Wegen Lehrermangels

12. August 2014 14:29; Akt: 12.08.2014 14:50 Print

Laien-Lehrer kocht mit Schülern Alkoholsuppe

von Florian Meier - Lehrer, die nicht richtig schreiben können – oder den Schülern Alkohol servieren: Wegen des Lehrermangels werden in der Schweiz Hunderte unqualifizierte Laien-Lehrer angestellt.

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Ein Lehrer erklärt seinen Schülern an der Wandtafel den Stoff. Dass diese Tätigkeit von ausgebildeten Pädagogen ausgeübt wird, ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr. (Bild: Colourbox.com)

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Weil an einer Schule keine ausgebildete Lehrperson gefunden wurde, stellt man kurzerhand einen Koch als Hauswirtschaftslehrer an. Doch statt mit seinen Schülern eine gesunde Gemüsebrühe zuzubereiten, köchelt er mit seinen Siebtklässlern eine alkoholhaltige Suppe.

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Ein anderer Hauswirtschaftslehrer – ebenfalls ohne pädagogische Ausbildung – gestaltet mit seinen Schülern eine Menükarte. Sie ist übersät mit Rechtschreibfehlern.

«Leider sind das keine Einzelfälle. Wegen des Lehrermangels sehen sich immer mehr Schulen gezwungen, auf unqualifiziertes Personal zurückzugreifen», sagt Franziska Peterhans vom Schweizerischen Lehrerverband. Die Kantone müssten dringen sicherstellen, dass der Lehrernachwuchs gesichert ist.

In der Schweiz werden Hunderte unqualifizierte Laien als Lehrer eingestellt. Allein im Kanton Bern stehen momentan 348 Personen im Dienst, die nie pädagogisch ausgebildet wurden. «Es kommt beispielsweise vor, dass gelernte Schreiner angestellt werden, um Werken zu unterrichten», sagt Christoph Michel vom Lehrerverband des Kantons Bern. Eine methodisch-didaktische Ausbildung sei aber von grosser Wichtigkeit: «Es reicht einfach nicht, mit Holz und Säge professionell umzugehen.» Jeder Schüler habe ein Recht darauf, von einer gut ausgebildeten Lehrperson unterrichtet zu werden. «Wenn ich mein Auto reparieren lassen will, bringe ich es ja auch lieber zu einem gelernten Automechaniker.» Verschärfe sich das Problem weiter, erwarte er, dass der Kanton endlich etwas unternehme.

Auch im Kanton Aargau werden Schüler nicht immer von ausgebildeten Pädagogen unterrichtet. Die Präsidentin des Aargauer Lehrerverbands, Elisabeth Abbassi, kennt laut Radio SRF Fälle von Personen, die als höchste Qualifikation eine Ausbildung als Pfadi-Leiter vorzuweisen hätten. Auch gebe es Chemiker, die Chemie unterrichten würden, ohne eine Lehrerausbildung zu haben. Das Aargauer Bildungsdepartement würde den Lehrermangel nicht ernst genug nehmen.

Kantone verteidigen sich

Der zuständige Aargauer Regierungsrat Alex Hürzeler verteidigt sich: «Die Aargauer Schulen sind klar dazu verpflichtet, qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer anzustellen.» Bis jetzt sei ihm nicht bekannt, dass es diesbezüglich zu einer negativen Entwicklung gekommen sei.

Auch der Kanton Bern wehrt sich: «Für bestimmte Teilpensen ist es oft schwierig, ausgebildete Lehrkräfte zu finden», sagt Martin Werder von der Erziehungsdirektion des Kantons Bern. Aus diesem Grund seien viele Schulen froh, wenn sie für Fächer wie Musik, Fremdsprachen und Gestalten Fachkräfte anstellen können, die keine Lehrer-Ausbildung haben. Ausserdem seien von den rund 12'700 Lehrpersonen, die im Kanton Bern unterrichten, nur etwa 2,7 Prozent ohne pädagogische Ausbildung.

