Vorurteile an der Schule

08. Juli 2018 10:02; Akt: 08.07.2018 10:02 Print

Lehrer trauen Migrantenkindern wenig zu

Lehrer diskriminieren Kinder mit ausländischen Wurzeln, weil sie zu tiefe Erwartungen an ihre Leistungen stellen. Das bedingt einen Teufelskreis, sagt eine neue Studie.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Lehrer sollten ihren Schülern unvoreingenommen gegenüber treten, das Geschlecht oder die Herkunft eines Kindes oder Jugendlichen sollte im Klassenzimmer keine Rolle spielen – soweit die Theorie.

Umfrage
Trauen Lehrerinnen und Lehrer Migrantenkindern weniger zu?

In der Praxis sieht das ein wenig anders aus, wie eine Studie der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz zeigt. Deren Ergebnisse legen nahe: Lehrer diskriminieren Kinder mit Migrationshintergrund, weil sie zu tiefe Erwartungen an ihre Leistungen stellen.

Schüler geraten in Teufelskreis

«Die Förderung und Beurteilung von Kindern erfolgt leider nicht so neutral, wie sie sollte», sagt der zuständige Professor Markus Neuenschwander in der «NZZ am Sonntag».

Besonders in Mathematik liegen die Erwartungen laut der Studie massiv tiefer. Und das, obwohl objektiv keine Leistungsunterschiede zwischen einheimischen und Migrantenkindern bestehen. Das Fatale dabei sei, dass dies zu schwächeren Leistungen bei den Schülern führe. Diese gerieten dann in einen Teufelskreis – Vorurteile würden bestätigt.

«Wer von einem Kind wenig erwartet, fördert und fordert es weniger», erklärt Professor Markus Neuenschwander. Die Leistungsunterschiede zwischen Migranten und Nichtmigranten würden im Verlauf einer Schulkarriere folglich immer grösser.

Verband nimmt Lehrer in Schutz

Die Studie bestätigt Ergebnisse von ähnlichen Untersuchungen im Ausland und die Erfahrung zahlreicher Fachleute in der Schweiz, auch die von Erziehungswissenschaftlerin Katharina Maag. «Die Lehrpersonen müssen sich verbessern», sagt Maag. «Dazu braucht es Information, aber auch ein ständiges Hinterfragen der eigenen Haltung.»

Beat Zemp, Präsident des Lehrerverbands Schweiz nimmt seine Kolleginnen und Kollegen in Schutz: «Erwartungen sind immer durch Erfahrungen geprägt, die sich im Verlauf der Zeit zu Stereotypen verdichten können», sagt er in der Zeitung. Das gelte für Lehrer genauso wie für andere, etwa Journalisten oder Politiker. «Lehrpersonen sind nicht davor gefeit, negative Erwartungshaltungen auf Schüler zu übertragen», sagt Zemp.

(jdr)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • fips am 08.07.2018 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naja

    wie bekamen in der 6 klasse ein flüchtling alterswegen kam er zu uns. er konnte weder lesen noch schreiben. von da an gieng sicher 50% der zeit des lehrers für ihn drauf.

    einklappen einklappen
  • Michi am 08.07.2018 10:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Meinung

    Es ist die Aufgabe der Eltern vom Migrantenkindern, diese die Sprache und die Wert des Gastlandes beizubringen! Es ist einfach die Verantwortung des eigenen Nachwuchses dem Staate abzugeben.

    einklappen einklappen
  • vernachlässigter Schweizer am 08.07.2018 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    es wird langsam mühsam diese ewige Integ

    Mir zeigen die ewigen Diskussionen, dass die Integration doch nicht so erfolgreich ist, wie es uns die Politiker weiss machen wollen. Es kommen einfach zu viele und das kann niemand bewältigen. Es hat auch nicht mit Benachteiligung zu tun. Man kann auch sagen, durch die ewige Integration ist das allgemeine Bildungsniveau gesunken.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • M. Dupuis am 08.07.2018 22:58 Report Diesen Beitrag melden

    Als Eltern konnten wir es nicht zulassen

    Fuer uns war es ganz klar. Wir wollten einfach keine Ahmed, Novak, Mohammed, Mpho, oder was auch, die mit meinem Frederich in den Chinsgi gingen. Seit anfang an in Privat-Schulen, jetzt ist er an der UNI-Lausanne.

  • Willhellm Tell am 08.07.2018 22:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Guter Artikel

    Unglaublich - der Rassismus hier. Vor Hundert Fünfzig Jahren waren in der Schweiz 80 Prozent Ausländer. Ich kann den Artikel voll unterstützen, mein Sohn hatte nicht nur mit den Lehrpersonen zu kämpfen, sondern auch mit den Bünzlieltern - grossteils Assimilierte - und das mit 5 Jahren alt, bis 9 Jahre alt. Harte Ditten, hier, in der Schule. Nun mit der Tochter hatten wir Glück, eine offene Kindergärtenerin zu haben, die ihren einen superschönen Start ermöglicht hat. Die Lehrperson , als Erziehungsberechtiger, hat alle Karten in der Hand und von denen wünsche ich mir durchs Band, ein Maximum an Fairness.

  • Ueli Burri Jr. am 08.07.2018 22:47 Report Diesen Beitrag melden

    Es war nix, sogar im Kreis 7 verseucht

    Es war genau so mit unseren Zwillingen. Der Hofacker war ganz schlimm, schon in der 1.Kl. Sind dann in die Intl' American School nach Zumikon. Jetzt beide an der UNI Zurich in Pre-Med und St.Gallen in Betriebswirtschaft.

  • Creature am 08.07.2018 22:32 Report Diesen Beitrag melden

    über diaspora reden wir erst gar nicht

    "Erwartungen sind immer durch Erfahrungen geprägt" etc. Bitte liebe Lehrerschaft: Nicht reaktiv bleiben sondern kreativ sein! Einstein meinte überraschend passend: Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.

  • Mike J. am 08.07.2018 22:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nomen est Omen

    Kindern mit ausländischen Namen werden schon in der Primarschule kategorisiert. Ab der ersten Klasse sieht man den Kleinen mit den dunklen Haaren und dem unaussprechbaren Namen als Sek B oder Sek C Schüler, indirekt wird das auch eingetrichtert, so nebenbei, abet bei jeder Gelegenheit. "Ist ja nicht deine Muttersprache!" Vor allem bei den älteren Lehrpersonen noch sehr stark zu beobachten. Die meisten mit Migrationshintergrund können ein Liedchen davon singen. Als Schweizer kann man das vielleicht nicht gjauben, würde vorschlagen, mal Kolleginnen und Kollegen mit Migrationshintergrund direkt zu fragen. Echt traurig!