Social Media

29. August 2016 14:11; Akt: 29.08.2016 15:27 Print

Lehrer informieren ihre Klassen über Whatsapp

von Camille Kündig - Lehrer nutzen vermehrt Whatsapp, um an ihre Schüler Informationen weiterzugeben. Der Präsident des Schweizer Lehrerverbands sieht das kritisch.

Mit dem Kurznachrichtendienst Whatsapp lassen sich Gruppen kreieren und einfach Informationen an mehrere Nutzer schicken. Das kann sich für eine Schulklasse als nützlich erweisen. (Video: 20 Minuten)
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In den Schweizer Klassenzimmern wird der Kurznachrichtendienst Whatsapp immer häufiger genutzt – und zwar nicht nur unter den Schülern: Lehrer und ihre Zöglinge tauschen sich immer öfter in Gruppenchats aus, viele Pädagogen schaffen solche Gruppen für ihre Klassen.

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Solche Chats gebe es in der Stadt Zürich ab der siebten Klasse in den meisten Schulen, sagt etwa Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerverbands. «Wir haben auch für meine Schulklasse so einen Chat.» Damit seien anders als früher keine umständlichen Anrufe gemäss vorgegebener Klassenliste mehr nötig. «Wenn der Sporttag wegen Regen abgesagt wird oder wenn ich die Klasse bei der Schulreise informieren möchte, auf welchem Gleis der Zug abfährt, ist der Chat sehr praktisch.»

«Solche Gruppen gibt es in vielen Klassen»

Manchmal gebe es zwar ein Kind, das kein Smartphone besitzt. «Dann muss man diesen Schüler halt separat kontaktieren», so Lätzsch. Es gebe auch Fälle, wo sich ein E-Mail immer noch besser eigne als der Gruppen-Chat. So zum Beispiel, wenn eine Frage nur einen bestimmten Schüler betriffe.

Auch Beat Lüthy, Co-Präsident des Schulleiterverbands des Kantons Basel-Landschaft, sagt: «Solche Whatsapp-Gruppen gibt es in meinem Umfeld in vielen Klassen.» Doch eignet sich Whatsapp für die Kommunikation einer Institution wie der Schule? Dagegen sei nichts einzuwenden, da es sich bei Whatsapp-Chats um geschlossene Gruppen handle, findet Lüthy. Hier sei die Trennung von Privatem und Beruflichem auch einfacher als beispielsweise bei Facebook.

«Probleme bezüglich Datenschutz»

Klassen-Chats hätten verschiedene Vorteile, so Lüthy. «So können sich die Schüler über die Gruppe bei Abwesenheiten abmelden oder die Lehrer haben die Möglichkeit, alle Schüler relativ einfach über Stundenausfälle zu informieren.»

Beat W. Zemp, Präsident des Schweizer Lehrerverbands, sieht den Trend jedoch sehr kritisch. «Wir raten den Lehrern aber ab, solche Chats zu nutzen», sagt er. «Es kann bei Diensten, die Server ausserhalb der Schweiz benutzen, Datenschutzprobleme bei personenbezogenen Informationen geben.» Ausserdem sei nicht klar, inwiefern der Lehrer für die im Chat ausgetauschten Informationen verantwortlich ist, beziehungsweise ob er verpflichtet ist, den Verlauf zu überwachen.

«Potenzial für den Unterricht vorhanden»

Die Digitalisierung der Bildung sei aber im Fokus des Bundes und der Erziehungsdirektorenkonferenz. «In den nächsten Jahren wird die Digitalisierung der Bildung Realität», so Zemp.

Social-Media-Experte und Lehrer Philippe Wampfler sieht in den Whatsapp-Gruppenchats im Schulzimmer viele Vorteile: «Sie erlauben einen schnellen Austausch bei Fragen, die alle angehen. Ausserdem wird Whatsapp von allen verwendet.» Darüber hinaus könnten Lehrpersonen sogar Hausaufgaben geben, die im Kanal gelöst werden.

