Posttraumatische Belastungsstörung

25. Mai 2019 12:50; Akt: 25.05.2019 15:37 Print

Kranker SKH-Helfer nach Einsatz in Stich gelassen

Ein heute 44-jähriger Mann half weltweit als Katastrophenhelfer des Bundes Menschen in Not. Für seine Einsätze zahlt der Helfer jedoch einen hohen Preis.

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Weihnachten 2004: Über 150'000 Menschen werden durch einen der schlimmsten Tsunamis allein in Indonesien getötet. Der Schweizerische Korps für Humanitäre Hilfe (SKH) des Bundes sendet Helfer aus. Mit dabei: ein damals 29-jähriger gelernter Speditionskaufmann, der den Menschen in Not helfen wollte.

Als er in Banda Aceh im Januar 2005 ankam, sei es vor Ort «wie nach einem Atombombenabwurf gewesen», sagt der heute 44-Jährige gegenüber der «Schweiz am Wochenende». «Wir erhielten Masken mit einer riechenden Crème gegen den Leichengestank. Wenn Tote am Boden lagen, versuchte ich wegzuschauen. Aber die Leichensäcke und die Massengräber waren überall.»

Posttraumatische Belastungsstörung

Der Einsatz in Indonesien war sein erster. Innerhalb von zehn Jahren wurde er zu über einem Dutzend Auslandsmissionen aufgeboten (siehe Bildstrecke). Die Einsätze zehrten an dem Mann. So sehr, dass ab 2017 nichts mehr ging. Die Diagnose: posttraumatische Belastungsstörung. Wie die Zeitung schreibt, sind sich Psychiater und Psychotherapeuten einig, dass die fast 300 Diensttage für die humanitäre Hilfe den Mann krank gemacht haben.

Der Helfer meldete seinen Krankheitsfall dem SKH und der von der Suva geführten Militärversicherung. SKH-Angehörige haben bei Unfällen und Krankheiten hier Anspruch auf Leistungen.

Wie die «Schweiz am Sonntag» weiter schreibt, hat der Konsiliarpsychiater der Versicherung bestätigt, dass die postraumatische Beschwerden in Zusammenhang «mit den Einsätzen in Indonesien im Jahr 2005 sowie mit den vielen späteren Auslandeinsätzen» stünden. Dessen Schilderungen bezeichnete der Konsiliarpsychiater als «ausgesprochen differenziert, konkret, präzise und glaubhaft.» Seine Empfehlung: eine «mehrmonatige, komplette Entlastung der Arbeitstätigkeit».

Absage der Versicherung

Der Mann beantragte bei der Militärversicherung Krankentaggeld sowie die Übernahme der weiterlaufenden Fixkosten. Für sein eigenes Geschäft musste er eine Aushilfe einstellen.

Im Herbst erhielt der Helfer von der Militärversicherung jedoch einen negativen Bescheid: Diese will die Behandlungskosten nicht übernehmen und auch das Krankentaggeld nicht bezahlen. Der Grund: Es gebe «keinen adäquaten Kausalzusammenhang» zwischen den Einsätzen in Katastrophengebieten und der posttraumatischen Belastungsstörung.

Weil er kein Geld für einen Anwalt hatte, erhob der SKH-Helfer gegen die Verfügung selbst Einsprache. Bis heute ist er weiterhin arbeitsunfähig, erhält kein Krankentaggeld und seinem Geschäft droht der Konkurs, da er keine finanzielle Mittel für die Aushilfe gestellt bekommt.

«Es gab bei mehreren Personen starke Reaktionen»

Gegenüber der «Schweiz am Sonntag» wollte die Militärversicherung diesen Fall aufgrund des laufenden Verfahrens nicht kommentieren. Beim Aussendepartement heisst es jedoch, dass das Wohlergehen der SKH-Mitglieder oberste Priorität habe. Weiter räumt das Amt ein, dass die Helfer sehr oft Extremsituationen ausgesetzt seien und: «Nach dem Tsunami 2004 – einer Jahrhundert-Katastrophe – gab es bei mehreren Personen starke Reaktionen.» Posttraumatische Belastungsstörungen würden «glücklicherweise» sehr selten auftreten.

Das EDA habe sich im Zusammenhang mit dem vorliegenden Fall «mehrmals schriftlich an die Militärversicherung gewandt und dieser die teilweise sehr schwierige und belastende Natur der Einsätze des SKH dargelegt».

