Konversionstherapie

04. Juli 2019 06:55; Akt: 04.07.2019 08:50 Print

Krankenkasse zahlt für «Heilung» Homosexueller

Ein Selbstversuch zeigt, wie einfach zugänglich «Therapien» zur «Heilung» von Homosexualität sind. Sogar die Krankenkasse spielt mit.

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In einem Selbstversuch deckt das Magazin «Gesundheitstipp» auf, wie einfach zugänglich sogenannte Konversionstherapien – «Therapien» zur «Heilung» von Homosexualität – sind und mit welchen «Methoden» gearbeitet wird. Das Magazin schleuste einen jungen schwulen Mann als Testperson beim anerkannten Psychiater Lukas Kiener in Küssnacht ein, der diese «Therapie» sogar über die Krankenkasse abrechnet. In der Gesprächstherapie erklärt der Psychiater dann sein Vorgehen. Er wolle Rollenvorbilder analysieren und schauen, ob der Klient sexuell missbraucht worden sei. Ausserdem habe der Psychiater seinen Klienten vorab gebeten, Fotos von Männern, die ihm gefielen, mitzubringen. Es dürften durchaus auch pornografische Bilder sein. Kieners Begründung: ... ... «Wir schauen zusammen an, was Ihnen an dem Mann gefällt. Denn das fehlt Ihnen selbst.» Man müsse nämlich «ganz Mann» sein, sich ganz im eigenen Geschlecht wohlfühlen, dann werde das andere Geschlecht auch interessant. Die ersten 40 Sitzungen übernehme die Krankenkasse, danach müsse ein Antrag gestellt werden. Dies sei aber unproblematisch: «Solche Anträge verlängern die Kassen eigentlich immer», so Kiener zum Klienten. Fachleute sind entsetzt. «Homosexualität zu behandeln, ist ethisch in keiner Weise vertretbar», sagt «Gesundheitstipp»-Psychologe Henri Guttmann. Er wirft Kiener «seelische Misshandlung» von Klienten vor. Fachleute sind sich einig, dass solche Konversionstherapien gefährlich sind. «Daraus können grosse Verzweiflung und Probleme mit dem Selbstwertgefühl entstehen», schreibt Matthias Jäger, Direktor der Erwachsenenpsychiatrie in Baselland in einem Fachmagazin. Der Verband Pink Cross fordert dringende politische Massnahmen, um Homo-Heilungen endlich zu stoppen. «Wir alle zahlen mit unseren Krankenkassenprämien für «Behandlungen», die nicht nur unnütz sind, sondern grossen Schaden bei den Betroffenen anrichten», sagt Roman Heggli, Geschäftsführer von Pink Cross. Diese Forderung deckt sich mit der Ende Juni eingereichten Motion von BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti und SP-Nationalrat Angelo Barrile. Sie beauftragten den Bundesrat, die sogenannten Konversionstherapien zur Veränderung der sexuellen Orientierung von Kindern und Jugendlichen zu verbieten.

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In einem Selbstversuch deckt das Magazin «Gesundheitstipp» auf, wie einfach zugänglich sogenannte Konversionstherapien – «Therapien» zur «Heilung» von Homosexualität – sind und mit welchen «Methoden» gearbeitet wird. Das Magazin schleuste einen jungen schwulen Mann als Testperson beim anerkannten Psychiater Lukas Kiener in Küssnacht ein, der diese «Therapie» sogar über die Krankenkasse abrechnet.

«Man muss ganz Mann sein, dann wird das andere Geschlecht interessant»

Im April habe die Testperson und ihre Begleiterin, eine «Gesundheitstipp»-Redaktorin, nach monatelangen Bemühungen endlich einen Termin beim Innerschweizer Psychiater bekommen.

In der Gesprächstherapie erklärt der Psychiater dann sein Vorgehen. Er wolle Rollenvorbilder analysieren und schauen, ob der Klient sexuell missbraucht worden sei. Zudem arbeite er mit der EMDR-Methode, mit der in der Regel traumatisierte Menschen wie Kriegsveteranen therapiert würden. Ausserdem habe der Psychiater seinen Klienten vorab gebeten, Fotos von Männern, die ihm gefielen, mitzubringen. Es dürften durchaus auch pornografische Bilder sein. Kieners Begründung: «Wir schauen zusammen an, was Ihnen an dem Mann gefällt. Denn das fehlt Ihnen selbst.» Man müsse nämlich «ganz Mann» sein, sich ganz im eigenen Geschlecht wohlfühlen, dann werde das andere Geschlecht auch interessant.

Krankenkassen bezahlen «Therapiesitzungen»

Laut dem Psychiater werde die Therapie mindestens zwei Jahre dauern, wobei am Anfang jede Woche eine Sitzung notwendig sei. Die ersten 40 Sitzungen übernehme die Krankenkasse, danach müsse ein Antrag gestellt werden. Dies sei aber unproblematisch: «Solche Anträge verlängern die Kassen eigentlich immer», so Kiener zum Klienten.

