Suizid von Mädchen (14)

31. Oktober 2018 05:40; Akt: 31.10.2018 13:49 Print

Tragischer Sextortion-Fall kommt vor Gericht

Ein Schweizer stellte Nacktbilder eines finnischen Mädchens (14) ins Netz. Später nahm sich dieses das Leben. Am Donnerstag muss er in Uster ZH vor den Richter.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Jeder hat Angst, zu sterben, bis man ein Kind verliert. Dann hat man Angst zu leben»: Diesen ergreifenden Satz schrieb die Mutter ein halbes Jahr nach dem Tod ihrer Tochter auf Facebook. Im Juni 2017 hatte sich ihre Jüngste im Alter von erst 14 Jahren das Leben genommen. «5380 Tage Liebe», schrieb die Mutter an jenem Tag. Und weiter: «Meine Liebste geht von uns. Es gab zu wenige Tage, aber jeder von ihnen war unbezahlbar. Es ist schwer, ohne sie zurückzubleiben.»

Dem Suizid ging ein Fall von Sextortion voraus, der ab Donnerstag am Bezirksgericht Uster verhandelt wird. Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, lernte das finnische Mädchen im Herbst 2016 auf dem Video-Dienst Chatroulette einen heute 30-jährigen Schweizer aus dem Kanton Zürich kennen. Dieser schickte der Minderjährigen via Facebook-Messenger oder Whatsapp gegen 30 Nacktfotos. Auch onanierte er im Videochat vor den Augen des Mädchens.

Er machte sich über das Mädchen lustig

Im Gegenzug forderte er das Mädchen auf, ihm Nacktfotos zu schicken, was dieses erst tat, als er es dazu drängte. Die Aufnahmen der Geschlechtsteile veröffentlichte der Beschuldigte auf einem einschlägigen Pornoportal – als Profilnamen verwendete er den Vor- und den Nachnamen des Mädchens. Das Profil benutzte er als Druckmittel, um noch mehr Nacktfotos zu erhalten. So drohte er, die Fotos auch den Eltern und Kollegen zugänglich zu machen. Zudem musste sich das Mädchen dabei filmen, wie es sich verschiedene Gegenstände in die Vagina einführte.

Die 14-Jährige forderte den doppelt so alten Mann in fünf bis sieben Chats auf, die Fotos vom Netz zu nehmen, was dieser nicht tat. Im Gegenteil: Laut der Anklage machte er sich in einem Chat über ihre Sorgen lustig und fragte sie, ob sie wisse, wie viele Menschen die Nacktfotos schon gesehen hätten. Ende 2016 forderte sie ihren Chatpartner ultimativ auf, das Profil zu löschen, und drohte damit, sich umzubringen. Sie schickte ihm auch ein Foto, auf dem sie sich ein Messer an den Hals hielt.

Strafe soll aufgeschoben werden

Laut der Anklage verschlimmerten sich im Laufe des Kontakts die psychischen Probleme des Mädchens, «sodass sich die Geschädigte nicht mehr anders zu helfen wusste», als sich das Leben zu nehmen. Zu den psychischen Problemen habe neben dem Aspergersyndrom mit Essstörungen auch beigetragen, dass das Mädchen Angst gehabt habe, der Mann könnte es aufsuchen und vergewaltigen. So hatte er ihm auch erzählt, er habe einmal eine 13-jährige Einwanderin vergewaltigt.

Nun wirft ihm die Staatsanwaltschaft mehrfache sexuelle Nötigung, mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern und mehrfache harte Pornografie vor. Der Suizid spielt im Prozess höchstens eine indirekte Rolle: Die Staatsanwaltschaft sieht keinen kausalen Zusammenhang mit dem tragischen Tod. So drohen dem Beschuldigten zwei Jahre Gefängnis. Allerdings dürfte die Strafe zugunsten einer ambulanten Behandlung aufgeschoben werden.

Der Beschuldigte ist mehrfach vorbestraft, auch wegen sexueller Handlungen mit Kindern. Derzeit ist er auf freiem Fuss. Er wohnt in einer grossen Blocksiedlung und muss einmal wöchentlich zur Therapie.

(daw)