Fair oder ungerecht?

13. August 2019 11:10; Akt: 13.08.2019 11:10 Print

Chef hat 3 Monate Ferien, Mitarbeiter nur 5 Wochen

Firmenchef Wim Ouboter gönnt sich jährlich 12 Wochen Ferien. Er sagt, diese Regelung sei nicht ungerecht, da auch die Mitarbeiter profitierten.

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Ein paar Wochen Griechenland, dann wieder Ferien in den Bergen – und dies gleich mehrmals im Jahr. Wim Ouboter, Erfinder des Microscooters, macht jährlich bis zu zwölf Wochen Urlaub. «Das Leben ist zu kurz, und niemand liegt auf dem Sterbebett und sagt, er bereue, zu wenig gearbeitet zu haben», sagt Firmenchef Wim Ouboter. Wim Ouboter ist Erfinder des Microscooters. Hier ist er mit einigen Modellen zu sehen. In seiner Abwesenheit überlässt Ouboter seinen Mitarbeitern den Betrieb. Dadurch schenke er ihnen Vertrauen und lasse ihnen Freiheiten, was bei ihnen zu mehr Selbständigkeit und besserer Arbeit führe. Seine Mitarbeiter haben allerdings nicht dieselben Ferienkonditionen. Für sie gilt die Fünf-Wochen-Ferienregelung mit der Option auf unbezahlten Urlaub. Verständnis für die vermehrten Freitage Ouboters hätten sie trotzdem. (Symbolbild) Alexandra Cloots ist überzeugt, dass ein Ferienmodell, das in einem Betrieb praktikabel ist, in einer anderen Firma nicht zwingend funktionieren muss. Und: «Es gibt Betriebe, in denen sich die Mitarbeiter in Anwesenheit des Chefs genauso selbständig fühlen, wie wenn er weg ist.» Laut Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Gewerbeverbandes Schweiz, kann ein solches Ferienmodell eine Firma auch wirtschaftlich in Schwierigkeiten bringen. Die mehrfache Verzögerung der Entwicklung des von Ouboter lancierten Elektroautos «Microlino» steht nicht in Zusammenhang mit seiner erhöhten Abwesenheit im Betrieb. Vielmehr führten rechtliche Schwierigkeiten dazu.

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Ein paar Wochen Griechenland, dann wieder Ferien in den Bergen – und dies gleich mehrmals im Jahr. Wim Ouboter, Erfinder des Microscooters, macht jährlich bis zu zwölf Wochen Urlaub, wie er der «Zürichsee-Zeitung» verriet. Seine vermehrte Abwesenheit stelle für seine Firma Micro Mobility Systems AG kein Problem dar: «Aus den Ferien zurück, bin ich wieder voll und ganz für meinen Betrieb da.»

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Wegen seines üppigen Ferienkontingents hat Ouboter kein schlechtes Gewissen: «Das Leben ist zu kurz, und niemand liegt auf dem Sterbebett und sagt, er bereue, zu wenig gearbeitet zu haben.»

Gönne man sich mehr Freizeit, gewinne man Distanz zum Alltag, und dies führe zu besseren Entscheiden. Auch auf seine Mitarbeiter wirke sich dies positiv aus. In seiner Abwesenheit überlasse er diesen den Betrieb. Dadurch schenke er ihnen Vertrauen und lasse ihnen Freiheiten, was bei ihnen zu mehr Selbstständigkeit und besserer Arbeit führe.

Ungleiche Konditionen

Seine Mitarbeiter haben allerdings nicht dieselben Ferienkonditionen. Für sie gilt die Fünf-Wochen-Ferienregelung mit der Option auf unbezahlten Urlaub. Verständnis für die vermehrten Freitage Ouboters hätten sie trotzdem. «Sie wissen und schätzen, was ich alles für das Unternehmen geleistet habe.»

Ouboter empfiehlt sein Ferienmodell anderen Firmenchefs weiter. Doch müssen für ein solches gewisse Voraussetzungen erfüllt sein: «Man muss Verantwortung übertragen können, aber auch Vertrauen untereinander schaffen.» Auch Verantwortungsbewusstsein und unternehmerisches Denken der Angestellten müssen gefördert werden.

Ouboter zufolge gibt es natürlich Chefs, die dies nicht können und sich selbst in der Firma unersetzbar machen. Letztlich sei es Charaktersache, ob ein solches Ferienmodell funktioniere.

Praktikabel oder unfair?

Diesen Aspekt betont auch Alexandra Cloots, Ökonomieprofessorin an der FHS St. Gallen. Sie ist überzeugt, dass ein Ferienmodell, das in einem Betrieb praktikabel ist, in einer anderen Firma nicht zwingend funktionieren muss. Denn ob sich Mitarbeiter in einem Betrieb selbständiger fühlen, wenn ihr Chef abwesend ist, hänge vom Führungsstil und der Förderung der Mitarbeiter durch den Vorgesetzten ab. «Es gibt Betriebe, in denen sich die Mitarbeiter in Anwesenheit des Chefs genauso selbständig fühlen, wie wenn er weg ist.»

Zudem könne eine solche Chef-Ferienregelung auch für Unmut sorgen, da sie zu einer Art Ungleichgewicht führe und auch dem Gedanken der zukünftigen Arbeitsgestaltung nicht entspreche, der gerade solche «Chef-Regelungen» vermeiden möchte, so Cloots. Die Akzeptanz einer solchen Ferienregelung bedinge eine Firmenkultur, die dafür Raum lasse. Und sie betont: «Es ist wichtig, dass alle Angestellten genau über die generell gültigen Regelungen zum Ferienbezug in ihrem Unternehmen Bescheid wissen, diese Informationen also für alle jederzeit transparent zur Verfügung stehen.»

