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23. Februar 2019 13:25; Akt: 23.02.2019 13:59 Print

Arztzeugnis soll erst nach einer Woche fällig sein

Arbeitnehmer können sich immer einfacher krankschreiben lassen. Nun fordern Experten: Das Zeugnis soll später angefordert werden. Erste Firmen gehen vor.

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Wer sich krankschreiben lassen will, muss immer tiefere Hürden überwinden. Bei der Krankenkasse Swica müssen Versicherte seit neustem nur noch zum Telefonhörer greifen. Bei den im Medgate-Verbund zusammengeschlossenen Krankenkassen gibt es diese Möglichkeit bereits seit längerem. Laut «Beobachter» werden wöchentlich bis zu 130 Zeugnisse telefonisch ausgestellt. Swica-Sprecherin Silvia Schnidrig sagt, das Ausstellen eines Zeugnisses setze ein geeignetes Krankheitsbild voraus und die Überzeugung des betreuenden Arztes. Das Zeugnis sei auf drei Tage begrenzt. Mit dem eigenen Telemedizin-Zentrum können die Swica-Ärzte auch Diagnosen stellen und Behandlungen anordnen. Auch das Verschreiben von Medikamenten wird damit möglich. So sollen die Kosten im Vergleich zu einer Kontrolle in einer Hausarzt- oder Notfallpraxis um bis zu 50 Prozent gesenkt werden, heisst es bei der Swica. Daniella Lützelschwab vom Arbeitgeberverband sagt, sie verstehe, dass Kassen so sparen wollen. Aber: «Wenn die Krankenkasse Missbrauch nicht ausschliessen kann, dürfen Krankschreibungen nicht ohne Arztkontrolle per Telefon erfolgen.» Yvonne Gilli vom Ärzteverband FMH sagt: «Aus meiner Erfahrung als Ärztin würde ich es begrüssen, wenn erst nach sechs bis sieben Tagen ein Arztzeugnis nötig wäre.» Die Versicherung Bâloise geht diesen Weg und verlangt ein Zeugnis erst nach zehn Tagen. Die Idee kommt beim Arbeitgeberverband gut an: «Vom Aspekt des Vertrauens her ist das positiv», sagt Daniella Lützelschwab. Sie gehe davon aus, dass sich Mitarbeiter immer noch unverzüglich krankmelden müssten.

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Tut es wirklich weh – oder schmerzt der Gedanke ans Arbeiten? Die Hürden für die Krankschreibung sinken weiter. Bei der Krankenkasse Swica müssen Versicherte seit neustem nur noch zum Telefonhörer greifen. Das eigene telemedizinische Zentrum mit Praxisbewilligung ermögliche es den Ärzten, bei einigen Beschwerden Diagnosen zu stellen, medizinische Leistungen zu erbringen oder Arbeitsunfähigkeitszeugnisse auszustellen, teilt die Swica mit.

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Ab wann soll es Arztzeugnisse brauchen?

Sprecherin Silvia Schnidrig sagt, das Ausstellen eines Zeugnisses setze ein geeignetes Krankheitsbild und die Überzeugung des betreuenden Arztes voraus. Das Zeugnis sei auf drei Tage limitiert und könne um zwei Tage erweitert werden, Versicherte könnten maximal zweimal im Jahr ein Zeugnis per Telefon anfordern. «Wir schätzen das Missbrauchsrisiko nicht höher ein als bei einem Besuch in der Praxis», erklärt Schnidrig.

50 Prozent tiefere Kosten

Die ersten Rückmeldungen seien positiv. Vorerst biete die Swica den Service für Rückenschmerzen, Harnwegbeschwerden, Husten, Ohrenweh und Augenprobleme. Bis Ende Jahr sollen mehr Krankheiten dazukommen, die in einer Allgemeinpraxis vorkommen und keine physische Untersuchung erfordern. Die Kosten sollen etwa 50 Prozent tiefer liegen als bei einem Besuch in einer Praxis. Auch der Anbieter Medgate setzt auf dieses Modell – und stellt pro Woche etwa 100 Arztzeugnisse so aus.

Daniella Lützelschwab vom Arbeitgeberverband sagt, sie verstehe, dass Kassen so sparen wollten. Nur: «Wenn die Krankenkasse einen Missbrauch nicht ausschliessen kann, dürfen Krankschreibungen nicht ohne Arztkontrolle per Telefon erfolgen.» Ein Arztzeugnis sei eine offizielle Urkunde und müsse grundsätzlich vom Arbeitgeber akzeptiert werden. Es gebe immer wieder Fälle, in denen sie damit Mühe hätten. «Ein Zeugnis muss vom Arzt korrekt und einwandfrei ausgestellt werden und darf keine Gefälligkeit darstellen», sagt Lützelschwab.

Ist Arbeitskultur schuld?

Yvonne Gilli vom Ärzteverband FMH sagt, diese Gefahr sei gering: «Ich erbringe eine ärztliche Dienstleistung und keine Gefälligkeit», sagt die Hausärztin und Grünen-Politikerin. Natürlich gebe es aber immer einen Ermessensspielraum. Und: «Die Ärztin kann die Kultur des Arbeitgebers nicht beeinflussen.» Wer ungern arbeite oder unter Druck stehe, sei öfter krank.