Die Suva hat dem SKH-Helfer mitgeteilt, dass die Behandlung seiner Einsprache noch bis zu einem Jahr dauern könnte.

(qll)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bewunderer am 25.05.2019 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Darf nicht sein...

    Das schockiert und macht wütend...Menschen die sich bereit erklären zu helfen und selbst im Stich gelassen werden.. tut echt weh! Wieviel Menschen hatten schon schlaflose Nächte nur von den Bildern am Fernseher ... ich bewundere Menschen die freiwillig Ihre Hilfe in solchen Katastrophengebieten anbieten. Hoffe er bekommt schnell Hilfe und finanzielle Unterstützung

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  • Sprachloser Steuerzahler am 25.05.2019 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nur eine Schande.

    Ein ärztliches Gutachten bestätigt das, was man auch mit nur einer Prise "gesunder Menschenverstand" bereits weiss. Und die Militärversicherung meint, ja das Wort ist noch untertrieben, stinkfrech: Der Zusammenhang ist nicht erwiesen. Das macht einem stinkwütend und himmeltraurig. Hauptsache man kann ein bisschen Geld sparen. Dass mein Steuergeld und meine Ersatzabgaben nicht mal für sowas eingesetzt werden, sondern lieber um Sprit und Munition zu verbräteln (jeder der Militär war weiss was ich meine), setzt dem ganzen noch die Krone auf. Massivste Schande über alle Verantwortlichen!

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  • L.Eidender am 25.05.2019 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    Betroffener

    Ich wurde im Militär krank und diese Krankheit ist nun chronisch und nicht heilbar (keine Psychische Erkrankung).Alle bestätigten mir schriftlich dass diese Krankheit durch das Militär ausgelöst wurde-sogar das VBS hat die Ursache für welches Zuständig war bei meiner Krankheit bestätigt.Es wurde die Militärversicherung involviert-sie lehnten jedoch alles kategorisch ab mit dem selben Satz wie oben Beschrieben.Dies hat in meinen Augen wohl System und ist eine Schande für die Betroffenen.Dafür wird masslos Geld für Anderes sinnlos verpulvert!Ich habe durch diese VERSICHERUNG auch viel verloren!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • CH/CH am 25.05.2019 23:31 Report Diesen Beitrag melden

    Helvetia

    Ich wünsche demjenigen viel Kraft und bedanke mich herzlich als Schweizerin für seinen Einsatz!

  • Urs G. am 25.05.2019 22:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Saftladen Business

    Die liebe Militärversicherung ist ja gar keine Versicherung, denn die Teilnehmer zahlen nicht ein... Sondern sie erwarten eine Auszahlung... Der Bund zählt und befiehlt aber nicht das EDA den das ist ein anderer Saft.... Müssten das EDA bezahlen und wollten nicht, dann hätten sie bald keine Helfer mehr... Aber sie können auf den andern Saft... Zeigen und ein paar Briefchen schreiben... SAFT...

  • Bürger am 25.05.2019 21:58 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Infos wären hilfreich

    Also die Situation für den Betroffenen ist sicher sehr mühsam. Jedoch kann ich jetzt mit diesen Informationen keine Meinung bilden. Es könnte evtl. sein dass die Tatsache dass er ein Inhaber/Arbeitgeber ist die Situation anders ist, da bereits Einnahmen bzw Besitze vorhanden sind. Denn z.B. ein normaler Arbeitnehmer ohne Kapitalanlagen, der von X Psychiater eine Diagnose bekommen hat und diese die Arbeitsunfähigkeit Bestätigt, sitzen nicht auf dem Trockenem, ein Einkommen bekommt jeder hier, auch wenn es knapp an der Existenz ist. Sofern ich mich nicht irre :-)

  • as a matter of fact am 25.05.2019 21:28 Report Diesen Beitrag melden

    Auch wenn das einige nicht

    gerne hören: Hilfseinsätze in Katastrophengebieten sind KEIN Jekami. Insofern war es bereits ein Fehler, Laien überhaupt zu rekrutieren.

  • Markus Andreas am 25.05.2019 21:00 Report Diesen Beitrag melden

    Schande

    Das erstaunt nicht. Habe selbst ebenfalls Patienten in einer ähnlichen Situation wo sich die Militärversicherung genau so unehrlich verhält. Es ist eine Schande!