Auch ökonomische Nachteile seien möglich

Laut Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Gewerbeverbandes Schweiz, kann ein solches Ferienmodell eine Firma auch wirtschaftlich in Schwierigkeiten bringen. Er ist der Ansicht, dass eine solche Ferienregelung für Kadermitglieder bei finanziell erfolgreichen Firmen zwar praktikabel sei. Für KMU mit engeren Margen könne dies jedoch problematisch werden.

Bigler erläutert: «Wird beispielsweise ein Chef, der in einem Jahr bereits drei Monate aufgrund von Ferien abwesend war, später während seiner Anwesenheitszeit im Betrieb krank, so ist der organisatorische Aufwand für ein solches KMU nicht mehr tragbar.»

Das Elektroauto Microlino verzögert sich

Probleme hinsichtlich des Betriebsklimas aufgrund einer Chef-Ferienregelung sieht er allerdings keine: «Wenn man in Firmen Kaderpositionen besetzt, sind Sonderkonditionen natürlich einfach ein Teil des Packages.»

Ouboters Ansicht nach ist die Chef-Ferienregelung persönlich wie betrieblich mehr als praktikabel. So stehe letztlich die mehrfache Verzögerung der Entwicklung des von ihm lancierten Elektroautos «Microlino» keinesfalls in Zusammenhang mit seiner erhöhten Abwesenheit im Betrieb. Vielmehr führten rechtliche Schwierigkeiten, die laut Ouboter demnächst abgeschlossen sein sollten, zu einer Verspätung der Lancierung des Miniautos.

(ihr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Holly Molly am 13.08.2019 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Seine Firma

    Seine Firma, also sein Geld das drin steckt. Er könnte auch nur 5 Wochen Urlaub machen und sich dafür 20'000 Franken mehr Lohn auszahlen. Macht er nicht, und so könnte er sagen, er hat diesen Urlaub unbezahlt. Also egal wie er es auslegt, seine Firma, sein Geld also seine Regeln. Ich finde das absolut o.k.

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  • Maick Schwarz am 13.08.2019 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    bravo

    Gut macht er das, bravo.

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  • roger miller am 13.08.2019 11:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    boss

    ich habe mir auch 10 und mehr wochen gegönnt,mit 55 ausgestiegen,mitarbeiter alle 7 wochen, plus ausland aufenthalte für weiterbildung .

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mario Fortini-Hitz am 14.08.2019 19:36 Report Diesen Beitrag melden

    Ferienmodell

    Ja, das sehe ich genau so. Beim Saat könnte eine solche Ferienregelung natürlich nicht praktiziert werden.

  • Ältere Mann am 14.08.2019 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    Alte Zeiten, das würde vielen Jungen

    Alte Zeiten, das würde vielen Jungen Leuten gut tun. Wenn früh am morgen die Werksirene dröhnt. Und die Stechuhr beim Stechen lustvoll stöhnt. So denken viele, Tag für Tag, den Mund gehalten aber heute, heute muss es raus. Hey Boss, brauche mehr Geld. Hey Boss brauch mehr Ferien. Hey Boss brauch mehr Zeit für mich. Nicht immer jammern und auf andere die finger zeigen. Ohne Chef haben ihr keine Lohn aber ohne Job haben viele von euch sehr lange Ferien und zeit zum die Probleme runder zu saufen. Ja, ja, ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt

  • Der Ältere am 14.08.2019 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    Ich hatte noch 4 Wochen Ferien

    Ich hatte noch 4 Wochen Ferien, wir waren auch damit zufrieden. Heute sind viele nicht mal mit 5 Wochen zufrieden. Ihr wollt immer mehr Ferien aber am liebsten auch noch weniger Stunden Arbeiten. Ihr wollt mehr Lohn aber sind nicht mal dankbar und zufrieden das ihr den Lohne bekommt jeden Monat. Seid doch mal zufrieden mit dem war ihr bekommt und mit dem das ihr einen Job haben.

  • Geniesser am 14.08.2019 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    Fair

    Hey, der Mann hat sich selbstständig gemacht, viel riskiert, viel gearbeitet. Das alles sicher nicht um noch mehr zu arbeiten. Ausserdem haben seien Mitarbeiter 5 Wochen Urlaub. Ich habe nur 4.

  • Timo am 14.08.2019 12:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fair wäre es:

    Wenn seine Mitarbeiter auch die Chance bekämen sich auch bis zu 12Wochen Auszeit zunehmen aber halt ab 5Wochen einfach ohne Bezahlung. Das wäre Fair und ehrwürdig.

    • Ricky am 14.08.2019 12:16 Report Diesen Beitrag melden

      Wer lesen kann ist klar im Vorteil!

      Genau so steht es doch oben.

    • Leser am 14.08.2019 12:18 Report Diesen Beitrag melden

      Dürfen sie ja

      Steht im Text : "Für sie gilt die Fünf-Wochen-Ferienregelung mit der Option auf unbezahlten Urlaub."

    • Ein Leser am 14.08.2019 16:21 Report Diesen Beitrag melden

      @Leser

      Wie viel Ferien ist bei Ihnen selber erlaubt. Ihnen würde es auch gut tun nur 4 Wochen

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