Fachleute zeigen sich entsetzt

«Homosexualität zu behandeln, ist ethisch in keiner Weise vertretbar», sagt «Gesundheitstipp»-Psychologe Henri Guttmann. Er wirft Kiener «seelische Misshandlung» von Klienten vor. Fachleute sind sich einig, dass solche Konversionstherapien gefährlich sind. «Daraus können grosse Verzweiflung und Probleme mit dem Selbstwertgefühl entstehen», schreibt Matthias Jäger, Direktor der Erwachsenenpsychiatrie in Baselland in einem Fachmagazin. Depressionen, Angststörungen oder andere psychische Krankheiten, «die nicht selten auch zu Selbstverletzungen und Suizid führen», könnten dadurch entstehen. Kiener wollte sich laut dem Magazin nicht zur Kritik äussern.

Verbot von Konversionstherapien gefordert

Der Verband Pink Cross fordert dringende politische Massnahmen, um Homo-Heilungen endlich zu stoppen. «Wir alle zahlen mit unseren Krankenkassenprämien für «Behandlungen», die nicht nur unnütz sind, sondern grossen Schaden bei den Betroffenen anrichten. Das kann doch nicht legal sein», sagt Roman Heggli, Geschäftsleiter von Pink Cross. Es bestehe dringender Handlungsbedarf, weshalb die Politik und Ärztevereinigungen nicht weiterhin die Augen vor der Realität verschliessen dürften. «Der Bundesrat ist gefordert, diese schlimmen «Therapien» endlich zu stoppen.»

Diese Forderung deckt sich mit der Ende Juni eingereichten Motion von BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti und SP-Nationalrat Angelo Barrile. Sie beauftragten den Bundesrat, die sogenannten Konversionstherapien zur Veränderung der sexuellen Orientierung von Kindern und Jugendlichen zu verbieten. Pink Cross startet heute zusätzlich eine Petition.

(mm)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R.Freitag am 04.07.2019 07:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geit's no???

    Na super, und Prämienzahler mit echten Krankheiten müssen ihre Behandlungen z.T. selber bezahlen, da nicht alles "anerkannt" ist, oder die Franchise sehr hoch gestellt werden musste! Wer mistet endlich den KK-Stall aus?

  • Franziska am 04.07.2019 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo sind wir gelandet

    Was ??? 40 Sitzungen bezahlen Sie ? und Physios, Masseure und andere Therspien müssen nach 9 Behandlungen erklärt werden ? z.b. warum es bei Verdauungsproblemen Fussreflexzonenmassagen braucht oder warum nach OP's Therapeutische Massagen gebraucht werden oder gegen Schwindel Cranio Sacral oder gegen Oedeme in den Beinen Lymphdrainage oder in der Schwangerschaft Rückenentlastende Massagen usw..... wo sind wir hier gelandet..... 40 x130.00 5200.00 um auszuprobieren ob man homosexuell ist oder nicht.... RESPEKTLOS gegen alle Therapeuten die X Weiterbildungen machen müssen für soviel Geld, damit man Krankenkassenannerkannt bleiben darf. Und Therapien anbieten, die wirklich nützen und sinnvoll sind. Diese Krankheiten zu verbessern, die uns täglich Kopfweh bereiten. schlimm, schlimm, schlimm

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  • Jan am 04.07.2019 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie unglaublich langweilig...

    Wir wissen seit gefühlten 1000 Jahren, dass sexuelle Präferenzen fix geprägt sind und nicht mehr geändert werden können. Das lässt sich auch im Tierreich bestens beobachten. Wer von Euch hat schon mal seine sexuellen Vorlieben grundlegend verändert (nicht erweitert)? Mir ist kein einziges dauerhaftes Beispiel bekannt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ja Gutgemacht am 04.07.2019 20:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konversionstherapien

    Da währen noch viele andere Therapien nötig um gestrichen zu werden. Fast jeder meint er muss sich wegen irgend etwas wöchentlich therapieren lassen. Die Therapeutenpraxen wachsen aus dem Boden wie Pilze im Herbst, Arzt u. Therapeut sprechen hochdeutsch und sind sehr galant zu ihren Milchkühen.

  • Mo Mof am 04.07.2019 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo sind wir denn

    Willkommen im Mittelalter, Als nächstes müssen wir wohl wieder auf Bäumen Leben.

  • Kurt Beutler am 04.07.2019 18:37 Report Diesen Beitrag melden

    Menschenrechte konsequent anwenden

    Glauben wir nun eigentlich an Menschenrechte oder nicht? Dass ein Mensch homosexuell wird, und es bleibt, das ist ein Menschenrecht. Dass er sich nach eigenem Wunsch behandeln lässt, um heterosexuell zu werden, das ist doch genauso ein Menschenrecht. Der Einzige, der hier etwas falsch gemacht hat, ist der Reporter, der ein Theater vorgespielt hat, und sich nicht schämt, zu lügen, um anderen Menschen zu schaden. Ein Bravo für den Arzt, der den Mut hat, gegen den Zeitgeist zu schwimmen!

  • chrizzla am 04.07.2019 18:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gesellschaftlicher rückschritt

    es ist unglaublich traurig zu sehen wie viele menschen immer noch homosexualität als krankheit oder etwas schlechtes ansehen! kein wunder gibt es immernoch terror und krieg zeigt einfach nur wie zurückgeblieben manche menschen doch sind! ich sage nicht es muss jedem passen aber jeder sollte es akzeptieren! leben und leben lassen ist ein guter grundsatz sich in toleranz zu üben!

  • brigitte am 04.07.2019 18:02 Report Diesen Beitrag melden

    jawohl

    Homosexualität kann psychologischen Ursprunges sein, wieso also nicht. Die Krankenkasse zahlt mittlerweile ja sowieso schon fast alles.