  • W.Höfi am 07.03.2019 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fass ohne Boden

    Es kommt so weit,das die Krankenkassen Prämien nicht mehr zu Ertragen sind. Aufs Neue Jahr Prämien um 20.-gestiegen. AHV betrag um 20.- erhöht worden.Was hat es gebracht? Habe ich jetzt mehr im Gelbeutel?Glaube nicht!!!! Und jetzt Franchise um 50.- erhöhen? Und nach und nach um je 50.- nach oben? Brauche bald keine Kranken Kasse mehr,wenn man immer mehr selber bezahlen muss !!!

    • F. Krenz am 11.03.2019 13:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @W.Höfi

      Haben Sie es noch nicht begriffen? Die Schweiz ist eine Gelddiktatur.

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