Coronavirus

13. März 2020 04:53; Akt: 13.03.2020 06:50 Print

Lehrer haben Angst vor Coronavirus-Ansteckung

von D. Krähenbühl - Lehrpersonen von obligatorischen Schulen werden zu wenig gut geschützt, kritisiert der Lehrerverband. Die Schliessung von Schulen soll nicht ausgeschlossen werden.

Das sagen Gymi-Schüler zu allfälligen «Pandemie-Ferien». (Video: C. Seemann / D. Krähenbühl)
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Kinos, Clubs und Fitnesscenter bleiben zu, Sportveranstaltungen werden gestrichen und Gymischüler und Studenten bleiben zu Hause: Das Tessin greift im Kampf gegen das Coronavirus rigoros durch. Auch andere Kantone werden solche Massnahmen wohl anwenden, schrieb am Donnerstag das Bundesamt für Gesundheit (BAG) auf Twitter.

Dass der Betrieb in dieser Situation auf Stufe Kindergarten, der Primarschule und Sek weiterläuft, wird vom Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) jetzt scharf kritisiert: «Je mehr Massnahmen man ergreift, desto weniger kann ich nachvollziehen, dass man nicht auch an die Lehrerinnen und Lehrer an den obligatorischen Schulen denkt», sagt Zentralpräsidentin Dagmar Rösler. «Wenn sich die Lage zuspitzt, muss man über eine Schliessung der obligatorischen Schulen nachdenken.»

«Wenig Beachtung» für Schutz von Lehrern

«Einige Lehrer und Lehrerinnen stehen kurz vor der Pensionierung, andere sind gesundheitlich angeschlagen und andere haben Familienmitglieder mit einem geschwächten Immunsystem zu Hause.» Der Schutz dieser Personengruppe werde bei den Pandemie-Massnahmen viel zu wenig beachtet, sagt Rösler. «Wir haben viele Anfragen von verunsicherten Lehrern – zu Recht.»

Schliesslich sei es in einem Klassenzimmer mit 20 Kindern fast unmöglich, konstant 2,5 Meter Abstand zwischen allen Personen einzuhalten. «Das weiss jeder, der Kinder hat», sagt Rösler. Der LCH werde am Montag zusammenkommen und geeignete Massnahmen formulieren.

«Lehrer müssen geschützt werden»

Von den lokalen Sektionen erfährt sie Unterstützung: «Schulschliessungen machen dann Sinn, wenn das Virus damit gebremst oder zumindest verlangsamt werden kann», sagt Stefan Wittwer vom Berner Lehrerverband Bildung Bern. Es sei wichtig, dass Lehrpersonen aus Risikogruppen, egal welcher Schulstufe, geschützt werden. «Darf sich eine Lehrperson aufgrund ihrer Vorerkrankung auf keinen Fall mit dem Coronavirus anstecken, muss sie selbstverständlich dem Unterricht fernbleiben können.»

Eine andere Weisung erhielten Baselbieter Lehrpersonen am Donnerstag. In einer kantonalen Leitlinie werden sie über den Umgang mit dem Coronavirus informiert. Darin steht, dass «Schul- und Arbeitspflicht auch für Angehörige von Risikogruppen uneingeschränkt gelten».

Dispens mit Arztzeugnis

Die kantonale Direktive sorgt bei Eltern von schulpflichtigen Kindern für Verärgerung. In einer Petition auf Change.org fordern sie die Schliessung von Spielgruppen, Kindergarten und Schulen, um weitere Infektionen zu vermeiden. Aus dem gleichen Grund haben mittlerweile auch die Tessiner Gemeinden Locarno und Lugano die Schulpflicht aufgehoben. Auch Italien und andere europäische Länder griffen bereits zu dieser Massnahme.

Das BAG verzichtete bisher auf eine Einstellung des Schulbetriebs. Man wolle nicht, dass Kinder von den Grosseltern betreut werden. Auf Anfrage schreibt das Bundesamt nur, dass «verschiedene Möglichkeiten» bestehen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Re/Su am 13.03.2020 07:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiterdenken ist nicht deren Stärke!

    Es geht der Regierung nur um die Wirtschaft! Sie haben Angst, dass Arbeitnehmer nicht mehr zur Arbeit kommen, da sie dann auf ihre Kinder aufpassen müssen. Was denkt denn die Regierung, wer aktuell auf die Kinder aufpasst? Auch die Grosseltern! Genau! Das Ansteckungsrisiko ist logischerweise aktuell viel höher, da die Kids jeden Tag mit anderen Kindern in die Schule gehen und somit den Virus auch zu den Grosseltern nachhause tragen.

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  • marcel maurer am 13.03.2020 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sofort massnahme

    warum kann nicht gesamt schweizerisch 14 tage ferien verordnet werden? bis auf wenige zweige wie ärzte, pflegpersonal, lebensmittel verkäufer und andere nötige institutionen. wenn so die ganze schweiz lahm gelegt wird wird das sicher auch für den virus sein. bei den infizierten bricht es aus und somit kann man diese trennen von den gesunden ohne es überall hin zu tragen. das gibt dem virus keine chance, schlepend überall sich breit zu machen. unsere wirtschaft stünde 14 tage still aber man hätte sicher mehr ruhe danach als schleppend da oder dort versuchen etwas ein zu dämmen.

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  • S.P. am 13.03.2020 06:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Passiert genau jetzt...

    Viele Kinder werden auch jetzt von den Grosseltern betreut. Vor oder nach der Schule und über den Mittag. Das ist doch ein grosses Risiko oder nicht?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ritt am 14.03.2020 18:31 Report Diesen Beitrag melden

    Schulen "geschlossen"- Tagesbetreuung

    Leider weiss Coronavirus nicht, ob es Unterricht oder Tagesbetreuung heisst. Wird sich gleich verbreiten. Trotzt Schliessung der Schulen müssen alle Lehrer gleich in der Schule erscheinen und für Eltern die arbeiten gehen Kinderbetreuung anbieten. Also es bleibt alles beim gleichen- gleiche Schulhaus, gleiche Räume und Kinder. Dazu -keine Desinfektionsmittel, niemand putzt extra, "Abstand halten" bei Primarschülern ein Witz.

  • naja am 14.03.2020 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Sorgenfrei als Lehrer

    Die Lehrer haben doch genau wie die Entscheidungsträger der Schliessungen nichts zu befürchten. Bekommen ihr Gehalt weiter gezahlt und haben noch extra Ferien obendrauf. Lösung wäre, jetzt alles schließen, dafür Sommerferien Schule nachholen.

  • Lara N. am 14.03.2020 10:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kita Mitarbeitenden

    Und was ist mit den Kita Mitarbeitenden?

  • Disvfianmi am 14.03.2020 10:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verkaufspersonal

    Rosy Aber beim Verkaufspersonal spielt es keine Rolle wie alt man ist, jederman will einkaufen und wehe es fehlt irgend ein Artikel da wird man auf das Übelste beschimpft.

  • Norbert Fearless am 13.03.2020 22:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vor nichts Angst ihr salachos

    Habe nur Angst vor dem jabberwacky und sonst vor nichts