Znüni-Kontrollen in Schulen

25. September 2019 08:30; Akt: 25.09.2019 10:43 Print

Lehrer nehmen Konfibrötli und Buttergipfeli weg

Schoggi muss weggepackt werden, Sandwiches werden kontrolliert. Eltern beklagen, dass Lehrer sich zu stark in die Ernährung der Kinder einmischen.

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Kohlrabi, Fenchel, Nature-Joghurt und Reiswaffeln – diese gesunden Speisen sollten Kinder in Genfer Schulen zum Znüni essen. Hier im Bild: ein Ausschnitt aus dem Flyer «Merkblatt – Gesundes Znüni und Zvieri» der Stadt Bern. Schoggistängeli müssen weggepackt werden, Sandwiches werden kontrolliert. Eltern beklagen, dass Lehrer sich zu stark in die Ernährung der Kinder einmischen. (Symbolbild) In manchen Schulen würden die Empfehlungen allerdings sehr strikt umgesetzt, beklagen sich Eltern bei der «Tribune de Genève». Diese würden den Kindern verbieten, süsse, fettige oder sehr salzige Speisen für den Znüni mitzubringen. (Symbolbild) Eine Mutter beschwert sich beispieslweise, dass sie ihrer Tochter nicht einmal ausnahmsweise ein Schoggibrötli mitgeben dürfe. (Symbolbild) Ein Vater aus dem Zürcher Unterland berichtet, dass die Kindergärtnerin seines Sohnes regelmässig Znüni-Kontrollen gemacht habe. «Sie hat jeweils in alle Sandwiches der Kinder geschaut und sie auf den Inhalt geprüft. War etwas Unerlaubtes drin, hat sie sie in den Abfalleimer geworfen.» (Symbolbild) Eine Mutter aus Beromünster berichtet, in der Primarklasse ihres Sohns würden ebenfalls ungesunde Znünis beschlagnahmt: «Meine Kinder erzählten, dass anderen schon Schoggistängeli und Gipfeli weggenommen wurden.» (Symbolbild) In der Primarschule Boppartshof in St. Gallen werden gemäss Schulleiterin Romana Müller Cola und Eistee in den Pausen nicht toleriert und müssen weggepackt werden. «Bei Gummibärchen wird das Gespräch mit den Kindern gesucht.» (Symbolbild) Schulleiter Martin Kulli sagt, dass Konfiszieren an seiner Schule nicht die Regel sei: «Normalerweise nehmen wir den Kindern nichts weg.» Stattdessen sei das Ziel, dass man mit den Eltern kommuniziere, auch wenn Kinder wiederholt mit Ungesundem in der Schule erschienen. Für Romana Müller ist die Vermittlung einer gesunden Einstellung zu Ernährung an Kinder und Eltern zentral. (Symbolbild)

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Kohlrabi, Fenchel, Nature-Joghurt und Reiswaffeln – diese gesunden Speisen sollten Kinder in Genfer Schulen zum Znüni essen. Gipfeli, Schokolade, Cornflakes und Guetsli aber sollten auf Empfehlung des Erziehungsdepartements des Kantons Genf vermieden werden, wie die Westschweizer Zeitung «Tribune de Genève» schreibt.

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Aus Empfehlungen werden Verbote

In manchen Schulen würden die Empfehlungen sehr strikt umgesetzt, beklagen sich Eltern bei der «Tribune de Genève». Diese würden den Kindern verbieten, süsse, fettige oder sehr salzige Speisen für den Znüni mitzubringen. Tun sie das doch, würden sie an einigen Schulen von Lehrpersonen gar konfisziert – obwohl das laut den Behörden gar nicht zulässig wäre.

So beklagt sich eine Mutter, dass ihrer Tochter die Schoko-Reiswaffeln weggenommen worden seien. Ein Vater erzählt, dass sein fünfjähriger Sohn einen nicht erwünschten Znüni heimlich habe herunterschlingen müssen. Und eine weitere Mutter beschwert sich, dass sie ihrer Tochter nicht einmal ausnahmsweise ein Schoggibrötli mitgeben dürfe.

«Ungesundes landet im Abfalleimer»

Ein Vater aus dem Zürcher Unterland berichtet 20 Minuten, dass die Kindergartenlehrperson seines Sohnes regelmässig Znüni-Kontrollen gemacht habe. «Sie hat jeweils in alle Sandwiches der Kinder geschaut und sie auf den Inhalt geprüft. War etwas Unerlaubtes drin, hat sie sie in den Abfalleimer geworfen.» Betroffene Kinder hätten dann den anderen zuschauen müssen, wie sie ihren Znüni assen, selbst aber keinen Ersatz bekommen. Allerdings hätten es an der Schule nicht alle Lehrpersonen so gehandhabt.

Speziell sei auch gewesen, so der Vater, dass die Eltern von der Schule keine Liste mit erlaubten und verbotenen Speisen erhalten hätten. «Gewisse Früchte waren erlaubt, andere nicht, gewisse Nahrungsmittel wie Schweinefleisch waren okay, aber Konfitüre nicht. Ist Schweinefleisch gesünder als Konfi?» Klar, es gehe um den Zuckergehalt und Prävention sei sinnvoll, sagt der Vater. Aber Verbote und Konfiszierungen seien nicht der richtige Weg. «Die Schule betont, wie wichtig die Zahnprophylaxe ist, die Kindergartenlehrpersonen wollen aber nicht gemeinsam mit den Kindern die Zähne putzen nach dem Znüni essen.»

