Gesundheitskosten

02. November 2016 05:48; Akt: 02.11.2016 05:48 Print

Kranke sollen sich im Ausland behandeln lassen

von J. Büchi - Krankenkassen wollen auf Behandlungen ennet der Grenze setzen. Sie versprechen sich davon tiefere Kosten – und eine höhere Qualität.

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Wir fahren zum Shoppen nach Deutschland, studieren in England und lassen Gemüse aus Spanien einfliegen. Geht es hingegen um die Gesundheit, sind die Landesgrenzen dicht: Die Grundversicherung der Krankenkasse darf von Gesetzes wegen im Normalfall nur Leistungen bezahlen, die in der Schweiz erbracht wurden.

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Nun gerät die Regelung unter Beschuss: Unterstützt von Stimmen aus Wirtschaft und Politik wirbt die Krankenkasse CSS in ihrem Magazin «Im Dialog» für offene Grenzen im Gesundheitssystem. Wer sich im Ausland behandeln lassen wolle, bezahle dies heute aus dem eigenen Sack, schreibt CSS-Chefin Philomena Colatrella im Editorial. «Auch wenn die Qualität in einer ausländischen Klinik vielleicht besser und der Preis günstiger wäre.»

Günstigere Medikamente

Damit liegt die CSS auf der Linie des Krankenkassenverbandes Santésuisse. Auch der Gesundheitsverantwortliche von Economiesuisse und der Preisüberwacher sprechen sich im Magazin dafür aus, «den Zaun ums Gesundheitswesen» einzureissen. «Unsere Gesundheitskosten haben sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt – und die Kurve zeigt weiter steil nach oben», so Preisüberwacher Stefan Meierhans auf Anfrage.

Bei Medikamenten, Hilfsmitteln und Behandlungen, die im Ausland günstiger sind, mache eine Kostenübernahme deshalb Sinn. Schon heute ermuntert er Krankenkassen dazu, im Ausland gekaufte Medikamente zu vergüten – obwohl das gegen das Gesetz verstösst. «Ich verstehe einfach nicht, warum man jemanden bestrafen soll, der einen Sparbeitrag leistet.»

Aber auch Qualitätsgründe sprechen für Meierhans für eine Öffnung: «Wenn ein Schweizer Spital eine Operation nur ein Dutzend Mal pro Jahr durchführt, und eine spezialisierte ausländische Klinik 2000-mal, dürfte die Routine zu besseren Ergebnissen führen.»

Notfall-Behandlungen schon heute möglich

Der Spitalverband H+ lässt diese Argumente nicht gelten. «Die Schweiz hat eines der besten Gesundheitssysteme weltweit», so Sprecherin Dorit Djelid auf Anfrage. Unter dem Gesichtspunkt der Qualität und Patientensicherheit gebe es keine Notwendigkeit, sich im Ausland behandeln zu lassen. «Und bei Notfällen können sich die Schweizerinnen und Schweizer schon heute im europäischen Ausland auf Kosten der Grundversicherung behandeln lassen.»

Müssten sich die Schweizer Spitäler im Wettbewerb mit ausländischen Kliniken behaupten, drohten die Löhne unter Druck zu geraten, so Djelid weiter. Denn das Personal mache heute rund 60 bis 70 Prozent der Spitalkosten aus. Darauf verweist auch SP-Gesundheitspolitikerin Barbara Gysi: «Der Konkurrenzkampf ist Gift für unser Gesundheitswesen.» Sie befürchtet, dass nicht nur die Löhne gesenkt, sondern weniger Personal ausgebildet und Stellen gestrichen würden.

Mehr Wettbewerb führe zudem dazu, dass sich die Kliniken gegenseitig «die guten, vermögenden Patienten abjagen», so Gysi weiter. Es drohe eine Zweiklassenmedizin – auf tiefere Preise zu hoffen, sei hingegen illusorisch. «Und schliesslich stellte sich auch die Frage, wie die Patienten vor qualitativ mangelhaften Behandlungen im Ausland geschützt werden könnten.»

