Zusatzversicherung

11. Oktober 2018 21:19; Akt: 11.10.2018 21:19 Print

Visana lehnt Frau wegen «Sche…krankheit» ab

von A. Peterhans - Einer krebskranken Frau wurde die Zusatzversicherung verweigert. Grund sei ihre «Sche...krankheit», schrieb ihr Krankenkassen-Berater.

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Der krebskranken L.W. wurde von Visana die Zusatzversicherung verweigert. In einem Mail äussert sich ein Berater der Kasse auf Nachfrage: Die Absage tue ihm leid. Grund dafür sei ihre «sche... Krankheit». In einem Gespräch am Telefon soll ihr Berater zudem gesagt haben, sie solle sich in zwei drei Jahren wieder melden, «wenn sie vielleicht Kinder oder die Gebärmutter komplett draussen hat». Eigentlich wollte W. nur die Prämien vergleichen und holte sich deshalb Offerten bei verschiedenen Krankenkassen ein. «Wie fast jede Person, übernahm ich einfach die Krankenkasse, die damals meine Eltern eröffnet hatten», sagt sie. Nicht erstaunt über die Ablehnung ist Erika Ziltener, Präsidentin des Dachverbands Schweizerischer Patientenstellen. «Bei der Zusatzversicherung steht es der Krankenkasse frei, Versicherte selbst bei minimalem Risiko abzulehnen.» Grundsätzlich sollten sich Versicherte überlegen, ob eine Zusatzversicherung auch wirklich notwendig sei, meint Ziltener. «Wenn gegenüber der obligatorischen Grundversicherung nur die freie Spitalwahl zur zusätzlichen Leistung gehört, lohnen sich die Kosten häufig nicht.» Im Spital sei etwa ein Upgrade oft auch zu erschwinglichen Preisen möglich. Sich beraten zu lassen sei wichtig, sagt Ziltener. «Es ist notwendig, vor Spitaleintritt den eigenen Versichertenstatus genau zu kennen und etwa zu wissen, ob ein Spital von der Versicherung ausgeschlossen ist», sagt die Expertin. Für W. nahm die Geschichte trotzdem eine glückliche Wende. «Ich konnte bei meiner jetzigen Krankenkasse den Betrag auf 419 Franken senken. Das heisst, ich zahle sogar noch weniger als bei Visana.» Bis Ende November können Versicherte ihre Grundversicherung wechseln. Bei den Zusatzversicherungen sind die Fristen nicht einheitlich.

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Die 28-jährige L. W.* hat Gebärmutterhalskrebs. Deshalb wurde sie im September von der Krankenversicherung Visana nicht in eine Zusatzversicherung aufgenommen. In einem Mail, das 20 Minuten vorliegt, äussert sich ein Berater der Kasse auf Nachfrage von W. unverblümt: Die Absage tue ihm leid. Grund dafür sei ihre «Sche…krankheit», heisst es dort. In einem Gespräch soll eine Mitarbeiterin der Risikoprüfung zudem gesagt haben, sie solle sich in zwei, drei Jahren wieder melden, «wenn sie vielleicht Kinder oder die Gebärmutter komplett draussen hat».

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Der Krebs wurde bei ihr 2017 festgestellt. Einen Teil ihrer Gebärmutter musste sie operativ entfernen, eine Chemotherapie blieb ihr erspart, sie könnte immer noch schwanger werden. Jetzt sei ihre Krankheit stabil. Dass sie von Visana abgelehnt wurde, macht sie wütend. «Ich dachte immer, in der Schweiz sei alles korrekt geregelt und man könne von Fairness sprechen», sagt W.

«Ja, Ihre Sche…krankheit ist der Grund»

Eigentlich wollte W. nur die Prämien vergleichen und holte sich deshalb Offerten bei verschiedenen Krankenkassen ein. «Wie fast jede Person übernahm ich einfach die Krankenkasse mit dem Zusatz Halbprivat, die damals meine Eltern eröffnet hatten. Irgendwann fuchsten mich die hohen monatlichen Prämien von 589 Franken», sagt sie. «Bei meinem Beratungsgespräch hiess es, dass ich bei Visana trotz Zusatz Halbprivat mehr als 100 Franken monatlich einsparen könne.»

Ein Wechsel der Zusatzversicherung war für W. bis Ende September möglich. Im Gegensatz zur obligatorischen Krankenversicherung ist die Zusatzversicherung freiwillig. Das heisst auch, dass Versicherungen nicht verpflichtet sind, eine Person aufzunehmen (siehe Box).

Visana-Sprecherin Isabelle Bhend sagt, nach «eingehender Risikoprüfung des Gesundheitszustands» könne es zu einer Ablehnung kommen. «Gerade im Bereich von Krebserkrankungen bedarf es einer individuellen Prüfung, da die Folgen und der Verlauf je nach Krebsart und Patient völlig unterschiedlich sein können.» Die Ablehnung sei aber nicht lebenslänglich ausgesprochen worden, eine Aufnahme nach erfolgter «Heilung» sei durchaus möglich. Die Wortwahl des Verkaufsberaters entspreche nicht den Richtlinien. «Im Kontext einer Gebärmutterhalskrebserkrankung bei einer jungen Frau ist dies zwar nicht professionell, aber menschlich und nachvollziehbar.» Der Berater habe damit vermutlich sein Mitgefühl ausdrücken wollen.

