Ghostwriting

08. Januar 2016 16:17; Akt: 08.01.2016 18:40 Print

Laut HSG-Studentenheft lohnt sich das Schummeln

von R. Landolt - Ein HSG-Studentenmagazin rechnete bereits vor einem halben Jahr vor, dass es finanziell Sinn macht, Arbeiten zu kaufen – appellierte aber an die Moral der Studenten.

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Anstatt sich die Nächte mit der Bachelor-Arbeit um die Ohren zu schlagen, könnten Studenten jobben gehen: Finanziell würde sich ein Ghostwriter lohnen. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Das Geschäft von Ghostwritern boomt. Laut der SRF-«Rundschau» haben letztes Jahr mindestens 200 Studenten ihre Arbeiten nicht selbst geschrieben. Auch wenn eine Bachelorarbeit mehrere tausend Franken kostet: Laut dem HSG-Studentenmagazin «Prisma» lohnen sich Ghostwriter nicht nur für die Anbieter, sondern auch für die Studenten finanziell. Schon in der Mai-Ausgabe rechnete die Studentenschaft dies genüsslich vor.

Für eine Bachelorarbeit erhalte ein HSG-Student 16 ECTS-Credits, was 480 Arbeitsstunden entspreche. «Wird angenommen, dass ein Student, anstatt die Bachelorarbeit zu schreiben, für 25 Franken die Stunde arbeiten geht, erhält man einen Wert von 12'000 Franken», heisst es im Beitrag. Dieser Wert sei also mehr als doppelt so hoch wie die 4500 bis 5500 Franken für eine durchschnittliche Bachelorarbeit.

Zum Schummeln angestiftet?

Offenbar sind sich viele Studenten aber nicht bewusst, dass kein Vater mit dickem Portemonnaie im Hintergrund stehen muss, um sich eine Arbeit zu erkaufen: Er finde die 4500 Franken «ein bisschen teuer. Für einen Bachelor-Studenten ist das schon viel Geld», sagte ein Student zu SRF. Eine weitere Studentin gab an, das sei «momentan etwas zu viel Geld».

Hat das HSG-Magazin ökonomisch denkende Studenten zum Schummeln animiert? Chefredaktorin Nina Amann sagt, sie könne dies «nicht abschätzen». Aber: «Wir machen ja keine Umfragen, was unsere Leserschaft mit unseren Artikeln macht.» Die Kosten-Nutzen-Analyse sei ein Versuch, zu erklären, warum Studenten aufs Ghostwriting zurückgriffen. Die einfache Rechnung, wie viel man während dem Schreiben mit einem Job verdienen könnte, könne ja jeder aufstellen. Zudem habe man im Artikel an die Moral der Studenten appelliert, damit sich aus dem Kaufen von Arbeiten «keine unliebsame Praxis entwickelt».

Die Medienstelle der Universität St. Gallen wollte den Artikel des Studentenmagazins nicht kommentieren. Klar ist, dass die HSG durchgreifen will. Laut SRF hat sie erstmals Strafanzeige eingereicht, «nicht gegen eine spezielle Person, Ghostwriting ist ein Offizialsdelikt». Gegenüber «Prisma» gab die Uni im Mai zudem an, «verschiedene Massnahmen» umgesetzt zu haben, worunter die klare Kommunikation falle, dass es sich bei Ghostwriting um ein schwerwiegendes Vergehen gegen die Ordnung der Universität sowie die akademische Integrität handle.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Snot Mc Booger am 08.01.2016 16:43 Report Diesen Beitrag melden

    Lohnend

    Ach was sind schon 10'000 Franken im Vergleich zu dem Lohn den man dank der Arbeit später möglicherweise erhalten wird. Dann muss man sich nur noch durch das Berufsleben mogeln können und schon ist alles im Lot. Man lernt dabei vielleicht nichts aber es geht ja heute nur noch ums Geld.

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  • Silvan am 08.01.2016 16:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Manager machens so?

    Naja machen hier nicht die Studenten vor, was sie danach im wahren leben tun sollten? Arbeiten Abschieben aber dann die Loorbeeren ernten? Wird doch tagtäglich von den hochdotierten Managern vorgelebt?

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  • Lars am 08.01.2016 16:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehler im system

    Schön. Bald ist die HSG fürs Schummeln bekannt und der Ruf dahin. Allerdings schiebe ich das auf die Ausbildung. Statt Bachelor- und Masterarbeiten schreiben zu lassen sollte es mehrere Prüfungen geben oder Examina. Da kann dann in der Regel weniger gut geschummelt werden. Ich bin mir sicher dass es dann nicht mehr so viele gute Noten geben wird.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • P. Koller am 09.01.2016 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Nur die Dachdecker

    Nur die Dachdecker "auf" der Uni schummeln nicht.

  • MJ am 09.01.2016 15:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neid muss man sich erarbeiten Mitleid kriegt man g

    Im Gegensatz zu uns Schweizern schätzt man die HSG im Ausland. Viele sind einfach nur neidisch auf die vorteilhafteren Aussichten der HSG Absolventen nach dem Studium, als die von Absolventen anderer Universitäten.

  • Av. Diaboli am 09.01.2016 15:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht nicht, aber..

    Wie viele haben es in der Schule nicht geschafft und sind dann doch noch zu etwas geworden? Nicht, dass ich Schummeleien befürworte, aber bei solchen Prüfungen ist derjenige der gut schreiben kann gegenüber dem, der es nicht gut kann aber in seinem Fach besser ist, klar im Vorteil. Warum soll sich der andere also nicht Hilfe holen?

  • ultraslan31 am 09.01.2016 15:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    MSc Q.M.

    Ich bin selber Student an der Universität Basel und kenne sehr viele meiner Kommilitonen. Wenn bei uns jemand eine Arbeit schreiben lassen würde, wäre er sofort unten durch und da wir oft über den Fortschritt unserer Arbeiten reden und uns auch gegenseitig unterstützen, würde dies recht schnell auffallen. Bisher habe ich keine Erfahrungen mit "falschen" Arbeiten machen können, ich hoffe nur das bleibt auch so.

  • Goofy am 09.01.2016 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Mangelnde Betreuung?

    Könnte mir vielleicht ein HSG'ler erklären wie sie/er während seiner Bachelor oder Masterarbeit betreut wird? Während meiner Masterarbeit hatte ich sporadische Besprechungen. An diesen musste ich jeweils kurz präsentieren, was ich seit letzter Besprechung gemacht hatte und erhielt Inputs vom Professor. Ghostwriting wäre schnell aufgefallen.

    • Maja am 09.01.2016 18:10 Report Diesen Beitrag melden

      HSGlerin

      Kommt auf den betreuenden Professor an. Einige wollen regelmässige Updates, andere überlassen dies den Studenten und wieder andere wollen sehr involviert sein. Bei den meisten meiner Kollegen wäre Ghostwriting aufgefallen.

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