Altstätten SG

23. November 2019 16:38; Akt: 23.11.2019 17:18 Print

Lebte IS-Mann unbehelligt in Bundes-Asylzentren?

Ein IS-Kämpfer soll monatelang in Asylzentren des Bundes gelebt haben. Den Vorwürfen sei nie nachgegangen worden, berichten türkische Medien.

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Der mutmassliche IS-Kämpfer E.D. soll monatelang unbehelligt in zwei Asylzentren des Bundes gelebt haben. Das berichtet das Portal «Yeni Özgür». Im Zentrum des Bundes in Altstätten SG habe er «praktisch als Leiter» fungiert. So habe er Medikamente verteilt und guten Kontakt zu Sicherheitsleuten gepflegt. Auch habe er andere Asylbewerber mit dem Handy aufgenommen und sie gar in andere Räume eingeteilt, berichtet «Yeni Özgür». Später wurde er ins Zentrum in Kreuzlingen umgesiedelt. Dort kam es am letzten Samstag zur Verhaftung von D., berichtet das Portal «Crime Schweiz». Es laufe eine Strafuntersuchung wegen des Tatverdachts der rechtswidrigen Einreise, wird Oberstaatsanwalt Marco Breu von «Crime Schweiz» zitiert. Zudem gebe es den Verdacht der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Die Verhaftung kommt nur wenige Tage, nachdem ein Schweizer IS-Kämpfer Schlagzeilen machte. Der Aargauer Thomas C. arbeitete an der Planung eines Anschlags in Deutschland. Dafür bildete er drei Hit-Team in Raqqa aus. Zum ersten Team gehörten Adnan Sutkovic aus Bremen (im Bild) und Zulhajrat Seadini aus Hamburg. Sutkovics Gesicht war in einem Propaganda-Video des IS aus 2015 erschienen. Auch Seadinis Aussehen war den Behörden bekannt. Darum wies der Schweizer Jihadist die beiden deutschen IS-Kämpfer an, ihr Äusseres zu verändern. Die beiden Norddeutschen reisten im Oktober 2016 in die Türkei und unterzogen sich einer Haartransplantation. Sei wurden von den Behörden dennoch erkannt und verhaftet. Der in Nussbaumen AG geborene Thomas C. bildete ausserdem die IS-Attentäter von Paris und Brüssel an den Waffen aus. Ausserdem leitete er ein Foltergefängnis der Terrormiliz in Manbij. Die Grenzstadt in Nordsyrien stand ab 2014 zwei Jahre unter der Herrschaft des IS. Im Innenhof des Gefängnisses von Manbij, das vor dem IS ein Hotel war, fanden sich bis letztes Jahr noch zahlreiche Folterinstrumente der Jihadisten. Dank seiner guten Kontakte zum höchsten Chef im IS-Geheimdienst Amniyat und seiner exzellenten Sprachkenntnisse ist der Schweizer zunehmend involviert in die Planung von IS-Attacken im Ausland: In Raqqa ... ... bildet er mindestens Brahim Abdeslam aus, einen der Attentäter von Paris (im Bild). Am 13. November 2015 setzt der IS seinen Plan in die Tat um. Insgesamt 130 Menschen sterben in Paris. Ein halbes Jahr später schlagen IS-Terroristen in Brüssel zu. Zwei von ihnen dürften «Bild» zufolge ebenfalls von Thomas C. in Syrien trainiert worden sein. 32 Menschen sterben an jenem 22. März 2016.

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Der mutmassliche IS-Kämpfer E. D. reiste laut dem türkischen Portal «Yeni Özgür» vor einem halben Jahr als Flüchtling in die Schweiz ein und kam im Asylzentrum des Bundes in Altstätten SG unter. Dort habe er «mit seinem Selbstbewusstsein und seiner entspannten Haltung» alle Blicke auf sich gezogen.

Das Portal berichtet, D. sei über die Zeit «praktisch Leiter des Lagers» geworden. Er habe die Küche für die Zubereitung eigener Mahlzeiten benutzen dürfen, was anderen untersagt gewesen sei. Kranken Asylbewerbern habe er Medikamente organisiert, zu Mitarbeitern der für die Sicherheit zuständigen Firma habe er gute Kontakte gepflegt.

Ignorierte Leitung Hinweise?

Das sei so weit gegangen, dass er sogar neu ankommende Asylbewerber in andere Räume eingeteilt habe und Informationen über diese gesammelt habe. Er habe auch andere Asylbewerber mit der Kamera aufgenommen. Mehrere andere Asylbewerber hätten sich bei der Leitung des Zentrums beschwert – ohne Erfolg, wie «Yeni Özgür» berichtet. D. selbst habe behauptet, er habe für die kurdische Miliz YPG gekämpft.

Nach einiger Zeit sei D. in das Bundeszentrum in Kreuzlingen umgesiedelt worden. Hinweisen von anderen Asylbewerbern, D. sei Mitglied des IS, sei nicht nachgegangen worden. Stattdessen habe die Leitung nach konkreten Beweisen gefragt.

Verhaftung am letzten Samstag

Nach einiger Zeit jedoch habe ihn ein weiterer Bewohner als IS-Mitglied erkannt – und der Leitung einen Beweis vorgelegt. Auf einem Foto ist der bärtige D. in Militärkleidung in Syrien abgebildet. Es erschien in der syrischen Presse zur Mitteilung zum Tod von IS-Kämpfern.

Danach reagierten die Behörden. Wie die Oberstaatsanwaltschaft des Kanton Thurgau dem Portal «Crime Schweiz» gegenüber bestätigt, wurde D. am letzten Samstag festgenommen. Es laufe eine Strafuntersuchung wegen des Tatverdachts der rechtswidrigen Einreise, wird Oberstaatsanwalt Marco Breu zitiert.

Aufgrund des Verdachts einer Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sei umgehend die Bundesanwaltschaft informiert worden. Die Einvernahme von D. durch die Kantonspolizei Thurgau sei deshalb in Gegenwart von Beamten der Bundeskriminalpolizei erfolgt, so Breu zu «Crime Schweiz». D. befinde sich mittlerweile in Ausschaffungshaft.

(ehs)