Physik makaber

20. März 2016 19:33; Akt: 20.03.2016 19:33 Print

Lehrer stellt Selbstmord-Aufgabe

von Frédéric Nejad Toulami - Ein Lausanner Lehrer formulierte eine in mehrfacher Hinsicht schwierige Physik-Aufgabe. Die 14-Jährigen und ihre Eltern hatten daran keine Freude.

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Die Pont Bessières seit vielen Jahren eines der Wahrzeichen von Lausanne, hoch über der Stadt. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

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«Herr Durant hat beschlossen, mit seinem Leben abzuschliessen. Und zwar, indem er von der Pont Bessières springt. Er berührt den Boden mit einer Geschwindigkeit von 77 Stundenkilometern. Wie hoch ist demnach die Brücke von Bessières?»

Manche Schülerinnen und Schüler im Lausanner Schulhaus Béthusy waren entsetzt, als sie diese Aufgabe im Februar lösen mussten. Sie sind zwischen 14 und 15 Jahre alt – die Pont Bessières ist in der Waadtländer Kantonshauptstadt bekannt als Ort, an dem verzweifelte Menschen in die Tiefe stürzen.

Direktor bedauert, dass Eltern Medien einschalteten

Nachdem Schuldirektor Jean-François Borgeaud die Aufgabe studiert hat, gibt er zu, dass «eine ungeschickte Handlung begangen» worden sei – «das gibt auch der Lehrer zu, was die Direktion schätzt. Wir werden sicherstellen, dass etwas Derartiges in Zukunft nicht mehr vorkommt. Und wir werden auf die Schüler der betreffenden Klasse zugehen, um sicherzustellen, dass niemand traumatisiert wurde.» Borgeaud bedauert, dass die Eltern die Medien eingeschaltet haben, statt das Gespräch mit der Schuldirektion zu suchen.

Selbstmord nicht banalisieren

«Stellen Sie sich den Schmerz eines Schülers vor, der ein Elternteil oder sonst eine nahestehende Person durch einen Selbstmord verloren hat», sagt Irina Inostroza von der Vereinigung «Stop Suicide». «Wir möchten alle schulischen Institutionen dazu ermutigen, das Thema Suizid mit Augenmass und Sorgfalt anzugehen; man darf es weder banalisieren noch in brutaler Sprache ansprechen. Sterben, der Tod – das ist immer ein Schock für alle Betroffenen.»


Anmerkung des Übersetzers des Artikels (aus dem 20 Minutes vom Freitag, 18. März 2016): Gemäss seinen Berechnungen ist die Lösung der schwierigen Aufgabe 23,31728 Meter. Angabe ohne Gewähr: Die letzte Physikstunde ist schon ein Weilchen her.