Znünis auf Zeit konfisziert

Eine Leserin aus Beromünster LU berichtet, in der Primarklasse ihres Sohns würden ebenfalls ungesunde Znünis beschlagnahmt: «Meine Kinder erzählten, dass anderen schon Schoggistängeli und Gipfeli weggenommen wurden.» Allerdings passiere das nur im Wiederholungsfall. «Und die Lehrer haben immer gesunde Ersatzznünis für die Kinder dabei.» Nach dem Unterricht bekämen sie ihr Essen wieder zurück, mit einer Botschaft an die Eltern, sie sollen ihren Kindern Gesundes mitgeben.

Schulleiter Martin Kulli sagt, dass Konfiszieren an seiner Schule nicht die Regel sei: «Normalerweise nehmen wir den Kindern nichts weg.» Stattdessen sei das Ziel, dass man mit den Eltern kommuniziere, auch wenn Kinder wiederholt mit Ungesundem in der Schule erschienen.

Auch bei Andrea-Sandro Portapia, Schulleiter der Schule Egerkingen SO, müssen zum Beispiel die Kinder des Kindergartens Ungesundes beiseitelegen. Dann würden die gesunden Speisen der anderen Kinder mit ihnen geteilt. Nach dem Unterricht bekommen sie ihren Znüni zurück: «Es ist ja nicht unser Hab und Gut, und was die Kinder ausserhalb der Schule essen, können wir nicht bestimmen.»

Umsetzung in der Praxis

In der Primarschule Boppartshof in St. Gallen werden gemäss Schulleiterin Romana Müller Cola und Eistee in den Pausen nicht toleriert und müssen weggepackt werden. «Bei Gummibärchen wird das Gespräch mit den Kindern gesucht.» Aber es gebe gewisse, vor allem süsse Nahrungsmittel, die ungesund seien und im Kindergarten nicht toleriert würden. «Speziell auf dieser Stufe achten wir auf einen gesunden Znüni». Besser als Verbote finde sie aber die Vermittlung einer gesunden Einstellung zu Ernährung an Kinder und Eltern.

Lehrerverband: Znüni in der Verantwortung der Eltern

Es sei natürlich ärgerlich, wenn in der Schule gesunde Ernährung thematisiert werde und die Eltern ihren Kindern dennoch einen ungesunden Znüni mitgeben würden, sagt Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz. Trotzdem seien Verbote der falsche Weg. «Man sollte das nicht so strikt angehen. Schliesslich liegt es in der Verantwortung der Eltern, was sie ihren Kindern mitgeben.»

(ihr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mirjam am 25.09.2019 08:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bevormundung

    Bin ich froh dass meine Kinder erwachsen sind

    einklappen einklappen
  • Esmeralda am 25.09.2019 08:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Shame

    So so, den Znüni in den Abfalleimer geworfen. Vor den Augen der Kinder, tolles Vorbild! Geht's noch?

    einklappen einklappen
  • Joker am 25.09.2019 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Haha

    Foodwaste und Hungerleiden sind kein Thema, aber die Kinder zum Schulstreik anstiften schon - genau mein Humor

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pragmatikerin am 25.09.2019 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wichtig, aber nicht übertreiben

    Am bestem am Elternabend das Thema "gesunder Znüni" thematisieren und ein Merkblatt abgeben. Wenn sich einzelne Eltern so gar nicht daran halten, freundlich ansprechen. Doch Znüni konfiszieren und wegschmeissen, das geht gar nicht! Ebenso finde ich es übertrieben, wenn Bananen aufgrund des Fruchtzuckers verteufelt werden. Zähne putzen und gut ists.

  • Thomas am 25.09.2019 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Der Mensch ist, war er isst...

    Ihr scheint vergessen zu haben, dass sich alle Hochkulturen durch ihren Wahn nach Sinnlosen Werten selber vernichtet haben...

  • Laura am 25.09.2019 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    vielleicht mehr Hauswirtschaft?

    Das war schon vor 20 Jahren an meiner Schule so... ich durfte keine Knoppers und Bananen essen. (wurde mir aber nicht weggenommen). Grundsätzlich habe ich auch Verständnis dafür, dass man Kindern den Umgang mit Lebensmitteln vermitteln möchte und auf eine gute Ernährung achtet... Aber dann müsste man vielleicht mal in Betracht ziehen, dem Fach Kochen/Hauswirtschaft mehr Gewicht beizumessen, denn genau diese Themen sind darin enthalten.

  • Lina am 25.09.2019 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Befürworte es

    Finde ich super, dass die ungesunden Lebensmittel als znüni im Kindergarten nicht geduldet werden. Man kann auch gesunde, leckere Mahlzeiten zubereiten. Ich hoffe, dass die Eltern ihre Kinder dann nicht zu Hause mit Süßigkeiten, Säften und Knabbereien vollstopfen, was man aufgrund der Kommentare vermuten könnte. Den Kindern sollte von klein auf beigebraucht werden, sich gesund zu ernähren.

  • Joker am 25.09.2019 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Haha

    Foodwaste und Hungerleiden sind kein Thema, aber die Kinder zum Schulstreik anstiften schon - genau mein Humor