SP-Aufstand

27. November 2010 23:16; Akt: 27.11.2010 23:31 Print

Kritik an Leuenberger aus eigenen Reihen

Implenia hält am Entscheid fest, den ehemaligen Bundesrat Moritz Leuenberger in den Verwaltungsrat wählen zu lassen. Parteiintern wächst der Druck gegen Leuenberger. Doch der lässt sich nicht beirren - im Gegenteil.

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«Sozialdemokraten gehören nicht nur in die Oper und die Wohlfahrt»: Moritz Leuenberger denkt nicht daran, das Implenia-Angebot auszuschlagen. (Bild: Keystone)

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Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger steigt nicht nur bei Implenia und Swiss ein. Er will auch internationaler Vermittler werden. «Ich werde allenfalls internationale Mandate im Verkehrsbereich übernehmen können», bestätigt Leuenberger gegenüber der Zeitung «Der Sonntag».

«Es geht unter anderem um Schiedsrichtermandate bei Konflikten von europäischen Staaten.» Es sei durchaus auch im Interesse der Schweiz, wenn ein Schweizer in solchen internationalen Fragen eine Rolle spiele, betont er.

Leuenberger hält an Mandat fest

Seine Mandate bei Implenia und im Swiss Stiftungsrat verteidigt Leuenberger. «Ich bin nicht damit einverstanden, dass Sozialdemokraten nur in der Oper, der sozialen Wohlfahrt und in der Kultur Platz haben, Freisinnige aber automatisch in der Wirtschaft», sagte er der Zeitung.

Er habe damit gerechnet, dass man über seine Jobs diskutiere. «Aber ich bin nicht im Pensionsalter. Ich darf doch noch arbeiten», so Leuenberger. «Ich bin nicht der Meinung, dass Alt-Bundesräte nicht mehr arbeiten sollten. Ich stand immer dazu: Ich will politischen Einfluss nehmen.»

Die Kritik, er habe sich die Mandate bereits während seiner Amtszeit ergattert, dementiert er vehement: «Das muss ich absolut und mit aller Klarheit zurückweisen. Das ist eine Unterschiebung», sagte er gegenüber «Der Sonntag».

Kritik aus der SP

Dabei wird jetzt das Murren sogar aus Leuenbergers eigener Partei immer lauter. In der «SonntagsZeitung» äussern zwölf Bundesparlamentarier der SP Kritik an Leuenbergers Plan. Fraktionschefin Ursula Wyss fordert den ehemaligen Bundesrat auf, nochmals über die Bücher zu gehen.

Die Implenia hält derweil an ihrem Entschluss, den ehemaligen Verkehrsminister in den Implenia-Verwaltungsrat zu holen, fest. Am einstimmigen Entscheid habe sich in der vergangenen Woche nichts geändert, sagt Anton Affentranger, der Verwaltungsratspräsident der Baufirma, im Interview mit der «NZZ am Sonntag» (NZZaS).

«Jetzt erst recht»

Auf die verschiedentlich geäusserte Vermutung, die Baufirma wolle sich mit Hilfe Leuenbergers Vorteile bei Ausschreibungen verschaffen, entgegnet Affentranger: «Ich sehe nicht, was Implenia mauscheln könnte und wollte. Das Vergabeverfahren ist so strikt geregelt, dass da ein prominenter Verwaltungsrat gar nichts hilft.»

Und: So, wie er Leuenberger in den letzten Tagen und Wochen kennengelernt habe, gehe er davon aus, dass der ehemalige Bundesrat «jetzt erst recht» Lust habe auf das Amt, meinte Affentranger in der «NZZaS».

(ast)