«Lehrerberuf wird wieder attraktiver»

Dass nicht überall in der Schweiz vermehrt Lehrkräfte ohne entsprechende Qualifikationen eingestellt werden, zeigt der Kanton St. Gallen. «Bei uns ist dieses Problem eher rückläufig», sagt Hansjörg Bauer, Präsident vom Lehrerverband St. Gallen. Dies habe zwei Gründe. Einerseits befinde sich der Kanton nahe der Grenzen zu Deutschland und Österreich. So könne im Notfall auf Fachkräfte aus dem Ausland zurückgegriffen werden. «Andererseits können wir beobachten, dass der Lehrerberuf bei uns wieder beliebter wird.» Das könne damit begründet werden, dass Jugendliche gemerkt hätten, dass sie mit einem PH-Abschluss aufgrund des Lehrermangels mit grosser Wahrscheinlichkeit einen Job finden werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alois Koch am 12.08.2014 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    Alkoholsuppe

    Alkoholhaltige Getränke verwendet man zum Abschmecken. In der Suppe bleibt kein Alkohol zurück, weil er verdunstet! Das wissen diese Lehrer wahrscheinlich gar nicht, weil in ihren Lehrmitteln (Tiptopf) gar nicht vorkommt, wie man mit Wein kocht! Der Vorwurf an den Koch ist lächerlich. Wahrscheinlich waren die Kolleginnen eifersüchtig, weil er besser kochen kann.

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  • Conivo am 12.08.2014 14:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Koch unqualifiziert???!!

    Meiner Meinung nach sollten sich die Schüler glücklich schätzen von einem Profi das Kochen gezeigt zu bekommen. Nicht gegen Hauswirschaftslehrer und Oekonomieangestellte, aber in Sachen Kochen können sie mit einem Profi nicht mithalten. Das ein Koch als Kochlehrer nicht qualifiziert sein soll erstaunt mich etwas.

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  • Verstehi net am 12.08.2014 15:51 Report Diesen Beitrag melden

    wie jetzt....

    Wo genau ist das Problem, wenn ein Chemiker Chemie unterrichtet?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Susy Wohlgemuth am 13.08.2014 00:26 Report Diesen Beitrag melden

    Sinn und Unsinn

    Die Bildungs-Gurus aller Kantone würden sich besser einmal mit aller Enegie dem Thema Lehrermangel und Attraktivität des Lehrerberufes zuwenden, als ständig unnötig an bewährten und zeitgemässen Bildungsprogrammen herumzudoktern ; die Kinder zu verunsichern mit hirnrissigen Neuerungen, die in 1 - 2 Jahren sang- und klanglos wieder abgeschafft werden.

  • Thorsten Meunier am 13.08.2014 00:16 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt wird die Zeche bezahlt!!!

    Die Lehrer sind schlecht? Egal, Hauptsache ist doch, dass es Schweizer sind, oder nicht? Das ist doch die SVP-Logik. Stammbaum ist wichtiger als Qualität. Da muss man nun im wahrsten Sinne des Wortes die Suppe auslöffeln. Guten Appetit kann man nur noch wünschen.

  • Jürg P. am 13.08.2014 00:08 Report Diesen Beitrag melden

    Lehrerdiplom ist Pflicht!

    Der Grundtenor der Kommentare hier ist, dass man lieber einen Praktiker ohne Lehrerdiplom als einen ausgebildeten Lehrer an Schulen unterrichten lassen möchte. Es ist halt nunmal so: Wenn man Kinder in der Schule in einem Fach unterrichten will, braucht man eine pädagogische Ausbildung. Punkt. Wenn man der Meinung ist, dass ein entsprechendes Diplom unwichtig ist, kann man schlussendlich alle Diplome abschaffen. Dann kann man in jedem Beruf einfach Ungelernte anstellen, denn die "können das ja auch irgendwie"...

  • gute nachrichten gibts das auch? am 13.08.2014 00:03 Report Diesen Beitrag melden

    finger weg von räubergeschichten :D

    alkohol normal in fast jeder suppe! verdunstet was rieslingsuppe sogar 1/3... omg, es gibt gewisse menschen, welche keine ahnung vom kochen haben :D:;D

  • Ein stellensuchender Lehrer am 13.08.2014 00:03 Report Diesen Beitrag melden

    Naive Politiker

    Nun erklär mir mal einer wieso dann im Aargau ausgebildete Pädagogen (Lehrer) entlassen werden mit der Begründung des Systemwechsels, um dann Laien einzustellen? Herr RR Hürzeler hat keine Ahnung was er damit anrichtet! Es sind wie immer die Politiker die meinen, nur weil sie mal in die Schule gingen, sie hätten nun die Weisheit die Probleme zu lösen, die sie selber verursacht haben!