Amoklauf in Menznau

27. Februar 2013 17:52; Akt: 28.02.2013 12:14 Print

Kranzschwinger Benno Studer unter den Opfern

Die Arbeiter sitzen beim Znüni, als Viktor B. die Kronospan in Menznau LU betritt. Er erschiesst einen bekannten Schwinger und seine ehemalige Nachbarin. Führten familiäre Probleme zur Wahnsinnstat?

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Am 28. Februar 2013, dem Tag nach dem Amoklauf von Menznau LU, wehen die Fahnen auf dem Kronospan-Firmengelände auf halbmast. In Willisau LU versammeln sich am Nachmittag des 28. Februar Trauergäste zum Gedenkgottesdienst für die Opfer von Menznau. Einen Tag zuvor, am 27. Februar, hatte ein Mitarbeiter der Holzverarbeitungsfirma Kronospan in Menznau LU ein Blutbad angerichtet. Vier Menschen fanden den Tod, darunter auch der Amokläufer. Drei Menschen waren noch am Tatort ums Leben gekommen, eine vierte Person erlag tags darauf im Spital ihren schweren Verletzungen. Ein grosses Aufgebot von Rettungskräften war in Menznau vor Ort. Unter anderem setzte die Rega drei Helikopter ein, um sieben teils schwerverletzte Personen auszufliegen. Der Täter, Vikor B., hatte am Morgen des 27. Februar, kurz nach 9 Uhr die Firma betreten und mit einer Pistole auf mehrere Mitarbeiter geschossen. Unter den Todesopfern ist auch Kranzschwinger Benno Studer aus Schüpfheim LU. Seinen grössten Erfolg hatte der 26-Jährige 2011 feiern können. Damals gewann er das Innerschweizerische. Ein weiteres Todesopfer ist Christina N., eine ehemalige Nachbarin des Täters. Sie wohnte im Parterre dieses Hauses. Bei der Tatwaffe handelte es sich nicht um eine Armeewaffe, teilte die Polizei mit. Der Gemeindepräsident von Menznau, Adrian J. Duss, zeigte sich am Tag der Tat erschüttert: «Ich bin schockiert und fassungslos.» Erst wenige Tage vor der Tat hatte die Firma Kronospan mitgeteilt, dass die Produktion wegen massiven Rundholzmangels gedrosselt worden sei (im Bild Kronospan-Konzernleiter Urs C. Fluder am Tatort). «Wir müssen heute auf Abstellmassnahmen wegen Rundholzmangels hinweisen», hatte es in einer Mitteilung von Holzindustrie Schweiz vom 23. Februar 2013 geheissen. Menznau ist die südöstlichste Gemeinde des Amtes Willisau und liegt zwischen Wolhusen und Willisau im Kanton Luzern. In dem Ort leben 2800 Einwohner. Das Areal des Holzverarbeiters Kronospan befindet sich am nordwestlichen Rand von Menznau.

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Es ist kurz nach 9 Uhr, da nimmt das Blutbad seinen Anfang. Viktor B.* betritt zu diesem Zeitpunkt das Gelände der Kronospan Schweiz AG in Menznau. Im Bereich der Werkstatt, eines Korridors zur Betriebskantine und in der Mensa selbst kommt es zu den tödlichen Schüssen. «Der Schütze schoss mit einer Faustfeuerwaffe gezielt auf Personen», sagte Kripo-Chef Daniel Bussmann zu den Medien. «Die Mitarbeiter waren in der Mensa beim Znüni essen, als es zu dem Amoklauf kam», sagte ein Leser-Reporter, dessen Vater in der Firma arbeitet, zu 20 Minuten Online.

Die Polizei, die um 9.16 Uhr alarmiert wurde, fand beim Eintreffen drei Tote vor. Bei dem Amoklauf wurden zudem sieben Personen zum Teil schwer verletzt. Unter den Todesopfern ist auch der Schütze Viktor B.* Ob er sich selber richtete oder getötet wurde, ist noch unklar. Die Polizei gibt derzeit keine weiteren Informationen bekannt.

Schwingerfolg vor 10'000 Zuschauern

Unter den Opfern ist auch der bekannte Kranzschwinger Benno Studer. Dies sagen mehrere Personen gegenüber 20 Minuten Online. Der 26-Jährige war ein begeisterter Schwinger. «Dem Schwingsport bin ich total verfallen, ich setze den grössten Teil meiner Freizeit für diesen traditionellen Sport ein, der mir schon viele erfreuliche Momente beschert hat», schrieb Benno Studer auf seiner Facebook-Seite. Sein grösster Erfolg: Benno erbte 2011 den Titel des Innerschweizerischen und feierte vor 10'000 Zuschauern. Er schrieb weiter: «Jetzt habe ich klare Ziele, sei es im Beruf oder auch im Schwingen. In den nächsten Jahre möchte ich mich aber auf das Schwingen konzentrieren und alles dafür tun, meine Ziele zu erreichen.»

Beim zweiten Opfer handelt es sich um Christina N*. Eine Menznauerin beschreibt die zweifache Mutter gegenüber 20 Minuten Online als aufgestellte Person, «sie hat viel gelacht». Sie sei bei der Kronospan als Hauswartin angestellt gewesen. Pikant: Christina N. war früher Nachbarin von Viktor B.* Sie wohnten unmittelbar übereinander im selben Haus, wie mehrere Personen bestätigen.

«In der Familie hats gekriselt»

Wie die Informantin weiter sagt, habe es in der Familie von Viktor B. seit längerem gekriselt. Die Familie habe deshalb Menznau verlassen und sei nach Willisau gezogen. Ob Viktor B. gezielt auf seine Ex-Nachbarin schoss, ist völlig unklar.

Viktor B.*, Vater von zwei Töchtern und einem Sohn, arbeitete 17 Jahre bei der Kronospan. Gemäss Aussagen von Kronospan-Konzernleitungsmitglied Urs Fluder war Viktor B. ein unauffälliger Mitarbeiter. Ein Mitarbeiter von Kronospan sagt, Viktor B. sei nie aggressiv geworden. «Im letzten Jahr hat er sich verändert. Er hat öfter Selbstgespräche geführt oder redete mit Leuten, die gar nicht da waren. Oft wechselte er mitten im Gespräch völlig unverhofft das Thema – man konnte kaum noch mit ihm sprechen», so der Mitarbeiter zur «Neuen Luzerner Zeitung». Gewalttätig sei der ehemalige Kickboxer aber nie geworden. Er sei als seltsam aufgefallen, «aber mit so etwas hätten wir nie gerechnet».

*Namen der Redaktion bekannt

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(dwi/mgi/gwa/sma/fhr/meg)