Zusatzversicherer dürfen ablehnen

Nicht erstaunt über die Ablehnung ist Erika Ziltener, Präsidentin des Dachverbands Schweizerischer Patientenstellen. Bei der Zusatzversicherung stehe es der Krankenkasse frei, Versicherte selbst bei minimalem Risiko abzulehnen. «Die Versicherung kann aber auch ein Ausschlussvorgehen vorschlagen. Die Krankenkasse kommt dann für Leistungen, die etwa mit der Krebskrankheit zusammenhängen, nicht auf.» Ziltener rät, die Zusatzversicherung auf jeden Fall erst zu kündigen, wenn eine neue Versicherung bereits abgeschlossen ist.

Grundsätzlich sollten sich Versicherte überlegen, ob eine Zusatzversicherung auch wirklich notwendig sei. «Wenn gegenüber der obligatorischen Grundversicherung nur die freie Spitalwahl zur zusätzlichen Leistung gehört, lohnen sich die Kosten häufig nicht.» Im Spital sei etwa ein Upgrade in ein Einzel- oder Zweierzimmer oft auch zu erschwinglichen Preisen möglich.

Viele Schweizer von Prämienlast betroffen

Es lohne sich, verschiedene Offerten für eine Zusatzversicherung einzuholen und in der Grundversicherung einen Wechsel in Betracht zu ziehen, meint Ziltener. «Es gibt immer noch viele Menschen, die von einer grossen Prämienlast betroffen sind.» Dazu kämen komplizierte Versicherungsmodelle und viel Kleingedrucktes, das oft zu wenig beachtet werde. «Es ist wichtig, vor einem Spitaleintritt den eigenen Versichertenstatus zu kennen und etwa zu wissen, ob ein Spital von der Versicherung ausgeschlossen ist», sagt die Expertin.

Für W. nahm die Geschichte trotzdem eine glückliche Wende. «Ich konnte bei meiner jetzigen Krankenkasse den Betrag auf 419 Franken senken. Das heisst, ich zahle sogar noch weniger als bei Visana.»

*Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • U. Erträglich am 11.10.2018 21:29 Report Diesen Beitrag melden

    Täglich grüsst...

    Und täglich grüssen die KK via Werbeanrufen. Unglaubliche Geldverschwendung. Unglaublich nervender Telefonterror.

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  • Pragmatiker am 11.10.2018 21:27 Report Diesen Beitrag melden

    Tja so ist es halt...

    Zusatzversicherungen dürfen alles: Prämien erhöhen ohne Vorankündigung, ablehnen wegen Krankhiet, ablehnen wegen Alter... Es lebe unser Gesundheitssystem!

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  • Larissa am 11.10.2018 21:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlechte Wortwahl

    Die Zusatzversicherung hat nun mal das Recht Patienten abzuweisen. Und gerade bei bestehenden Krankheiten wird es fast unmöglich das man aufgenommen wird. Die Wortwahl ist natürlich definitiv nicht okay.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Anonym am 12.10.2018 23:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Visana

    Ich würde so schnell wie möglich die Krankenkasse wechseln. Typisch Visana, im nehmen top und im geben flop. Viel zu teuer und schlechte Leistung. Als ich die KK selber bezahlen musste rat mir mein Vater, gehe so schnell wie möglich weg von der Visana und dies tat ich zum Glück auch.

  • BÄERLI am 12.10.2018 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    KK.

    Als Chef würde ich dieser Mitarbeiterin fristlos kündigen. Grund Ungebührliches Verhalten

  • Büezer 62i am 12.10.2018 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Korrekt geregelt - ha ha ha

    Selten so gelacht. Im Ernst, dass ist traurige "Wirklichkeit im schönen Schweizerländle". Bannanenrepuplik trifft für dieses Land immer besser zu.

  • Anonymous am 12.10.2018 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsches Spiel!

    Tja, jahrelang Rechnungen unkontrolliert durchwinken, tief in die roten Zahlen fallen und dann alle fragwürdigen Hebel in Gang setzen, um gross Werbung zu machen, dass die Prämie im nächsten Jahr nicht steigt! Das sind die Blender von Visana ZV! Mit halblegalen und suggestierenden Fragebögen werden EMR Leistungen skrupellos gekürzt um dem Kunden keine Vertragsänderungen abzuverlangen, welche für viele Kunden zum Wechsel führen würde! Mittels Kreuzchen muss der Therapeut eine von 4 Antworten ankreuzen, welche allesamt nicht leistungspflichtig, und so limitierend sind. Ein ganz falsches Spiel!!!

  • Ernst Blum am 12.10.2018 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr ungeschickte Formulierung

    aber recht hat er. Bei einer Zusatzversicherung wird man bei bestehender Erkrankung (z.B. Diabetes, etc.) generell bei allen KK abgelehnt.