Diskussion um Liebespraktik

13. Juli 2015 16:49; Akt: 14.07.2015 08:37 Print

Laut dem IZRS ist Oralsex erlaubt

Oralsex «in fortgeschrittenem Ausmass» ist gemäss einem türkischen Islam-Gelehrten verboten. Beim IZRS sieht man es anders: Diese sexuelle Praktik sei erlaubt.

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Nicolas Blancho, Präsident des Islamischen Zentralrats Schweiz: Der IZRS hat nichts gegen Oralsex einzuwenden. (Bild: Keystone/Martial Trezzini)

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Das Video geht über die Social-Media-Kanäle um die Welt: Eine türkische TV-Moderatorin fragt einen Koran-Gelehrten, welche sexuellen Praktiken Muslimen verboten seien. Als er sagt, auch Oralsex «in fortgeschrittenem Ausmass» sei nicht statthaft, bricht die Moderatorin in Gelächter aus.

Die Frage, ob aus Sicht der islamischen Religion etwas gegen Oralsex einzuwenden sei, wird weltweit auch auf Ratgeber-Foren für Muslime immer wieder gestellt – und unterschiedlich beantwortet. Denn offenbar ist dies Auslegungssache – die Gelehrten vertreten unterschiedliche Meinungen. Die einen bezeichnen Oralverkehr als unproblematisch, andere sagen, die Praktik sei «eklig, aber nicht ungesetzlich», manche raten generell davon ab.

IZRS-Website beantwortet die wichtigsten Sex-Fragen

Mit «Oralverkehr in fortgeschrittenem Ausmass» dürfte der türkische Gelehrte gemeint haben, dass Oralsex, der bis zum Orgasmus des Mannes und damit zu dessen Ejakulation betrieben wird, zu verurteilen sei. Viele muslimische Gelehrten weisen darauf hin, dass Mund und Zunge nicht mit Körperausscheidungen in Kontakt kommen dürfen – Mund und Zunge würden dazu genutzt, Koran-Verse zu rezitieren, und hätten entsprechend rein zu bleiben.

Sex ist auch auf der Website des radikalen Islamischen Zentralrats Schweiz (IZRS) ein Thema. Man wolle «unverkrampfte Antworten zu immer wiederkehrenden Fragen der Sexualität im Islam geben», schreibt der IZRS und beantwortet in einem Online-Ratgeber die häufigsten Fragen, die Musliminnen und Muslime im Zusammenhang mit Sex haben. Punkto Oralverkehr heisst es im IZRS-Ratgeber, es gebe keine Quelltexte, die die Annahme untermauern würden, Oralsex sei im Islam verboten. Dies gilt gemäss IZRS auch nicht für «fortgeschrittenen Oralsex»: «Sowohl das männliche Sperma als auch das weibliche Scheidensekret werden in der islamischen Rechtsprechung als rein kategorisiert.»

«Im Westen ist Oralsex weit verbreitet»

Aber, so mahnt der IZRS: «Einige Gelehrte haben darauf hingewiesen, dass beim Oralverkehr die Möglichkeit der Beimischung von kleinsten Urinmengen bestünde.» Und Urin gelte als unrein.

«Im Westen ist Oralsex weit verbreitet und gehört zur normalen sexuellen Praxis zwischen Mann und Frau», stellt der IZRS weiter fest. «Zudem sollten sexuelle Bedürfnisse innerhalb der Ehe befriedigt werden, soweit jene nicht durch klare Normen verboten wurden, damit keine verborgenen Wünsche nach solchen Praktiken übrigbleiben.» Aussereheliche Affären würden oft gerade durch eine allzu tabuhafte Ehebeziehung begünstigt.

(lüs)