Erste Lockerung beschlossen

Preisüberwacher Meierhans räumt ein, dass es bei der Umsetzung verschiedene Fragen zu beachten gälte. «Die Versorgungssicherheit in der Schweiz muss auf jeden Fall sichergestellt bleiben.» Klar sei auch, dass niemand gezwungen werden dürfte, sich im Ausland behandeln zu lassen.

Eine erste Lockerung hat das Parlament in der Herbstsession bereits beschlossen: In grenznahen Regionen dürfen sich Patienten künftig auch im nahen Ausland behandeln lassen. In zwei Pilotprojekten in Basel/Lörrach und St. Gallen/Liechtenstein wurde das bereits getestet – das Interesse fiel allerdings bescheiden aus.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MitchMa am 02.11.2016 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so so....

    dann wollen wir auch eine Krankenkasse aus dem Ausland wählen dürfen! Die Krankenkassen sollen auch über die Bücher und günstigere Orte für ihre Standorte wählen. Es braucht nicht immer das modernste Büro an top Lage!

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  • nicht0815 am 02.11.2016 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Medi ja - OPs fraglich

    Mindestens meine teuren Medikamente, welche ich das ganze Jahr einnehmen muss, würde ich sofort im Ausland kaufen.

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  • June am 02.11.2016 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Scheinheiligkeit hoch 10

    Bei Konsumgütern wird gross Furore gemacht, wenn man im grenznahen Ausland einlauft und dann sowas. Ich bin auch dafür, dass man sein Geld dort ausgibt, wo man es verdient hat. Woher kommt diese Schnapsidee? Wer lässt sich denn dann noch in der CH behandeln, wenn es den Einheimischen zu teuer wird? Der Pflegesektor ist eh schon unterbesetzt, wenn dann noch tausende von Patienten abwandern, wird der Workload pro FaGe bestimmt nicht weniger (es kommen wohl einfach andere Aufgaben dazu), bestimmt aber der Lohn.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ususamamijuhu am 04.11.2016 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was tun wir da?

    Langsam aber sicher könnten wir die Schweiz auflösen. Mir kommt es vor als wir nur noch Statisten wären für Politiker und spielen Schweiz und Bürger der Schweiz.

  • Crigs am 03.11.2016 14:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    IRRSINN SCHWEIZ

    Unser Gesundheitswesen ist eine Planwirtschaft und wird zu Grunde gehen. Einerseits warnt man von Pauschalverträgen und andererseits zockt man damit so richtig ab. Das Gesundheitswesen ist intransparent, die Krankenkassenprämien willkürlich und die Kostenabrechnungen schlicht eine Nötigung. Mit der angeblichen modernen Medizin ist kein Schweizer gesünder als früher. Weshalb sitzen die Politiker alle in den Verwaltungsräten von Krankenkassen und zocken ???

  • Rudolph am 02.11.2016 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Ärzte

    Die Ärzte und Spitäler im europäischen Ausland sind sehr gut, wenn nicht sogar besser, als in der Schweiz. Das hat meine in Spanien lebende Schwägerin (CH) selber erlebt. Sie suchte für Ihre schwere Erkrankung eine Klinik und fragte als erstes in der Schweiz an. Ihre Anfragen wurden gar nicht beantwortet (z.B. Inselspital Bern!). In Deutschland war man bereit, sie zu untersuchen und empfahl ihr dann, sich in einer spanischen Klinik operieren zu lassen - zu ihrer vollen Zufriedenheit! Schon penibel, dass sich die Schweizer Kliniken nicht einmal gemeldet hatten!

  • strubeli1 am 02.11.2016 18:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nie und nimmer

    Soweit sind wir nun.Was kommt als nächstes...Unglaublich.Ich würde nie und nimmer im Ausland behandeln lassen ,auser ich bin irgendwo und es geht nicht anders.

  • Rafael am 02.11.2016 14:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    okay

    könnten wir nicht erst die Gefängnisinsassen exportieren? Und wie macht man das mit Flüchtlingen, welche nichtmal über die Grenze kommen?