Die Telemedizin-Angebote verfügten über eine Praxisbewilligung. Die Ärzte seien an ihren Kodex gebunden. Gilli sagt, der heutige Konsens, wonach nach drei bis vier Tagen ein Arztzeugnis vorgelegt werden müsse, sollte überdacht werden. «Aus meiner Erfahrung würde ich es begrüssen, wenn erst nach sechs bis sieben Tagen ein Zeugnis nötig wäre.»

Damit könnten Kosten gespart werden, weil für Bagatell-Erkrankungen kein Arztbesuch mehr nötig wäre. Individuelle Lösungen müssten möglich bleiben, etwa bei Minderjährigen oder häufigen Krankheitsabsenzen.

Regel schafft Vertrauen

Diesen Weg geht die Versicherung Bâloise. Ihre Angestellten brauchen neu erst nach zehn Tagen ein Zeugnis, berichtet SRF. Damit will die Firma ein attraktiver Arbeitgeber sein und helfen, die Gesundheitskosten zu senken.

Die Idee kommt beim Arbeitgeberverband gut an: «Vom Aspekt des Vertrauens her ist das positiv», sagt Daniella Lützelschwab. Sie gehe davon aus, dass sich Mitarbeiter immer noch unverzüglich krankmelden müssten. Allerdings könnten hinter häufigen Absenzen ein komplexeres Problem oder psychische Leiden stehen, die so übersehen werden könnten. «Dort ist aber die Früherkennung wichtig», erklärt Lützelschwab.

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • DaniG91 am 23.02.2019 14:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unnötig nach 3 tagen

    Ich finde es unnötig z.b. bei einer grippe zum arzt zu gehen. und ne grippe dauert halt 3 bis 7 Tage. und nur wegen dem Arztzeugnis muss ich tzotzdem zum arzt obwohl es mir besser geht.

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  • Herr Max Bünzli Live Waldeck am 23.02.2019 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    ein Vorgesetzter kann das Armutszeugnis am 1.Tag verlangen

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  • E.H. am 23.02.2019 13:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Alten sind nicht immer teurer!

    Die jungen Generationen sind halt nicht mehr so widerstandsfähig im Arbeitsleben, dafür sind sie billiger als über 50jährige!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lalita am 24.02.2019 15:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Find ich unnötig und kostet viel

    Wenn ich zum Arzt gehe wegen einer Grippe bei welcher es mir nach 3 Tagen vielleicht schon besser gehen würde, mir der Arzt aber sowieso ein Zeugnis für wine Woche gibt. Ja dann bleibe ich die ganze Woche zuhause, auch wenn es mir eigentlich wieder gut gehen würde..

  • so ist das am 24.02.2019 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    Wo liegt der Sinn?

    Bei einer Grippe habe ich schon nach dem 3 Tage ein Arztzeugnis zu bringen, doch leider hat mein Arzt eine Warteliste von mindesten 7 Tage für einen freien Termin. Ausser bei einem Notfall. So muss ich einen Notfall vortäuschen und damit extra Kosten generieren, oder kann erst zum Arzt wenn ich schon wieder gesund bin.

  • Psychoactive am 24.02.2019 14:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kerngesund

    Ausser bei meiner Geburt habe das ganze Leben noch nie einen Arzt benötigt.

  • Jens am 24.02.2019 14:24 Report Diesen Beitrag melden

    Besser Arztzeugnis ab dem 1. Tag

    Permanent über Arbeit, Vorgesetzte, Arbeitskollegen, Löhne, usw. lästern, ständig blau machen, die untere Mittelschicht kann sich heute definitv zu viel leisten, hat kein Respekt mehr und ist extrem frech geworden.

    • Li am 24.02.2019 14:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jens

      Diese untere Mittelschicht sind die Leute, die ihnen ermöglichen da oben hocken.

    • Anonymouse am 24.02.2019 15:15 Report Diesen Beitrag melden

      Phaha.. Glaub es ja nicht.

      Die untere Mittelschicht.. Sehr dankbar für einen der wohl ganz oben am Bürotisch hockt den lieben, langen Tag, keinen Finger krumm macht und horrende Summen an Lohn verdient.. Haben sie schon mal daran gedacht, dass ihnen das erst durch die untere Mittelschicht möglich ist??? Wie kommt man so weit nach oben wenn man s nicht schafft das Hirn zu benutzen?

    • Nurse am 24.02.2019 15:28 Report Diesen Beitrag melden

      Wow, mir kommt gleich die Galle hoch..

      Wie ich dem Kontext entnehme, können sie nur ein Chef oder sonstwas aus der oberen Etage sein. Ihnen scheint nicht bewusst zu sein, dass sie nur Kohle machen, weil ihre 'untere Mittelschicht' wie sie es so schön respektlos nennen, sich tagtäglich den Allerwertesten aufreisst für ihren Betrieb. Hätt ich so einen als Chef wie sie, wär ich auch frech und respektlos. Gibt Menschen, die habens nicht anders verdient. Da bin ich echt froh, gibts noch andere Chefs, die ihre Angestellten zu schätzen wissen und auch mal danke sagen können. Wie kann man nur so undankbar sein.

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  • provolone am 24.02.2019 14:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    .....

    Blaumachen?? Wer Freude an seinem Job hat, braucht diese "Mätzchen" nicht.