Den Schülern gefällts

Wampfler stellt jedoch klar: «Als Lehrer darf man nicht den Eindruck haben, ständig präsent sein zu müssen. Es reicht, die Gruppen zu Hause einmal anzuschauen.»

Die Schüler jedenfalls scheinen die Klassen-Chats gut zu finden: «Wenn jemand im Whatsapp-Chat eine Frage stellt, können wir alle von der Antwort profitieren», sagt eine Schülerin aus Yverdon VD zum Westschweizer TV-Sender RTS. Ausserdem sehe man dank den Häkchen, ob die Nachricht angekommen ist und gelesen wurde. Das sei auch für den Lehrer praktisch: «Wir können seine Mitteilungen dann nicht einfach ignorieren», scherzt ein weiterer Schüler.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • mvale am 29.08.2016 14:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    modern

    die, die es kritisch sehen haben meiner meinung nach angst vor der zukunft. die vorteile überwiegen doch!?

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  • Dani am 29.08.2016 14:32 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht mit mir

    Und muss ich als Schüler mich dann verpflichten, Nachrichten zu lesen? Was, wenn ich einen Abend lang keine Lust auf das Smartphone habe? (ja, das gibt's wirklich). Und was, wenn ich eine Nachricht nur öffne aber nicht lese? Kann mich schliesslich niemand dazu zwingen, es ist meine Freizeit.

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  • D. Burgler am 29.08.2016 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Whatsapp-Alternativen

    Es gibt Alternativen mit weniger Datenschutzproblematik, z.B. die Open Source-App-Signal. Die quasi-Pflicht einzuführen, ein proprietäres Produkt zu installieren und damit persönliche Daten z.B. der Auswertung durch facebook anheim zu geben, ist wirklich bedenklich. Die Funktionalität von whatsapp ist hingegen wirklich nützlich. Aber andere Open Source- oder in der Schweiz domizilierten Messenger können dasselbe.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Keno am 30.08.2016 18:11 Report Diesen Beitrag melden

    Noch besser

    Wir kennen das direkt von unseren 3 Kindern. (Fussball)Clubs informieren nur noch so... Meine Frau und ich haben/wollen aus perönlichen Gründen kein Handy. Das führt nur selten zu Missverständnissen. Die Leute darüber zu Informieren ist aber Pflicht! Ein KlassenChat find ich nicht schlecht, der Lehrer, und auch die Kinder, sollten sich aber nicht zu stark darauf fokussieren, da dies nicht ganz Privat ist. Auch sollten diese besser nicht per WathsApp sondern mit dem lokalen "Threema" geführt werden. Ihr SchulDirektoren - Fragt doch mal bei der Schweizer Firma nach einem Schulklassen-Angebot;-)

  • Pragmatiker am 30.08.2016 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber über Email!

    WhatsApp hat absolut keine Vorteile Email gegenüber.

  • IR am 30.08.2016 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur negativ

    Es geht ja nicht darum, dass die lehrer im unterricht per messenger unterrichten. Alle die so schockiert aufschreien, von wegen bringt nichts. Erinnert ihr euch an den klassischen telefonalarm, die info nr anzurufen, ob die schulreise oder whatever stattfinder oder nicht? Da ist ein klassenchat sicher die bessere lösung.

  • F. Posthumus am 30.08.2016 14:48 Report Diesen Beitrag melden

    Ausprobiert und gute Erfahrungen gemacht

    Ich habe das als Klassenlehrer einer Oberstufenklasse (Real) gemacht und ich war positiv überrascht. Funktioniert viel besser als eine Telefonkette! Wichtig ist aber, dass der Lehrer im Unterricht grundsätzlich das Thema "Smartphone & Co." thematisiert und Chancen und Gefahren von solchen Diensten aufzeigt.

  • Jigi am 30.08.2016 13:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Muss jeder Weg bequem sein

    Heute in Schule, morgen auf der Arbeit. In der Freizeit ist keine Verpflichtung nachrichten zu lesen oder darauf zu antworten. "Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps" auch in der Schule. Wie wärs mit gleich zu Hause bleiben und Fernschulung, dann haben wir auch gleich ein Verkehrsproblem weniger.